Kurzformat #5

Carlson – EP

Na bitte, da sind mal pragmatische Leute am Werk. Weil gerade kein hochtrabender Name zur Verfügung war, heißt diese EP eben ganz schlicht EP. Reicht ja auch. Und alle wissen, was gemeint ist. Was es unter dem großartigen Artwork zu hören gibt, weiß man aber noch nicht. Nun: Alternative. Der spannenderen Sorte. Staubtrockene Produktion, reichlich Stoizismus seitens der Rhythmusfraktion und eine Menge spannender Ideen. Das „Göttinger Tagblatt“ vergleicht die Erfurter gar mit den Kings Of Leon. Und hat damit nicht Unrecht. Nur das hier nervt nicht. Ganz im Gegenteil. Und es hat mit dem Opener Fiddles & Gold sogar einen kleinen Hit mit. [DIY | VÖ: 13.3.2015] – (ms)

Toneron – Toneron

Electro-Alternative. Ein fürchterlicher Name für ein Subgenre. Der sämtliche Nackenhaare in Habachtstellung bringt, könnte sich doch hinter dem Etikett so ziemlich alles verstecken, nur nichts Ordentliches. Zum Glück bilden Toneron hier eine wohlige Ausnahme. Electro ist hier durchaus im Spiel, aber eben auch gutes Songwriting, ein angesoffenes Saxophon und auch sonst allerlei sympathisch-durchgedrehte Ideen. Das könnte sogar uns zum Tanzen animieren. Und das will etwas heißen. [Sportklub Rotter Damm/Believe | VÖ: 27.03.2015] – (ms)

You, Me, And Everyone We Know – Dogged

Weg vom Electro, hin zu, ja, zu was eigentlich? Das lässt sich im Falle dieser Band nicht zu 100 Prozent sagen. Das ist ein bisschen Punkrock, ein bisschen Chaos, ganz viel Pop-Appeal und eine gehörige Portion Emo. Musikalisch ist das alles schön spaßig, textlich geht es allerdings vornehmlich suizidal zu. Was die ganze Chose in die Nähe von Jeff Rosenstock rückt. Mit etwas weniger Wahnsinn. Und etwas mehr Fokus. [Rude Records | VÖ: 17.03.2015]- (ms)

Jim Kroft – Journeys #1

Alle, die das #1 im Titel als Auftakt zu einer Serie verstehen, könnten nicht richtiger liegen. Jim Kroft will eine Art musikalischen Roman schreiben. Oder einen musikalischen Reiseführer, wenn man so will. Dazu wird mal eben flugs die Welt umrundet. Die entstandenen Songs sollen dann auf ganze sechs EPs und zwei Alben verteilt werden. Journeys #1 entstand dabei während einer Reise durch Asien und markiert nun den Anfang eines mehr als nur interessanten Projekts. Ach ja: Zu hören gibt es hier eindrückliche Singer/Songwriter-Nummern, die ganz nach dem Gesamtkonzept klingen. Sehnsüchtig, ruhelos, aufgeladen mit Fernweh und meistens wunderschön. Das hier sollte man unbedingt verfolgen! [Field Recordings/Believe | VÖ: 27.03.2015] – (ms)

Orbit The Earth - The Tidal Sleep - Artwork #1

Orbit The Earth / The Tidal Sleep – Split

Hier muss man eigentlich nicht so wirklich viel erzählen, schließlich sind beide Bands hinlänglich bekannt. Jetzt gibt es auf dieser gar nicht mal so kurzen 12″ jeweils drei neue Songs und ein Cover der jeweils anderen Band zu hören. Wie nicht anders zu erwarten war, gibt man sich hier hüben wie drüben keine Blöße. Wobei Orbit The Earth eine etwas differenziertere Produktion vertragen hätten können. Und The Tidal Sleep ihren Hang zum Postrock noch ein kleines Stück intensiver gestaltet haben. Wie man es auch dreht und wendet, diese Veröffentlichung ist in jedem Fall besonders empfehlenswert. [This Charming Man | VÖ: 04.04.2015] – (ms)

