EP: Strafplanet | Rowan Oak | Farben/Schwarz | Carnist

Strafplanet – Big FeelingsStrafplanet - Bad Feelings

Diese 7“ zieht flugs vorbei, immerhin bewegt sich nur ein Song jenseits der 2-Minuten-Grenze. Bei diesem flotten, rauen und konsequenten Hardcore Punk, der zuweilen starke Powerviolence-Züge trägt, ist nicht alles zackig und kurz geraten. Die deutschen und englischen Texte, die freilich unverständlich ins Mikro gekeift werden, sind geradezu ganze Essays geworden. Sperrig und spröde in Form und Inhalt werden sie als radikale Gesellschaftskritik runtergerasselt, bleiben meist jedoch phrasenhaft hinter diesem Anspruch zurück. Wer einen Song (zelten) mit „Im Übrigen“ anfängt und anschließend in 1:16 Minuten versucht mit Begriffen wie „Rechenschaft„, „Ursachenforschung“ und „Klassengesellschaft“ den Begriff der Kritik zu erklären, muss daran zwangsläufig scheitern. Dabei ist das gesamte Gebolze gar nicht übel.

[Contraszt! Records | VÖ: 03.08.15]


RowanOak_ItsHardToSeeYouClearly_Cover

Rowan Oak – It’s Hard to See You Clearly

Wie so einige Münsteraner Bands fühlen sich auch Rowan Oak im Midtempo richtig wohl und schielen von ihrem Emopunk aus auch schon mal ins Progressive hinüber. Mit Fail/Safe ist ihnen ein wunderbar vielseitiger und sehnsüchtig-stimmungsvoller Song gelungen. Die Stimmung wird überhaupt groß geschrieben, was sich nicht nur am offensichtlichen Faible für William Faulkner zeigt, sondern auch in vielen Details wie z. B. der Umrahmung der 3-Song-EP mit einem wunderbaren Bassintro (Jeff Bridges) bzw. -outro (To You). Gutes Ding.

[Uncle M | VÖ: 28.08.15]


Farben/Schwarz – Einsfarben-schwarz_eins-cover

Es gäbe genügend Gründe sich Sorgen zu machen, wenn eine Band ihre Debüt-EP Eins nennt und die Sorte von Punk spielt, die man gerne in Hamburg verortet. Was soll daraus schon groß werden, außer bloßer Abklatsch von Captain Planet und Co. oder bestenfalls ganz ok? Tja, falsch gedacht. Es kann ziemlich stark werden, vor allem dann, wenn eine Band so viel richtig macht. Farben/Schwarz gelingt dies und wie es scheint, sogar mit einer ziemlichen Leichtigkeit. So bürsten sie ihren melodischen Emopunk mit ein paar Hardcore-Elementen auf und verstehen sich vorzüglich darauf z. B. in Vollkontrast oder Alles Disko unerwartete Wendungen einzustreuen, die weder allzu kalkuliert noch beliebig wirken. Außer dem etwas schwächeren Sirene funktioniert dieses Rezept auf EP-Länge wirklich vortrefflich. Großes Lob!

[Sportklub Rotter Damm | VÖ: 11.09.15]


CARNIST - HELLISH - coverCarnist – Hellish

Dass Carnist eine themenspezifische Konzeptband sind, sollte sofort ins Auge fallen. Eine unmissverständliche noch dazu. Dem Thema Veganismus und Tierleid eine ganze Band zu widmen, ist dieser Tage aber auch nicht ganz einfach, zumal in der öffentlichen (außerszenischen) Wahrnehmung, das Thema Veganismus durch esoterische und andere verrückte Kreise eine zunehmend unaufklärerische und verschwörungstheoretische Dimension bekommt. Umso wichtiger ist, das Thema aus linksradikaler, emanzipatorischer Perspektive umso deutlicher zu positionieren. Hier kommen Carnist mit ihrem kompromisslosen, crustigen Hardcore Punk ins Spiel. Nach dem umfangreicheren Unlearn gelingt es der Band mit dieser EP das Ausrufezeichen hinter ihre Botschaft noch pointierter zu setzen. Das fängt schon beim Titel Hellish an und zieht sich durch alle Songs, die passenderweise mit Hell is… beginnen. Dass Carnist auch technisch das Fach beherrschen haben sie nicht nur bereits beim Vorgänger, sondern vor allem bei anderen Bands wie Fall Of Efrafa, Light Bearer oder Archivist unter Beweis gestellt.

[Alerta Antifascista Records | VÖ: 23.09.15]

News | Dezember 13 #2

+++ Zur zweiten Runde News im Dezember lassen wir gleich zu Beginn Converge von der Leine. Die waren bei der BBC zu Gast und haben dort eine vermutlich schicke Live-EP eingespielt. Mit dabei sind die Songs Dark HorseAxe To Fall, Damages und – angeblich – Hanging Moon. Warum letzterer Song mit einem ‚angeblich‘ versehen ist? Nun, weil es sich laut Bandangaben um eine rare Version des im Original mit Akustikgitarren eingespielten Tracks handeln soll. Nun gut, entweder Kurt Ballou ist ein noch genialerer Produzent, als ohnehin schon angenommen, oder da ist was durcheinander geraten. Unser Vergleichs- und Lösungsvorschlag ist jedenfalls:

+++ Weniger besserwisserisch gerieren wir uns gegenüber der folgenden Band. Also gegenüber Sigur Rós. Die haben in den vergangenen zwei Jahren gleich mal zwei Alben aufgenommen. Und natürlich veröffentlicht. Jetzt nimmt sich die Band, passend zur Jahreszeit, eine kurze Verschnaufpause und legt einen kleinen, aber feinen Rückblick vor. Zu lesen gibt es das Ganze hier.

+++ All denjenigen, die ab und an hier vorbeisurfen, dürften Light Bearer ein Begriff sein. Schließlich haben die in den Ohren des Kollegen Oswald die Höchstwertung abgestaubt. Jetzt gibt es mit Carnist ein kleines Nebenprojekt. Und zwar eines, das mit Songlängen jenseits der zehn Minuten mal so gar nichts zu tun haben will und viel lieber in aller Kürze zum Punkt kommt. Das klingt dann so:

+++ Da wir gerade beim Hardcore sind, bleiben wir doch gleich dabei. Schließlich gibt es auch Neues um La Dispute zu vermelden. Die waren nämlich im Studio. Und haben, wer hätte es auch gedacht, neues Material aufgenommen. Neues Material, das Rooms Of The House heißen und am 18. März 2014 erscheinen wird. Ein Cover gibt es auch schon:

La Dispute - Rooms Of The House // Bild:  http://www.ladisputemusic.com/blog/

+++ Zum Schluss gibt’s noch mehr Hardcore. Dieses mal von Frank Turner. Moment, Hardcore von Frank Turner? Ja natürlich. Und zwar unter dem Namen Mogol Horde (wir verzichten hier mal aus ästhetischen Gründen auf die ‚ö‘-Schreibung). Schließlich nimmt Turners Hardcore-Spielwiese gerade ein Debutalbum auf. Bislang sind sieben Songs fertig.