Baguette – Oh!Deu!Vre!

Baguette - OhDeuVre

Noisebrot

Preisfrage: Kann man eine Band, die sich selbst Baguette und ihr erstes Album Oh!Deu!Vre! nennt überhaupt ernst nehmen? Nun, eigentlich nicht. Den wildesten Assoziationen schwirren im Kopf herum, die Angst vor dem ersten Höreindruck ist groß. Der erste Blick auf die Tracklist macht es nicht besser: Fuzzelroller. Ah, mon Dieu!

Doch siehe da: Der Song kann ja was. Einiges sogar. Noisiger Lo-Fi-Indierock, der ein bisschen zersaust, vor allem aber energisch zu Werke geht, Cloud Nothings und Japandroids in Hörweite weiß, aber eher auf dem Punkstuhl daneben Platz nimmt. Das sitzt und zerstreut alle Bedenken. Die Grazer Baguette setzen lediglich auf Schlagzeug, Gitarre und stark verzerrten Gesang und denken nicht im Ansatz daran diese minimalistische Konstellation aufzuplustern. Warum auch? Songs wie Knappstrupper funktionieren auch so. Ein geschmeidiges Riff, ein stampfender Beat, fertig.

Doch täte man der Band unrecht sie ingesamt allzu minimalistisch anzusiedeln, weil sie in Songwriting und ihren Soundcollagen einige Haken zu schlagen weiß und eine reichlich experimentelle Ader auslebt. Zum Beispiel dann, wenn sich Leszek erhebt und als progressive Instrumentalnummer eine Achterbahnfahrt unternimmt oder wenn mit Hauli alle rhythmischen Gewohnheiten abgerissen werden. Das ist zuweilen anstrengend, aber gut.

Leider halten Baguette dieses Niveau nicht über die komplette Spielzeit. Vor allem in der zweiten Hälfte (von Hauli und Why You Came abgesehen) kommt zu wenig rum. Da treten die Songs eher träge und ziellos in ausgelatschten Rock’n’Roll-Pfaden herum und kosten das Album einigen Reiz, auch weil man ahnt, dass hier deutlich mehr möglich gewesen wäre. Letztlich ist es aber insbesondere die Kombination aus hakenschlagendem Noiserock und eingängigen Refrains, der Baguette zu einer spannenden Zweierformation macht und die mit Oh!Deu!Vre! sicherlich noch nicht das letzte Wort gesprochen hat.

6,5/10

Baguette – Oh!Deu!Vre! | Numavi Records | VÖ: 11.12.15 | LP/CD/digital