Wind und Farben - SouvenirWind und Farben – Souvenir

Alte Bekannte sind auch Wind und Farben. Jedenfalls haben sie bereits einen Song zu unserem kleinen Sampler beigesteuert. Seit ein paar Tagen gibt es nun auch die 12″ Souvenir. Zu hören gibt es wie schon bisher Post-Punk im Sinne von Captain Planet & Co. mit ordentlicher Emo-Schlagseite. Das klingt dann manchmal so, als hätte man die Trümmer Adolars wieder aufgehoben und einen richtigen Sänger ins Boot geholt. Und das ist als Kompliment gemeint. [lala/Broken Silence | VÖ: 13.03.2015] – (ms)

News 15|1

Orbit The Earth - The Tidal Sleep - Artwork #1

+++ FreundInnen von Boysetsfire aufgepasst! Denn dieses Jahr wird es einiges von den ollen Hardcore-Haudegen zu hören geben. Da wäre zum Beispiel ein neues Album, das für dieses Jahr angekündigt ist. Und ein ‚eigenes‘ Festival. Ja, das Ding heißt Festival. Um genauer zu sein: Family First Festival. Wer dort neben Boysetsfire die Bühne betreten wird, ist noch nicht klar. Fest steht jedenfalls: Es werden – gemäß dem Motto – Freunde und gern gesehene Gesichter sein. Und natürlich großartige Bands. Neugierig gewordene sollten sich diesen Termin vormerken: 21.08.2015 | Köln | Palladium.

+++ Es geht ähnlich laut weiter. Mit Orbit The Earth und The Tidal Sleep. Beide Bands haben miteinander eine Split 12″ aufgenommen. Dazu beigetragen haben sie jeweils drei neue Songs und ein Cover der jeweils anderen Band. Nur etwas gedulden muss man sich noch. Die 12″ wird nämlich erst am 10. April erscheinen. Immerhin: Das Cover kann oben bewundert werden und die Tracklist steht hier:

01. Firmament (OTE)
02. Into Aerospace  (OTE)
03. Scavengers  (OTE)
04. Ghost Poetry (The Tidal Sleep Cover) (OTE)
05. The Valley Dweller (TTS)
06. The Calumet (TTS)
07. The Descent (TTS)
08. Fading Transmission (Orbit The Earth Cover) (TTS)

Hören kann man übrigens auch schon etwas:

Und wer will, kann The Tidal Sleep gemeinsam mit Landscapes an folgenden Terminen sehen:

12.04.15 Köln – MTC
13.04.15 Berlin – Tiefgrund
15.04.15 Hamburg – Hafenklang
16.04.15 Wiesbaden – Schlachthof
20.04.15 Wien – BACH (AT)
21.04.15 Salzburg – Rockhouse
22.04.15 Stuttgart – Juha West
24.04.15 Lichtenstein – JZ Riot
25.04.15 Göttingen – Kino Lumiere

+++ Mit den Leipzigern Baru wechseln wir das Genre in Richtung Indie. Ein Etikett, das jedes Jahr ein bisschen von seiner Trennschärfe verliert und in absehbarer Zeit auch fiesesten Eurodance umarmen wird. Doch das nur am Rande. Vom Eurodance sind nämlich Baru noch ein gutes Stück entfernt. Nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Was auch ihr neues Video unterstreicht. Das sieht dann so aus:

+++ Ebenfalls etwas Neues gibt es von The Boatsmen. Die veröffentlichen am 20. März ihr neues Album City Sailors. Und um die Wartezeit noch ein wenig zu verkürzen, gibt es jetzt ein Video zum Song Are You Ready For Heartbreak?:

The Tidal Sleep – Vorstellungskraft

The Tidal Sleep - VorstellungskraftWas soll da eigentlich noch kommen?

Es war ein regelrechter Paukenschlag als The Tidal Sleep im Jahre 2012 ihr selbstbetiteltes 7-Song-Debüt veröffentlichten. Die passende Antwort auf die vielzitierten „The Wave“-Bands diesseits des Atlantik? Vielleicht. Jedenfalls war es eine deutliche Marke in der Post-Hardcore-Welt – auf allen Seiten des Atlantik. Serpent Hug, Ghost Poetry oder Tiburon sollten jedenfalls auf keinem guten Post-Hardcore-Mixtape fehlen. Diese s/t war eigentlich auch eine Steilvorlage für fast alles, was danach hätte passieren können mit dieser Band. The Tidal Sleep hätten sich in jede beliebige Richtung entwickeln können, irgendwie hätte alles gepasst. Insofern ist die nachfolgende Four Song EP nicht verwunderlich, erstaunlich ist aber, dass The Tidal Sleep darauf mit Defeated Lips und FailuresOff einfach mal ihre bis dato zwei besten Songs raushauten. Was soll da noch kommen?

