Mewithoutyou – Pale Horses

mewithoutYou - Pale Horses

…Und aus Holz

Würdig altern. Eine Aufgabe, die genreübergreifend so manche Band vor große Schwierigkeiten stellt. Man denke nur an den Zirkus, den Metallica zwischenzeitlich veranstaltet haben. Oder an den Reunion-Schmonz aus dem Hause At The Drive-in und Refused. Oder an das traurige Bisschen, das von The Get Up Kids übrig ist. Man sollte eben aufhören, wenn es gerade am schönsten ist. Oder unbeirrt den eigenen Weg weiter erkunden und den eigenen Sound konsequent erweitern. Worauf sich Mewithoutyou bestens verstehen.

Dabei trägt diese Band die ein oder andere schwere Bürde mit sich herum. Sie haben mit Catch For Us The Foxes zum Beispiel eine Band wie La Dispute überhaupt erst denkbar gemacht. Sie haben mit Brother, Sister gleich für noch für einen weiteren Meilenstein in Sachen Post-Hardcore gesorgt. Und sie sind zum Glück clever genug, gar nicht erst zu versuchen, daran anzuknüpfen. Entsprechend weit wagt sich Pale Horses stellenweise vom Sound früherer Tage weg, um sein Glück zu suchen. In elegischer Düsternis. In morbiden Stimmungen, die man so auch von The National erwarten hätte können. Und in treffsicher platzierten Ausbrüchen.

Die Songs wie Red Cow veredeln. Das mit einer Ruhe beginnt, der man zu keiner Zeit vertrauen kann. Weil man ahnt, das da noch was kommt. Und wie. Aaron Weiss lässt seine Stimme erbeben, die Akkorde prasseln schwer auf ihrer Hörer_innen ein und bei aller Lautstärke bewahrt sich der Song dennoch eine gewisse Anmut. Die allen Songs dieses Albums inne wohnt, sei es nun das hektisch die eigene Vergangenheit erinnernde D-Minor, das nur 100 Sekunden dauernde, minimalistische Storytelling von Dorothy oder das kunstvoll getragene Magic Lantern Days. Sie alle sind grundverschieden und doch in einem ganz gleich: Sie sind geradezu wunderschön.

Und zwar ohne jede Spur von Oberflächlichkeit oder Naivität. Pale Horses ist ein ungemein forderndes Album, das nach und nach erschlossen werden will. Dessen viele kleine Ideen zwar meistens leiser und unauffälliger präsentiert werden, aber dafür umso eindrucksvoller wirken. Überall funkelt und strahlt es in diesen Songs. Stets wird man von einer unwiderstehlichen Melancholie umgarnt. Und ganz zum Schluss lassen Mewithoutyou ein ganzes Genre Bauklötze staunen, wenn sie mit Rainbow Signs über sechs Minuten einfach nur brillant sind. Ein Song, der nicht nur im eigenen Werk ganz weit vorne anzusiedeln ist. Ein Statement. Einer Band, die auf ihrem nunmehr sechsten Album zwar reifer, aber um keinen Tag gealtert klingt. Früher war eben doch nicht alles besser.

Wertung: 8/10

Anspieltipps: Pale Horses, Red Cow, Magic Lantern Days, Rainbow Signs

(Martin Smeets)

Mewithoutyou – Pale Horses | Big Scary Monsters/Alive | VÖ: 24.07.2015 | LP/CD/Digital

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