Senore Matze Rossi – Vier Geschichten von Maschinen, Veränderung, einer Liebe und warum aus mir und meinen Freunden nichts mehr werden kann

Wenn ein Lied mit einem Zitat beginnt, folgt meist etwas vermeintlich Großes oder zumindest sehr Ambitioniertes. Matze Nürnberger macht hier keine Ausnahme und läutet den zweiten Teil seiner EP-Trilogie mit einem solchen ein. „Was haben wir dazu gelernt?“ lautet die Frage am Anfang von Vier Geschichten von Maschinen, Veränderung, einer Liebe und warum aus mir und meinen Freunden nichts mehr werden kann. Nun, dass man einer Songsammlung – und sei es nur eine EP – vielleicht etwas griffigere Titel verpassen könnte, hat Herr Rossi offensichtlich noch nicht gelernt. Aber bis zum kompletten Album kann das ja noch werden. Wie ein guter Song geschrieben wird, muss Nürnberger zum Glück ohnehin nicht mehr lernen. Und so gerät „Was haben wir dazu gelernt“ zum bis dato besten Stück des noch unbetitelten neuen Albums. Da schleppt sich ein staubiges Riff durch die Strophe, in der Nürnbergers Stimme Assoziationen zu einem Whiskyfass weckt, schiebt eine Bridge den Song in die Stille, um schließlich einen Refrain auf die Welt loszulassen, der eben diese mit allem was er hat umspannt. Gen Firmament gereckte Fäuste garantiert. So gehen Emotionen. Zeilen und Bilder wie ‚manchmal komme ich mir vor, wie eine hilflose Schachfigur eines riesengroßen Vollidioten‘ sichern das Stück dabei vor jeglichem Kitsch und bilden die Krönung dieses grandiosen Einstiegs.
Umso größer ist dann die Enttäuschung, die „Du bist nur eine Maschine“ mit sich bringt. Das ist eben ’nur‘ ein gewöhnlicher und passabler Rocksong, nicht mehr, nicht weniger. Auch mit „Als hätten sie mich nie besiegt“ verhält es sich ähnlich. Beide Stücke sind gewiss nicht schlecht, nur eben auch nicht außergewöhnlich gut. Hier finden sich die bisher durchschnittlichsten Momente von Rossis neuen Songs.
Mit „Warum aus mir und meinen Freunden nichts mehr werden kann“ macht Rossi dann aber wieder alles richtig, kreiert ein rip-off ohne rip-off. Die Uminterpretation von „Where’s my mind“ als tiefstmögliche Verneigung vor den Pixies ist bewundernswert clever und einfach nur enorm sympathisch. Ein Kommentar ob der Qualität des Songs erübrigt sich bei der Vorlage sowieso.
Nun wurde hier zur ersten EP die Behauptung aufgestellt, Nürnberger könne in die Fussstapfen von Muff Potter treten, so er denn das Niveau halten könne. Letzteres ist ihm nicht ganz gelungen. Dass Rossi trotzdem die Potters ersetzen kann, bleibt dennoch zu hoffen.
Bis dahin halten wir uns an die grandiosen Momente dieser EP.

6/10

4 Gedanken zu „Senore Matze Rossi – Vier Geschichten von Maschinen, Veränderung, einer Liebe und warum aus mir und meinen Freunden nichts mehr werden kann

  1. Das Cover zeigt zwei Mädchen mit 3D-Brillen. Menschen mit Hang zu aberwitziger Überinterpretation oder schwerem Alkoholproblem sehen außerdem folgendes:
    – Einen Tigerkopf
    – Einen Fuss mit Fessel
    – Ein unbekanntes Fluobjekt

  2. Pingback: Bad Drugs | heartcooksbrain

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