Es kommt Vorstellungskraft. Ein konsequentes Weiterschreiten des unbekannten Weges mit so viel möglichen Abzweigungen, der doch wiederum nur so Sinn macht, wie er beschritten wird. Die Platte liefert nicht die offensichtlichen Kracher wie der Vorgänger, dafür funktioniert sie von vorne bis hinten als Album. Als Gesamtwerk, das fein, überlegt und zielgerichtet durchkomponiert ist. Es ist geradezu der Inbegriff eines Albums. Einzelne Songs herauszulösen, ist möglich, für einen angemessen Eindruck von Vorstellungskraft aber auch ein bisschen unangebracht. Denn alles hier gestaltet sich im Kontext, jeder Song lebt von den anderen, von der Atmosphäre, vom Tempo, von der Soundgewalt des Albums als Einheit und Gesamtheit.

The Tidal Sleep haben übrigens die Gitarrenfraktion gewechselt und aufgedoppelt (von eins auf zwei) und können ihrem wichtigsten Instrument dadurch noch einige Facetten mehr abtrotzen. Der in diesem Zusammenhang oft erwähnte Delay-Sound, der schon auf der Four Song EP fast aberwitzig und übertrieben, aber höchst eindrucksvoll die Songs zusammengehalten hat, legt sich erneut wie ein hauchdünnes Tuch über das gesamte Album. So leicht und zärtlich der Klang eigentlich ist, so gewaltig sind die Riffs, die ihn regelmäßig zerbürsten. Gewaltig ist auch Rons Stimme, die sich aber im ganzen Gebrülle und Gekeife eine fast schon mystische Aura geschaffen hat, die den Songs die Unmittelbarkeit und physische Nähe nimmt und – philosophisch gesprochen – in Transzendenz kleidet. Das soll nicht albern klingen, aber das Shouting hat etwas Entrücktes, etwas das über dem handelsüblichen Punch von Hardcorevocals steht.

The Tidal Sleep haben das Rohe, Ungestüme und Chaotische der Selbstbetitelten gegen Ordnung, Struktur und Vollkommenheit eingetauscht. Die Songs sind ingesamt viel kompletter und – auch wenn es sich blöd anhört – reifer. Ein Thrive And Wither ist eine regelrechte Demonstration eines klugen und kreativen Songwritings und einer sorgfältigen und punktgenauen Darbietung. Irgendwo zwischen Schönheit und Zerstörung, Mut und Verzweiflung. Hierzu tragen auch die deutlich ausgebauten und ohne Ausnahme raffinierten Postrock-Parts bei, die sich nicht nur in Intro (Angst), Outro (Smoke And Mirrors, Twentyone) oder Mittelteil (Fathomed) schleichen, sondern ganze Songs übernehmen können. Namentlich If You Build It… und Lined Skin, Rotten Hull, die überhaupt mit zu den wunderbarsten Momenten gehören, die jemals auf eine The-Tidal-Sleep-Platte gepresst wurden. Zu letzterer Kategorie zu zählen ist jedenfalls auch Twentyone, das in allen seinen Teilen ganz fabelhafte Gitarrenfiguren zeichnet, die sich und den knorrigen Bass elegant umspielen.

Wenn schlussendlich die letzten Töne von Lined Skin, Rotten Hull verstummen, so reicht die eigene Vorstellungskraft höchstens noch zu der in voller Ergriffenheit gestammelten Frage: was soll da eigentlich noch kommen?

9/10
Anspieltipps: Thrive And Wither, Angst, Twentyone, Lined Skin, Rotten Hull

(Martin Oswald)

The Tidal Sleep – Vorstellungskraft | This Charming Man Records | VÖ: 25.07.14 | LP/CD/digital

 

News | Juli 13 #2

+++ The Tidal Sleep haben sich vor geraumer Zeit im Mannheimer Tonstudio RAMA eingefunden und eine Live-Session aufgenommen. Mit im Programm sind die Songs Kissing Clocks; Serpent Hug und Failures Off. Wir wollen diese kleinen Juwele keinesfalls vorenthalten. Die restlichen Videos finden sich – den Links folgend – bei YouTube.

