Vennart – The Demon Joke

Vennart_The-Demon-Joke
Der Songschubser

Wem Mike Vennart nicht nur als der angekleidete Kerl am rechten Bühnenrand von Biffy Clyro vertraut ist, die/der weiß natürlich auch um seine bemerkenswerte Tätigkeit als Songwriter, Sänger und Gitarrist bei Oceansize. Seit deren Auflösung im Jahre 2011 klafft im Progressive Rock eine Lücke. Doch zum Glück gibt es Mike Vennart. Während er sich mit Gambler (ebenfalls Ex-Oceansize) und der gemeinsamen Band British Theatre auf etwas elektronischeren Pfaden die Zeit vertreibt und mit eben jenem Gambler als Tourmusiker an der Seite von besagten Biffy Clyro die Hallen und Festivals der Welt bereist, hat er im Laufe der Zeit einige eigene Songs geschrieben, komponiert, aufgenommen, verworfen, geändert, aufgepeppt, abgespeckt, ja und letztlich tatsächlich veröffentlicht.

The Demon Joke heißt Vennarts erstes Soloalbum, dessen Finanzierung mitunter über Crowdfunding gestemmt werden konnte und das nach Jahren der ziellosen Tüftelei wie ein Befreiungsschlag wirkt. Eine knappe Dreiviertelstunde hebt Vennart der Prog-Rock auf, den Oceansize haben liegen lassen und verpasst ihm einen zugänglicheren, poppigeren und – wie sollte es anders sein – persönlicheren Anstrich. Und nicht nur weil auf The Demon Joke neben Gambler auch Steve Durose zu hören ist, klingen Songs wie etwa Doubt oder Retaliate teilweise sehr nach der ehemals gemeinsamen Band, sondern es ist überhaupt die Art und Weise wie Vennart an seine Songs herangeht, mit Soundverfremdungen (vor allem seiner Stimme) spielt und schönen Melodien hier und da Prog-Seitenhiebe verpasst.

Nun kann man Vennart aber sicherlich nicht vorwerfen sich allzu sehr in der Vergangenheit zu suhlen. The Demon Joke ist kein Nostalgiealbum. Es ist auch kein Oceansize light. Es ist vielmehr eine Sammlung kleiner, unscheinbarer Songideen und großer, wuchtiger Hits eines hervorragenden Musikers. Während Rebirthmark eine knappe und verspielte Melodie ins Zentrum stellt, breitet 255 ausladend die Arme aus. Als wäre man das eine Mal in Vennarts Keller, das andere Mal bei Biffy Clyro im Stadion. Und das Gute daran ist: Es funktioniert. Egal wie Vennart seine Songs dosiert, in welche Richtungen er sie schubst – es will ihm durchgehend gelingen. Zumindest fast. Denn in wenigen Momenten weiß er selbst nicht, wohin er sie eigentlich schubsen soll und so bleibt z. B. ein Duke Fame ein arg zerfahrener Song, der irgendwie alles mitnehmen möchte, wovon letztlich nicht viel übrig bleibt. Dass es jedoch deutlich besser geht, zeigt Vennart beispielhaft an Infatuate, den unaufdringlich balladesken Don’t Forget The Joker und A Weight in the Hollow und dem über alle Maße brillanten Operate. Was für ein Song! Da markt man erst, was eigentlich noch alles möglich gewesen wäre, denn das Potential zum Meisterwerk hat Mike Vennart allemal. The Demon Joke begnügt sich vorerst damit ein sehr starkes Album zu sein. Muss auch reichen.
Wertung: 8/10

Anspieltipps: Infatuate, A Weight in the Hollow, Operate

(Martin Oswald)

Vennart – The Demon Joke | Superball Music | VÖ: 19.06.15 | LP/CD/digital

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