+/- – Jumping The Tracks

+/- - Jumping The Tracks // Bild: stereogum.com

Die Guten

Kaum zu glauben: Über fünf Jahre ist es nun schon her, dass +/-, diese Band mit dem unmöglichen Namen die Welt mit einer neuen Platte beglückt hat. Dabei fühlt es sich eher so an, als sei Xs On Your Eyes erst vor wenigen Wochen erschienen. Was möglicherweise damit zusammenhängt, dass besagtes Album sich mit einer beachtlichen Hartnäckigkeit immer wieder zwischen all die neuen Releases in den heimischen CD-Player mogelte. Weil es Indierock der virtuoseren Sorte zu bieten hatte und hat. Songs, die auch nach fünf Jahren kaum Alterserscheinungen zu beklagen haben.

Was noch lange kein Grund ist, um nicht noch ein paar Stücke dieses Formats draufzulegen. Das meint: Es ist trotz allem an der Zeit, ein neues Album vorzulegen. Selbiges hört nun auf den Namen Jumping The Tracks und macht ziemlich genau dort weiter, wo Xs On Your Eyes aufgehört hat. Fluffige Gitarren legen sich über ein verspieltes wie versiertes Schlagzeugspiel, garniert mit grazilem Gesang. Das Dauerhakenschlagen von früher haben +/- also auch anno 2014 nicht wieder im Programm. Dennoch sind spürbare Veränderungen zu vernehmen. So hat Produzent Steve Choo, der unter anderem schon für The Pains Of Being Pure At The Heart an den Reglern saß, der Band im Vergleich zum stellenweise etwas sterilen Vorgänger wieder einen etwas organischeren Sound verpasst. Was gerade dem Schlagzeugsound sehr gut zu Gesicht steht. Doch auch die Band selber wagt sich in nicht allzu bekannte Gefilde. Schon der Opener Young Once grüßt in ungewohntem Gewand: verwischte Gitarrenfeedbacks und ein atemloser Beat erzeugen eine unruhig lodernde Atmosphäre, die man von den zuletzt so sehr in sich ruhenden +/- nicht unbedingt erwartet hätte. Das klingt alles verdächtig nach gar postrockigen Ausbrüchen. Die allerdings nur angedeutet werden. Für das Offensichtliche war sich diese Band schließlich schon immer zu schade. Dennoch steht fest: +/- können es auch in dunkleren Farben. Ganz vorzüglich sogar. Auch neu im Repertoire: Der Hit. Der wird mit There Goes My Love geliefert. Mitsamt verschlepptem Schlagzeug und wundervoller Gitarrenmelodie lassen +/- ihren bislang geradlinigsten Song entstehen, schaffen einen knapp fünf Minuten langen, zum schwelgen einladenden Traumtänzer.

Trotz aller Neuigkeiten versteht sich die Band natürlich nach wie vor bestens auf ihr eigentlich Metier. Nämlich auf luftige Songentwürfe zwischen Pop und verschrobenen Indierock. The Bitterest Pill pflegt spielerisch die eigenen Trademarks, The Space Between Us gibt den formidabel abgehangen Akustiktrack und No One Can Touch You Now zeigt mitsamt Schwurbelsolo und Bläsertupfern, wie wenig +/- brauchen um einen Pop-Song auf die Kette zu bekommen, der fernab aller Beliebigkeit um ein vielfaches gediegener klingt, als der ganze Rest. Ebenfalls großartig: Der Bonustrack I’m A Little Teapot, der die Verspieltheit der Band mal ganz hemmungslos von der Leine lässt und so irgendwo zwischen Kinderlied und einem Hauch von Klamauk einen Song zu Tage treten lässt, der nicht nur das Prädikat ‚herzallerliebst‘ verdient hat, sondern gerade wenn die Bläser anschwellen auch viel mehr als ein Bonustrack ist.

Kurzum: +/- haben es auch 2014 nicht verlernt, tolle Songs aufzunehmen. Auf den ersten Blick vielleicht ein wenig unscheinbar, beim genaueren Hinhören dafür aber umso beeindruckender. Songs für Abende fernab der Tanzfläche. Für die guten Stunden.

8/10

Anspieltipps: Young Once, There Goes My Love, I’m A Little Teapot

(Martin Smeets)

+/- – Jumping The Tracks | Teenbeat Records | VÖ: 04.02.2014 | Digital

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*