+++ Wer unbedingt mehr Live-Material von The Tidal Sleep sehen will, bekommt in wenigen Wochen die Chance dazu. Im Schlepptau von XERXES werden erneut die Bühnen der Republik unsicher gemacht. Im Gepäck haben die Headliner aus Louisville eine neue 2-Song-EP namens Would You Understand?, die seit ein paar Tagen bei Bandcamp zu belauschen ist.

Hier noch die aktuellen Tourdates:

26.07. Bielefeld – AJZ
29.07. München – Free And Easy Festival
31.07. Schweinfurt – Alter Stattbahnof
02.08. Berlin – Stateless Society Fest
03.08. Karlsruhe – New Noise Fest
07.08. Zoersel – Jh JoeNiz
08.08. Hamburg – Hafenklang
09.09. Leipzig – 4 Rooms

+++ Am 16. August erscheint das neue Album von Slut. Um die Wartezeit auf Alienation zu verkürzen, gibt es jetzt die erste Auskopplung in Form des Songs Next Big Thing.

+++ Kürzlich erst haben wir Deafheavens Sunbather mit der vollen Punktzahl nach Hause geschickt. Wer nicht nur das Album gut findet, sondern sich auch ein bisschen für Cover- Art und -Design interessiert, der/dem sei dieses Interview ans Herz gelegt. Kein geringerer als Touché Amorés Gitarrist Nick Steinhardt nimmt darin zu dem von ihm entworfenen Plattendesign Stellung. Und

+++ Wo wir schon bei Touché Amoré sind: deren neues Album Is Survived By kommt am 24.09. Einen Trailer gibt es dazu auch schon:

(di, mo)

News 12/11/12

+++ Den Anfang machen heute diese sechs Menschen da oben im Bild. Bevor noch irgendwo das große Rätselraten losgeht: Das da oben sind Conduits. Aus Nebraska. Die haben vor kurzem mit ihrer Selbstbetitelten eine durchaus beachtliche Platte vorgelegt, die sie nun verständlicherweise live präsentieren möchten. ‚Drone-Pop‘ nennt die Band das selber und hat damit nicht mal unrecht. Ausufernde Synthieteppiche in düsterem Klanggewand mitsamt einer guten Prise Postrock. Das sollte vor allem im kleinen Club ein Erlebnis sein. Für Neugierige sind also folgende Termine zu empfehlen:

13.11.2012 – DE – Offenbach, Hafen 2
15.11.2012 – DE – Hamburg, Nachtasyl
16.11.2012 – DE – Dresden, Blaue Fabrik
17.11.2012 – DE – Nürnberg, Stereo – special afternoon show

Und Skeptische können sich zuerst noch die Platte durchhören:

+++ Weg vom düsteren Understatement, hin zu Irland, Working-Class-Romantik, Dudelsäcken und Powerchords führt uns der Weg weiter. Und damit zwangsläufig hin zu den Dropkick Murphys. Die scheinbar unzerstörbaren Folkpunks haben ein neues Album eingeprügelt, das ab 11. Januar zu haben ist. Heißen wird das Teil übrigens Signed And Sealed In Blood. Um die Vorfreude zu steigern, gibt’s mit Rose Tattoo schon jetzt das erste Video zur neuen Platte:

+++ Ebenfalls mit neuem Material protzen können Angels And Airwaves. Der Vierer um Tom DeLonge veröffentlicht am 18. Dezember gar eine Doppel-LP, die auf den Namen Stomping The Phantom Brake Pedal hören wird.

+++ Kommen wir nun zu einem Thema, dass in letzter Zeit immer wieder mal aktuell ist: Der Sänger einer Hardcoreband schnappt sich die verstaubte Klampfe aus der Ecke und macht ein Solo-Album. Dieses mal dabei: Derek Archambault von Defeater. Wobei der Vorwurf ‚Hardcorefritze macht einen auf Akustisch‘ nicht gelten kann, handelt es sich hierbei eher um ein Nebenprojekt. Das Ganze läuft unter dem Banner Alcoa, das Album wird Bone & Marrow heißen und ab 26. Februar erhältlich sein. Archambault selbst sagt über die Platte, dass sie „…a few tracks I’ve been fucking around with for the past few years, along with new stuff written specifically for this record“ enthalte.

