Matze Rossi – Und jetzt Licht, bitte!!!

Matze Rossi - Und jetzt Licht bitteEin Album ist keine Yogamatte

Senore Matze Rossi hat endlich wieder ein Album aufgenommen. Nachdem der Plan mit drei Online-EPs nur zu 2/3 vervollständigt werden konnte (siehe hier und hier), ist es um den Schweinfurter Solokünstler etwas leiser geworden. Er wolle das Rossi-Projekt mit Begleitband wieder zu einer reinen, akustischen Soloangelegenheit machen und dafür das Stromgitarrenkabel in einer „richtigen“ Band einstecken. Da sind wir also: die Band heißt Bad Drugs und hat Anfang des Jahres ihre Debütplatte veröffentlicht und Matze heißt Matze Rossi und bringt mit Und jetzt Licht, bitte!!! sein viertes Album raus.

Er vollzieht damit einen gewaltigen Bruch mit den vorangegangen Veröffentlichungen und ist seiner ersten Soloveröffentlichung solo(w) boy, so-low so nahe wie seit zehn Jahren nicht mehr. Und jetzt Licht, bitte!!! geht im wahrsten Sinne back to the roots. Akustikgitarre, Stimme, fertig. Gut, eine handvoll Gaststimmen, hier und da Mundharmonika, spärliche E-Gitarreneinsätze oder dezente Streicher/Piano/Keyboard- und Glockenspieluntermalungen sind auch zu hören. Matze hat das Album in seinem Keller und Wohnzimmer eingespielt und bringt es über sein Label Dancing In The Dark Records heraus. Das hier sind 100% Matze Rossi. Mehr DIY geht eigentlich nicht.

Leider sticht zunächst das wirklich scheußliche Artwork ins Auge (auch von Matze). Verpixelter blauer Himmel mit Kondensstreifen (oder sind das Wolken oder gar Chemtrails?!?), im Booklet ist dieser Himmel dann auch noch eingefärbt. Puh, da kann die Musik nur noch besser werden. Und so ist es natürlich auch. Alles was du willst gibt die Marschroute vor, die bis zum letzten Song ein- und durchgehalten wird. Insgesamt sind es dreizehn reduzierte, direkte, authentische, über alle Maße positive, schöne kleine Songs. Diese intime Nähe zeichnet dieses Album ohne Frage aus. Die Unmittelbarkeit und Rohheit der Kelleraufnahmen überträgt sich eins zu eins auf den Höreindruck. Es passt kein Blatt zwischen Künstler und Hörer_in. Als hätten sie mich nie besiegt (mit E-Gitarre), Wir wollen doch gut aussehen oder der Titeltrack kommen in ihrer Ungeschliffenheit und Einfachheit wunderbar ehrlich und ursprünglich daher, so dass von ihnen weit mehr übrig bleibt als Text und Melodie. Die Produktionswalze hat hier eben nicht gewütet und so ist jede (vermeintliche) klangliche Imperfektion als Moment für die Ewigkeit festgehalten. Persönlicher und authentischer geht es eigentlich nicht.

Das aber ist auch gerade das Problem von Und jetzt Licht, bitte!!!. Die Platte ist ein kleines Klammeräffchen und mit allzu viel Herz, Liebe, Kitsch und mantraartiger Positivität aufgeladen und kann in ihrer Gesamtspielzeit von fünfzig Minuten auch auf die Nerven gehen: „Oh ich bin und ich glaube an die Liebe, die Natur und an das Gute in uns allen und wem ist das jetzt zu hippiesque? Ich bitte euch, ist doch besser als Angst, Hass und Tristesse“. Naja, besser vielleicht schon, aber (mit einem Schmunzeln unter uns gesagt) „hippiesque“ ist es trotzdem. Hinzu kommt, dass Matze auf dieser Platte zwar eben seine persönlichsten Songs festhält, leider aber nicht seine besten. Sein eigentlich überragendes Songwriting hat stets auch von einem ordentlichen Schuss Melancholie und Weltschmerz profitiert. Auch die Bandversionen der Matze-Songs sind und waren für sie stets eher ein Gewinn. Und so kommt es auch, dass die hier erneut aufgenommenen Best Friends, Geist und Warum aus mir und meinen Freunden nichts mehr werden kann, in ihren jeweiligen Bandversionen stimmiger, kompletter, ja schlichtweg besser sind.

Freilich bietet Und jetzt Licht, bitte!!! auch wunderbare Momente, die diesen Künstler so besonders machen. Das entschlossene und liebenswürdige Komm wir bauen uns was auf: „und dann stecken wir’s in Brand, damit es jeder sehen kann… und wärmen uns daran“. Oder das formvollendete Und jetzt Licht, bitte!!!. Ein einfacher und fragiler Song, der nur Lagerfeuergitarre und harmonische Stimmen (mit Nicole Carter Cash) braucht, um am Ende mit ein bisschen Pauke zu explodieren.

Zusammenfassend lässt sich aber nicht leugnen, dass obwohl Und jetzt Licht, bitte!!! an sich eine gute Platte ist, sie zugleich die bis dato schwächste Veröffentlichung des wunderbaren Matze Rossi ist.
6/10

Anspieltipps: Komm wir bauen uns was auf, Und jetzt Licht, bitte!!!, Geist, Warum aus mit und meinen Freunden nichts mehr werden kann

(Martin Oswald)

Matze Rossi – Und jetzt Licht, bitte!!! | Dancing In The Dark Records | VÖ: 25.07.14 | LP/CD/digital

3 Gedanken zu „Matze Rossi – Und jetzt Licht, bitte!!!

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