The White Birch – The Weight Of Spring

The White Birch - The Weight Of Spring // Bild: revolver-club.deDie Entdeckung der Unendlichkeit

Man ist aufgrund der Lehren der Vergangenheit vorsichtig, wenn man erfährt, ein Künstler habe stolze neun Jahre damit zugebracht, ein Album zu realisieren. Zu enttäuschend ist meist das Ergebnis im Vergleich zur schier endlosen Wartezeit. Ola Fløttum hingegen hat das seltene Glück, dass niemand wirklich auf eine neue Veröffentlichung seiner Band The White Birch gewartet hat, war die Gruppe doch schon seit 2006 aufgelöst.

Umso überraschender steht demnach The Weight Of Spring vor seinen HörerInnen. Ein Album voller Songs, an denen Fløttum mal mehr, mal weniger intensiv gearbeitet hat, die aber tatsächlich stattliche acht Jahre in der Bastelstube reifen mussten, ehe sie das Licht der Welt erblicken durften. Die Gefahr, dass bei einer derart langen Entstehungszeit irgendwann eine falsche Richtung eingeschlagen wurde? Nicht von der Hand zu weisen. Doch Fløttum weiß um derlei Risiken und macht um alles Verkopfte und Prätentiöse souverän einen großen Bogen. Viel lieber lässt er seinen Slowcore auf den leisesten Sohlen trippeln, gibt seinen Songs ein paar traumwandlerisch schöne Melodien mit auf den Weg und verlässt sich auf die Wirkmacht der kleinen Gesten und Momente.

Das ist es dann auch, was The Weight Of Spring zu einem solch unvergleichlichen und wundervollen Album macht. Von New York, das man in der Anfangsminute kaum wahr nimmt bis zum Schlusstrack Spring übt sich diese Platte erfolgreich in Ruhe und Zurückhaltung. Eben dieses Spring zeigt dabei auf, wie wenig Aufhebens diese Songs um sich machen müssen, um dennoch nachhaltig beeindrucken. Reduzierte Streicher, ein vorsichtiges Klavier und ein paar pittoreske Melodiebögen. Fertig ist ein Stück, das seine HörerInnen über knapp sieben Minuten sicher im Griff hat.

Und dabei nicht mal als großartiger Höhepunkt auffällt. Weil hier das Album selber im Mittelpunkt steht. Ein leises, durchdachtes Gesamtkunstwerk. Langsam, erhaben, anmutig, einzigartig. Voll wohliger Melancholie, voll einnehmender Wärme, voller bedacht dosierter Dramatik. Oder kurz: Voller Zauber. Ein Zauber, dem man für immer verfallen wird. Für immer!

9/10

Aspieltipps: Solid Dirt, Lamentation, The Weight Of Spring, Lantern, Spring

(Martin Smeets)

The White Birch – The Weight Of Spring | Glitterhouse / Indigo | VÖ: 27.02.2015 | CD/LP/Digital

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