+++ Eine schlechte Nachricht: The Tidal Sleeps Gitarrist schmeißt das verschwitzte Handtuch. Warum das so ist, was nun passiert, lassen wir Gitarrist Oliver und den Rest der Band selber erzählen. Die können das auch besser:

„Hi everyone,
as you all know it’s been a good and wild year for the band and I. We played nearly every show we could, wrote and recorded songs and met fantastic people. Personally, with the year coming to an end, I have to admit that I wasn’t expecting any of this. But with the boys wanting to continue at the same pace and me feeling quite the opposite, I have to make a decision which is not easy to make but due to the circumstances somewhat unavoidable. What am I trying to say? Well. Bye Bye Tidal Sleep! I’ll be playing two more Shows in Saarbrücken and Stuttgart, and that’s it. I just wanna thank the following people (in no particular order) for the great moments, the support and love they gave. I think Robin Völkert is a genius. I’ve learned so much the days we were recording and it is safe that you played a major part in the way we sound. Thanks for being just the coolest dude. Period. Dan Coutant. I was soo happy that he mastered our record because we’ve been talking for years about doing something together. I am really happy and thankful for his contribution to the sound of the band. Meeting Alex Pennie, was like meeting an old friend. You have a heart of gold and I am happy we’ve met! Speaking of the Brits. Lewis Johns from the Long Haul is just a fantastic sound engineer and super nice person. Thanks for getting the sound that I wanted, for being so enthusiastic about the EP, and for the hard work you put into making us sound better. Toni James because of you I am always tuned up! Thanks mate! Chris my twin brother from a different mother. Thanks for putting out our records. You and your label rule! Roland Stollenwerk to be honest, even though you don’t know it but but it’s all your fault we got signed in the first place ;). Thanks bro! Benny for making the best artwork out there! Thanks Jonas und Seb Winter, Max Mord and the rest of the MNMNTS crew thanks for the good times! Nanouk at Avocado for putting us on the road and supporting us right from the start. City of Justice represent! Thanks! Thanks to Defeater, especially Mike and Derek! Code Orange Kids for being just rad! Xerxes thanks for putting up with me. Evan Peaks thanks for the good talks! Will….. where’s my money? And Jake; thanks for helping out! It’s been a great journey and I wish nothing but the best to Nic, Armin and Thomas for the coming year. Thank you guys! Keep up the good work!

♥ Oli, (aka Oliver, Joliver, Trevor)“

/// Oliver, we’re wishing you ALL the best. may there always be an 80s pop playlist on you ipod, may there always be pedals with weird effect you can enjoy, may you never lose your enthusiasm for music. XO, yours tdlslpHOWEVER, we’re carrying on as as a band, so don’t you worry.
we’re announcing exciting news soon.

Wenn das mal kein Anlass ist, nochmals auf die kürzlich erschienene EP der Band hinzuweisen:

+++ Der Abschluss gehört heute: The Bronx. Die haben ein neues, viertes Album auf Band gebannt und auf den Namen The Bronx (IV) getauft. Eine Tracklist gibt es ebenfalls bereits:

01. „The Unholy Hand“ 02. „Along For The Ride“ 03. „Style Over Everything“
04. „Youth Wasted“
05. „Too Many Devils“
06. „Pilot Light“
07. „Torches“
08. „Under The Rabbit“
09. „Ribcage“
10. „Valley Heat“
11. „Life Less Ordinary“
12. „Last Revelation“

Und weil das nicht genug ist, gibt es die anstehenden Tourdaten – übrigens in der durchaus interessanten Kombination mit The Hives, wobei The Bronx lediglich die Support-Rolle zufällt – gleich mit geliefert:

20.11. Berlin – Columbiahalle
21.11. Köln – Palladium
22.11. Hamburg – Docks
24.11. München – Kesselhaus
27.11. Wiesbaden – Schlachthof
28.11. Amsterdam – Melkweg

Final Prayer/Empowerment/XERXES/The Tidal Sleep | 03.10.12 | Backstage München (Club)

Ich schicke an dieser Stelle voraus: dies wird kein Konzertbericht im gewöhnlichen Sinne, sondern mitunter eine Schilderung persönlicher Erlebnisse und Beobachtungen und eine Art Abrechnung mit einer seltsamen Szene.

Vier Hardcore-Bands also – so hat man sich bei Avocado-Booking und dem Backstage gedacht: die packen wir mal zusammen. Final Prayer und Empowerment sind gemeinsam auf Deutschland-Tour unterwegs (ich hoffe, ich darf „Deutschland“ in diesem Zusammenhang schreiben) XERXES wiederum mit The Tidal Sleep auf Europa-Tour. Im Backstage sollten sich am Tag der Deutschen Einheit beide Touren die Klinke geben. Keine unbedingt gute Idee – wie sich rausstellen sollte.

