Matze Rossi | 15.01.15 | Alte Mälzerei – Underground (Regensburg)

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Matze Rossi

Es geht um Licht, Liebe, Leben, Freunde, Träume, Kinder, Beine und Wunder. Nein, die Rede ist nicht von Semino Rossi im ZDF Fernsehgarten, sondern von Matze Rossi in der Alten Mälzerei. Und nein, das ist auch nicht so schlimm wie es zunächst klingt. Wir haben es hier nämlich nicht mit Retortenschlager zu tun, sondern mit einem der besten deutschsprachigen Singer/Songwriter. Weil letzterer textlich der Sonntagvormittagunterhaltung im öffentlich-rechtlich Fernsehen oftmals verdächtig nahe kommt, gibt zwar einerseits Grund zum Fremdschämen, ist andererseits dermaßen konsequent und authentisch, dass die Güte von Matze Rossi in dieser Hinsicht tatsächlich erklärungsbedürftig ist.

Der Schweinfurter ist im Rahmen einer Mini-Tour zum ersten Mal solo nach Regensburg gekommen, um sich vor ca. 70 Leuten durch mittlerweile fast ein Jahrzehnt Senore-Matze-Rossi-Songs zu spielen. Vier Alben (aktuell Und jetzt Licht, bitte!!!)und paar EPs (siehe z. B. hier und hier) hat er bisher veröffentlicht und ist musikalisch zuletzt wieder stark zu seinen Solo-Wurzeln zurückgekehrt. Gesang, Gitarre und gelegentlich Mundharmonika. Mehr gibt’s nicht. Wie bei Matze üblich, gibt es noch nicht einmal eine Setlist. Er sagt und singt, was ihm gerade so in den Sinn kommt. Das ist teilweise an Kitsch und Schwülstigkeit nicht zu überbieten, aber dafür schonungslos ehrlich und im Grunde genommen im höchsten Maße liebenswert. Denn Matze ist so etwas wie der netteste Mensch der Welt. Wenn man ihn reden, spielen, lachen und singen sieht und hört, kann man eigentlich zu keinem anderen Urteil kommen. Man kauft ihm alles ab. Jedes Gefühl, jede Silbe über das Schöne, das Gute und das Glück (das er stets „Klück“ ausspricht) sind echt und nicht etwa Berechnungen und Verkaufsabsichten aus der Schlagerretorte. Fast zwei Stunden nimmt sich Matze Zeit mithilfe seines großartigen Songwriter-Talents und seiner herrlichen Stimme sein Herz auszuschütten. Eingewoben ist all das in viele Anekdoten über Vergangenes („In Regensburg war ich zuletzt mit Tagtraum. Ich weiß, dass wir ziemlich betrunken waren. Das ist aber auch das einzige, was ich noch weiß“) und Zukünftiges (Job kündigen und ganz viel Musik machen).

Letztlich ist das Konzert eine einzige große Erzählung über den Protagonisten Matze Rossi, der sich kindlich, ja geradezu naiv durch eine ihm unverständliche und raue Welt bewegt, dort gelegentlich aneckt, stets aber auf der guten Seite landet. Freundschaft, Liebe, Geborgenheit und natürlich die Musik – in diese Erzählung streut Matze Songs ein, die ihm gerade passend erscheinen. Darunter finden sich aktuelle Stücke gleichermaßen wie alte. Aber auch Tagtraum-Songs (Analog am Stück, Balsam), Songs seiner aktuellen Punkband Bad Drugs (We Are (Not) Fucked, Best Friends) und sogar Cover (Hot Water MusicAt the End of a Gun) spielt er. Eigentlich könne er gar nicht so gut covern, macht es aber trotzdem, auch könne er gar nicht so gut Gitarrezupfen, macht es aber trotzdem. Manchmal vergisst er Textpassagen, singt aber weiter. Die Möglichkeit des Scheiterns ist bei Matze Rossi immer mitgedacht, ja sie liegt geradezu offen auf der Hand. Nur scheint es ihn überhaupt nicht zu kümmern. Warum auch? All das gehört zum Gesamtbild von Matze Rossi: Der netteste Mensch der Welt auf der Suche nach seinem Klück.

(Martin Oswald)

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