Such Gold + Muncie Girls + Chimney | 29.11.15 | K4 – Zentralcafé (Nürnberg)

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Such Gold

Was könnte man die immer gleichen Sonntagabende leid sein, die man sich im Laufe der Zeit angewöhnt hat und mehr aus rituellem Trotz an ihnen festhält als aus Freude. Tatort, Günther Jauch, Netflix… Es ist ein Jammer. Bequem ist das freilich, aber ebenso bitter. Umso willkommener kann ein Konzert sein, das die Gefahr des Immergleichen nicht im Ansatz birgt. Die HS-Crew und das Café Kaya haben Such Gold, Muncie Girls und Chimney nach Nürnberg ins Zentralcafé im K4 zum „Sunday = Funday“-Fest geholt, um dem Sonntagabend die Bitterkeit auszutreiben. Mit einem vortrefflichen Vokü-Buffet und einer kitschigen Kindergeburtstagsdeko samt jeder Menge Luftballons und Luftschlange hat man wahrlich keine Mühen gescheut. Allzu viele Nürnberger_innen wollten dieser Einladung dennoch nicht folgen, das Zentralcafé ist (wohlwollend gesprochen) halb voll. Dabei hätte es sich wirklich gelohnt.

Chimney aus Nürnberg spielen beschwingten, nicht immer ganz fehlerfreien Poppunk, der sich um keine Melodie herumdrückt, sich nicht lange mit unnötigem Firlefanz aufhält und mit teilweisem Blink-182-Gedächtnisriffing eines „Funday“ durchaus würdig ist. Dass insbesondere die Gitarrenarbeit auf einschlägige Punkrockschulung (No Fun, Jr. High u.a.) zurückzuführen ist, ist zu keinem Zeitpunkt zu überhören.

Muncie Girls aus Exeter, die erst kürzlich die Veröffentlichung eine Split mit Sandlotkids via Uncle M feiern konnten und im kommenden Jahr die erste LP From Caplan To Belsize herausbringen, scheuen ebenfalls keine Melodie, geben sich im Tempo allerdings gemächlicher, zerstreuter und verträumter, ja beizeiten geradezu balladesk. Ingesamt dominiert keineswegs zu einfach gestrickter Poppunk, den Muncie Girls grundsympathisch und mit ehrlicher Hingabe darzubieten wissen.

Deutlich mehr auf die Tube drücken dann Such Gold, die aus Rochester, New York den mit Abstand weitesten Weg hierher gemacht haben und vor allem in den USA mit zwei Studioalben und einer Handvoll EPs (u.a. Splits mit Into It. Over It.) mittlerweile (fast komplett umbesetzt) eine recht große HC/Punk-Nummer sind. Dabei sind sie weder sonderlich innovativ noch fallen sie anderweitig besonders auf im Szenewust. Was jedoch nicht heißt, dass ihr Handwerk nicht verstünden. Im Gegenteil. Denn das tun sie sogar vortrefflich und schmettern einen Hit nach dem anderen von der Bühne. Gerade aufs Live-Spielen verstehen sie sich gut, was in Teilen auch am Pfeffi-Konsum liegen mag, vorrangig aber wohl doch mit Können und Spielfreude zu tun hat. Gerade letzteres ist ein großer Gewinn für den „Funday“. Da hat man wirklich schon andere Sonntagabende verbracht.