Doch zunächst zu The Tidal Sleep. Eine knappe halbe Stunde sollten die vier aus Mannheim bzw. Karlsruhe Zeit haben, um ihre dramatischen Post-Hardcore-Songs zum Besten zu geben. Gewiss zu wenig für eine Band von solch außergewöhnlicher Qualität, allerdings auch ausreichend, um den bleibenden Eindruck zu hinterlassen, dass es sich nicht nur lohnt, ihnen auf Platte, sondern auch Live Aufmerksamkeit zu schenken. Undankbar ist natürlich die Rolle der eröffnenden Band, vor allem dann, wenn die übergroße Mehrheit der anwesenden ca. 80 Leute auf ganz andere Sachen wartet (siehe nachfolgende Zeilen) und nicht die geringsten Anstalten macht sich auf The Tidal Sleep einzulassen. Teils Gleichgültigkeit, teils Verachtung… die Blicke muss man nur richtig zu deuten wissen. Klar, gibt es auch Applaus, wenn auch nur sparsam. Undankbar ist die Rolle für The Tidal Sleep gerade deswegen, weil ihre Musik von der pointierten, ausbruchsartigen Emotionalität lebt, die auch vor der Bühne ihre Entsprechung sucht. Es scheint der Band dennoch Freude zu machen, ihre fabelhaften Songs von ihrem selbstbetitelten Debutalbum und der aktuellen For Song EP mit bemerkenswertem Einsatz zu spielen. Gute Bands können das.

XERXES aus Kentucky erging es leider nicht viel anders. Eine der zerbrechlichen Härte der Songs angemessene Stimmung wollte nicht so richtig aufkommen. Die Wenigsten verirrten sich wegen der von aus der Ferne angereisten Band in den Backstage Club. Und dennoch: auch XERXES wussten mitsamt Thomas von The Tidal Sleep am Bass eindrucksvoll zu überzeugen (warum er als Bassersatz einsprang, konnte ich noch nicht recherchieren). Ein ebenfalls etwa halbstündiges Set wurde bewegungsintensiv, klanglich sehr stimmig und gesanglich hervorragend über die Bühnenbretter gejagt. Zum ersten Mal gab es ja überhaupt die Gelegenheit XERXES und damit starke Stücke wie Tide / This Place Is  Prison oder February in Europa live zu sehen – die Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Nun aber zu einem anderen Kapitel desselben Abends. Empowerment betraten die Bühne – Ihres Zeichens antideutsche Deutschpunk-Hardcore-Veteranen (oder so ähnlich). Die ersten zwei Akkorde sind gedroschen und schon hat es mich umgehauen (im wahrsten Sinne des Wortes). Denn als ich so am Rande der Tanzfläche, fernab des zu erwartenden Moshpits stand – der im Übrigen noch gar nicht gebildet war – hat mich auch schon ein Vollidiot ins Visier genommen und kam mit geschätzten vier Metern Anlauf angesprungen, um mich samt Glasflasche in der Hand von den Beinen zu holen und gegen die angrenzende Treppe zu schleudern. Mir wieder aufhelfen? Ach, wo! Sich entschuldigen? Ach, wo! Nachfragen, ob mir nichts passiert sei? Ach, wo!..

Denn hier sind harte Kerle gefragt, Empowerment sind nichts für Weicheier. Nun ja, das konnte ich zunächst nicht wissen, als ich so gegen die Treppe flog, ordentliche Prellungen an Knöchel und Ellbogen und Taubheit meines rechten kleinen Fingers (die zeitweise noch andauert) haben diese Wissenslücke immerhin geschlossen. Aber, da ich nicht zu lange über meine Wehwehchen klagen will, widme ich mich mal dem Vollidioten, der sicherlich seine Gründe gehabt haben wird, die ersten Kung-Fu-Tanzeinlagen das Abends an einer abseits stehenden, vergleichsweise kleinen und schmächtigen Person zu eröffnen. Also suche ich die Gründe: habe ich ihn verärgert, weil ich bei The Tidal Sleep und XERXES zu energisch gewippt und geklatscht habe? Naja, zu energisch war das sicherlich nicht. Habe ich durch meine Anwesenheit sein markiertes Szene-Revier besudelt? Naja, das Backstage ist alles mögliche, nur kein Szene-Revier. Nahm er den Spruch „Let´s Fight White Pride“ auf seinem T-Shirt zu ernst und meinte in meinem weißen Shirt hinreichend Gründe für einen Frontalangriff gewittert zu haben? Die Antwort wird wohl irgendwo in seiner Hohlbirne verborgen bleiben.

