Rise Against – The Black Market

Rise Against - The Black Market // Bild: universal-music.de

Anders als gedacht

Zugegeben, es gibt inzwischen wohl durchaus weit Spannenderes als eine neue Platte von Rise Against. Zu bekannt sind die Versatzstücke, aus denen die Truppe um Tim McIllrath ihre Songs seit den letzten drei Alben zusammenkleistert. Zu sehr ist man an die Dynamik gewöhnt, die einem Song dieser Band nun mal so innewohnt. Braucht man nicht mehr viel zu sagen, ist halt eine neue Platte von Rise Against und bietet Punk, der in keinem Jugendzimmer der Welt noch jemandem irgendwie weh tut, natürlich immer unterfüttert mit dem textlichen Anspruch, die Welt zu retten. Und überhaupt war nach den ersten drei Platten sowieso die Luft raus. Mindestens.

Somit wäre The Black Market auch schon abgefrühstückt. Ein okayes Album, das die Welt ‚South Of Mainstream‘ nicht groß weiter zu kümmern braucht. Da man hier aber weder von der Intro ist und sich auch sonst jedweden pseudoelitären Habitus verbieten will (jaja, klappt nicht immer), schaut man eben doch genauer rein in die neue Platte von Rise Against. Und siehe da: Es lohnt sich. Klar, an der Oberfläche tönt The Black Market tatsächlich so, wie ziemlich jedes jüngere Album der Band. Unter selbiger darf man aber doch ein paar subtile Veränderungen bestaunen. Da wäre zum einen McIllraths Stimme, die endlich mal wieder nicht penetrant in den Vordergrund gemischt wurde und – man höre und staune – neuerdings auch endlich wieder brechen darf. Schön, dass die Herren Stevenson und Lawrence bemerkt haben, dass McIllraths Organ genau dann am besten ist. Da wären zum anderen auch die Songs, die nicht mehr stets den Weg zur größtmöglichen Dramatik suchen, sondern auch mal den einfachen Weg gehen, wenn es ihnen denn gerade zuträglich ist. Und da wäre im übrigen auch die Qualität des Liedguts, die mindestens im Vergleich zu Appeal To Reason und Endgame gestiegen ist.

Was die HörerInnen in den Genuss bringt, Stücke, wie den fabelhaften Titeltrack oder das vorab veröffentlichte I Don’t Want To Be Here Anymore goutieren zu können. Und zwischendurch auch mal ein bisschen zu staunen. Wenn zum Beispiel Tragedy+Time mal eben den Entschluss fasst, den Karren für gute vier Minuten in Richtung Pop zu ziehen. Und zwar unfallfrei. Eine fies eingängige Melodie, ein rundum gelungener Chorus und eine ungewohnte Losung: „We’re holding on / to laugh again someday.“ Das war so nicht zu erwarten. Ebensowenig, wie das fulminante The Eco-Terrorist In Me, das nicht nur endlich wieder eine größere Packung Geschrei dabei hat, sondern auch mal so mir nichts, dir nichts alle Stärken und Trademarks der Band in unter drei Minuten packt. Kann man mal machen. Dass zur zumeist gelungen musikalischen Komponente auch auf Seiten der Lyrics an einigen Stellschrauben gedreht wurde, tut den Stücken zusätzlich gut. Natürlich wird hier stets ein politischer Anspruch vermittelt, jedoch verbirgt sich selbiger hinter eher in sich gekehrter Textarbeit. Die überbordende Theatralik, die zuletzt noch moniert wurde? Passé.

Da ist es dann beinahe ein wenig ärgerlich, dass Rise Against doch wieder ein paar Streichkandidaten auf’s Album geschmuggelt haben. Stücke wie Sudden Life oder Awake Too Long mögen zwar bestimmt nicht schlecht sein, fallen aber im Vergleich zum restlichen Material doch ein wenig ab. Dafür aber implementiert die Band dem fast obligatorischen Akustiktrack eine wohltuende Unaufgeregtheit, die zeigt, wie weit man es mit den Streichern treiben kann, ohne unterkiefertief im Kitsch zu versanden. Und ganz zum Ende hauen Rise Against mit Bridges noch einen sicheren Kandidaten für ein hoffentlich nie erscheinendes Best-Of-Album raus. Und Captain Ahab? Dem winkt die Band nunmehr milde lächelnd hinterher. Schließlich präsentiert sie sich hier so stark, wie es seit Siren Song Of The Counter Culture nicht mehr getan hat.

7/10

Anspieltipps: Tragedy+Time, The Eco-Terrorist In Me, Methadone, Bridges

(Martin Smeets)

Rise Against – The Black Market | Interscope/Universal | VÖ: 11.07.2014| CD/LP/Digtial

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*