Michael Lobesan + The Aharonov Boom Effect | 20.11.15 | W1 (Regensburg)

Michael Lobesan63-001

Der November hat traditionell eine ordentliche Konzertdichte und steht sich dabei manchmal selbst ein bisschen im Weg. Dann nämlich, wenn unweit voneinander zeitgleich zwei unterschiedliche Konzerte stattfinden, die zumindest im Groben auf ähnliches Publikum hoffen können: Die Regensburger The Holy Kings, die im Büro ihr allerletztes Konzert samt allerletztem Album (Losing the Bond to Society) gaben und Michael Lobesan, der wiederum im W1 die Veröffentlichung seines ersten Solo-Albums Orphans feierte. Punkrock und „Melancholy Rave“ mögen soweit beieinander nun auch nicht liegen, ähnliche Szene- und Bekanntenkreise ließen dennoch eine gewisse Konkurrenzsituation aufkommen. Wir haben uns für letzteres entschieden.

Da sind zunächst einmal The Aharonov Boom Effect aus München, die einstimmen sollten. Etwas um die Ecke gedachte elektronische Musik mit allerlei Beat-Spielereien, zerfahrenen Melodien und einem auffällig ausschweifenden Gesang. Das ist so schlecht nicht, wenn auch ordentlich chaotisch und wäre um 3 Uhr nachts im Club deutlich besser aufgehoben als als Support um halb zehn im W1. So wird mit Visuals (mittlerweile wohl eine Pflicht für elektronische Bands) eine Clubatmosphäre imitiert und mit wummerndem Bass Tanzbarkeit simuliert, die schnell wieder verpuffen.

Michael Lobesan kann auf bessere Startbedingungen hoffen, zumal seine Art elektronischer Musik vorwiegend auf gemächliches Tempo, sanfte Klänge, leichte Melodien und viel Atmosphäre setzt. Der Postrock, der Michael Lobesan durch seine Hauptband Wassermanns Fiebertraum allzu vertraut ist, dringt durch sein Gitarrenspiel permanent durch und trägt seine verträumt und gefühlvoll arrangierten Songs auch inmitten von knarzigen Synthieklängen und knackigen Beats hoch und weit.

Doch der Abend steht insgesamt nicht wirklich unter einem guten Stern. Von vorne bis hinten will Michael Lobesan (der live von The Aharonov Boom Effects Timotheus unterstützt wird) Orphans spielen, muss aber unterdessen mehrmals den Monitorsound korrigieren lassen und deswegen sogar auch einen Song abbrechen und neu beginnen. Mehrere Minuten verstreichen im Ungewissen, auch weil selbst im Publikum zu spüren ist, dass der Bühnensound ein einziges Spannungsfeld ist, das nur durch Glück nicht funkt und raucht. Das alles wirkt nicht nur unrund, sondern ist für einen Solomusiker auch einigermaßen überraschend. Ein Stimmungskiller, zumal für atmosphärische Musik, ist dies sowieso und bleibt an diesem Abend leider mehr im Gedächtnis als Michael Lobesans gutes Album.

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