Etwas ratlos, unter Schmerzen, nun aber wach wie ein Reh: Empowerment. Augen – und ohrenfällig ist der Bruch, der sich nach 2/4 der Bands vollzieht. Das „Post“ wird aus dem Hardcore gestrichen, der Sound  härter und unmittelbarer, das Shouting grölender, die Mimik der Protagonisten auf Hass geknetet, die Riffs werden metaliger, die Double-Bass-Pedale im Millisekundenakt getreten. Das macht sich teilweise gar nicht schlecht, zumal die politischen, u.a. antifaschistischen Texte eine gewisse Wut und Hau-Drauf-Mentalität durchaus rechtfertigen. So soll es ja irgendwie sein im Hardcore…

Aber aber, was fällt einem wie Schuppen von den Augen während die Musik krachend vor sich herpoltert? Überall: Männer. Männliche Männer auf der Bühne, hinter der Bühne, vor der Bühne… überall. Wie passend, dass der Zusammenhalt der eigenen Crew, der Hardcore-Szene und der Hass gegen alles andere, was da nicht dazu gehört beschworen wird. Wie der eigene Fußballverein mit Wort und Faust verteidigt werden müsse… Ja leck mich fett: die haben eine Schwanzverlängerung sicher nicht nötig. Dagegen sind The Tidal Sleep und XERXES poppige Blumenkinder.

Wüsste man sich nicht in der Gegenwart einer vorgeblich linksradikalen Band, man könnte glatt glauben auf ganz anderen Abwegen zu schlittern. Denn was sich mit Empowerment im Backstage Club hochzieht und mit Final Prayer noch weitaus schlimmere Blüten trägt, ist geradezu ekelhaft.

Mehr als die Musik, die zumindest bis sie nach ein paar Songs langweilig wird, durchaus nicht schlecht ist, prägt das überbordende maskuline Prolo-Gehabe die Show. Was für harte Männer überall. Grölend, über einander herfallend, wild und rücksichtslos um sich schlagend, egoistisch und wahrscheinlich auch mit extra rauem Klopapier den Arsch abwischend… vor einigen Jahrzehnten hätten diese toughen Kerle in finsteren Kellern Hunde aufeinander gehetzt. Final Prayer sind es dann, die sich vermutlich für die größten Mannskerle auf Erden halten und nach dem Auftritt erst einmal eimerweise abspritzen müssen, damit ihnen nicht die Eier platzen. Auf Tour sei es einfach so toll, entfleucht es dem Sänger, mit all den Leuten (dann werden ausschließlich einige Typen genannt), die „furzen, schwitzen, stinken, schnarchen“. Und wer hätte es gedacht? Als Beweis ihrer Männlichkeit können Sänger und Gitarrist sogar ganz hoch in die Luft spucken und die Spucke wieder mit dem Mund auffangen. Fast wundere ich mich, warum sie nicht einen Holzfällerwettbewerb in die Show integrieren. Nein, das kommt zum Glück nicht, auf ähnlichem geistigen Niveau aber werden Parolen u.a. gegen Champagner-trinkende Bonzen aufgetischt, die, nun ja, der Band wohl einen gewissen „Working-Class-Charme“ geben sollen. Eine Band, die ihrem Habitus zufolge den Hardcore der arbeitenden Klasse direkt aus der Berliner Gosse auf die Bühnen bringt, sich selbst aber aus kleinbürgerlich-akademischen Milieu rekrutiert. Eine einzige Heuchelei.

Bei all dem Gehabe bleibt die Musik wirklich nur Nebensache, je länger aber Final Prayer spielen, umso gleichförmiger werden die vor Testosteron triefenden, technisch dennoch ganz passabel gespielten Instrumente, abgearbeitet.

