The Slow Show – White Water

The Slow Show - White Water

ILiKETHENATiONAL

Ja, die Überschrift wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in die – sowieso nicht existente – interne Bestenliste schaffen. Aber sie bringt auf den Punkt, wen The Slow Show im Muckerpoesiealbum wohl unter dem Punkt ‚Vorbilder‘ eintragen werden. Nach dem Klang von White Water zu Urteilen, versteht sich. So sehr nach The National haben zuletzt – man ahnt es – ILiKETRAiNS geklungen. Die ja unter den ganz päpstlichen VertreterInnen der Szenepolizei ohnehin schon als Rip-off von The National gelten. Ein Rip-off vom Rip-off also? Was The Slow Show wohl dazu sagen würden?

Nun, darüber kann nur spekuliert werden. Wahrscheinlich ist aber, dass dem Quintett aus Manchester derlei Fragen herzlich egal sind und sie viel lieber ihre Songs für sich sprechen lassen. Eine gute Einstellung. Die elf auf White Water versammelten Stücke geben ihnen nämlich recht. Oder um es deutlicher zu machen: Verdammt recht, verdammt nochmal. Weil The Slow Show eine der wenigen Bands sind, die die Kleider ihrer großen Vorbilder auszufüllen zu vermögen. Man nehme nur Lucky You, Lucky Me, das fast nichts braucht, um den Raum zu füllen. Ein paar verhallte Akkorde und ein paar vorsichtige Tastenanschläge reichen dem Song aus, um alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Selten klang ein vergleichsweise kleiner Song so groß.

Noch ein klein wenig größer klingen dann auch die großen Songs. Wie zum Beispiel der Opener Dresden, der als Single nicht nur prototypisch für das gesamte Album steht, sondern sich auch als heißer Anwärter für etwaige Bestenlisten am Ende des Jahres positioniert. Ein Stück das mit seinen jubilierenden Bläsern runter geht, wie Öl, aber genügend clevere Ideen im Hintergrund versammelt, um auch auf Dauer interessant zu bleiben. Und das trotzdem qualitativ alles andere als allein ist. Hinzu gesellt sich beispielsweise das ähnlich gelagerte Augustine. Oder das schön gezupfte und getragene Long Way Home. Oder das anmutige Klavierstück Brother. Man könnte noch viele kurze Sätze mit dem Wort „oder“ anführen.

Oder einfach festhalten, dass White Water ein großartiges Album ist. So großartig, dass der wenig originelle Bandsound nicht weiter auffällt. Da darf Bloodline sogar zu einem Beinahe-Cover von The Nationals Fake Empire werden. All das ändert nichts daran: The Slow Show haben das Jahr mit dieser Platte um ein absolutes Highlight bereichert.

8/10

Anspieltipps: Dresden, Bloodline, Brother, Augustine

(Martin Smeets)

The Slow Show – White Water | Haldern Pop | VÖ: 06.03.2015 | CD/LP

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