Was dieser Konzert-Bericht hier soll? Die von den Bands bis aufs Blut beschworene Szene, die sich linksradikal, anarchistisch, emanzipatorisch, gay-positive und tierrechtlich gibt, ist nichts anderes als ein elitärer Kameradschaftshaufen. Ein ausgrenzender Männerbund für die ganz Harten, der nicht nur patriarchale gesellschaftliche Strukturen reproduziert, sondern diese bis ins Unendliche potenziert. Für eine emanzipatorische Szene ist ein elitäres, sexistisches und männlichkeitsfetischisierendes Machogehabe der Tod. Und nichts anderes hat diese Szene deswegen verdient.

Und hey, bevor ich als verweichlichter Spielverderber gelte: Tanzen ist cool, Moshpit ist cool, Pogo ist obercool… dann aber bitte respektvoll für alle, die es wollen und nicht nur die 5-8 Szene-Deppen, die sich trauen und denen es egal ist, ob sie sich ihren verblödeten Schädel aufschlagen.

Nach dem Konzert: Noch schnell ein weißes XERXES-Shirt gesichert und dann nichts wie raus. Ein Fazit aber bleibt aber noch: The Tidal Sleep und XERXES: Immer wieder und jederzeit. Empowerment und Final Prayer: nie wieder!

P.S.: Preisfrage – Wie viele Frauen fanden sich wohl auf dem Konzert und im Moshpit?

(Martin Oswald)

The Tidal Sleep – s/t

Nachdem sich The Tidal Sleep innerhalb der letzten Monate einen gewissen Bekanntheitsgrad erspielt haben und sich mittlerweile mit Bands wie Touché Amoré oder Defeater die Bühne teilen, ist spätestens seit dem Release ihres Debutalbums klar, das diese Jungs aus dem Süden Deutschlands wirklich einiges von ihrem Handwerk verstehen und der Hypetrain in den vergangenen Wochen nicht völlig grundlos durch die Republik gerollt ist. Dabei sind die ewigen Anleihen an die Wave Bewegung zwar gerechtfertigt, verkennen dabei allerdings die Verankerung der Band im Screamo und Posthardcore der Neunziger. Aber genug von unnötigen Vergleichen, The Tidal Sleep stehen für sich selbst und ihrer Definition von Modern(Post)Hardcore.

Mit dem Beginn des Openers Serpent Hug bricht ein leidenschaftliches Gewitter oder um in den besungenen, nautischen Gefilden zu bleiben, eine riesige Welle über den Hörer zusammen, die einem für die nächsten 30 Minuten in einem tosenden Meer aus traurigen Delay Melodien, hymnischen Gitarren, Effekten, knorrigen Bässen, treibendem Schlagzeug und einer sehr wandlungsfähigen Klagestimme zurück lässt. Gerade die Gitarre setzt wunderbare Akzente und bildet einen detailverliebten Klangteppich, der sich vom bekannten Modern Hardcore abgrenzt und einen starken Postrock Einschlag aufweist. Dabei beherrschen The Tidal Sleep das Wechselspiel aus Melancholie und Euphorie in Perfektion, ohne dabei ins Kitschige abzudriften, sowohl musikalisch wie auch textlich. Da treten die Instrumente zurück und erklingen nur noch reduziert, die Vocals gelangen in den Vordergrund um im nächsten Moment von einer Welle in Form des Bass und dem einsetzendem, treibenden Schlagzeug umspült zu werden. Die einzelnen Komponenten schaukeln sich gegenseitig hoch um im richtigen Moment zu explodieren und eine ruhige See zu hinterlassen. Dabei ist die Stille nur die Ruhe vor dem erneuten Sturm, der in der Welt von The Tidal Sleep unausweichlich aufziehen wird. Egal ob die langsamen Momente wie in Ghost Poetry oder das treibende und dramatische Gitarren- und Schlagzeugspiel in Inkbreath. The Tidal Sleep brillieren in jeder Lage. Dies sind nur einige Impressionen der Platte, die nach jedem Hörgang mehr und mehr von sich frei gibt und sich ins Ohr des Hörer brennt. Dabei stehen die restlichen Songs, wie Untilted oder Derelict, den hier erwähnten in nichts nach und sorgen für ein intensives Hörerlebnis.

Das Genre wird zwar nicht zur Gänze neu erfunden, aber so detailverliebt und voller Hingabe zelebriert, das die Platte wieder und wieder durchlaufen muss. Hype hin oder her, was The Tidal Sleep mit diesem Album abliefern ist grandios!  9/10

(Dominik Iwan)