Joasihno | 20.04.16 | Ostentor (Regensburg)

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Für das erste Konzert im neuen Ostentor (also im alten Ostentorkino unter neuer Leitung) sollte etwas Besonderes her. So scheint es zumindest, denn mit Joasihno kam nicht einfach nur eine gewöhnliche Band, sondern ein ganzes Ensemble. Ein Ensemble bestehend aus zwei Menschen und zahlreichen Instrumenten, Gerätschaften und Robotern. Cico Beck und Nico Sierig haben im Zuge einer kleinen Tour zur kommenden Platte Meshes ihre kleine Band auf ein neues Live-Level gehoben. Auf der eher nach Werkraum anmutenden Bühne gehen die beiden förmlich unter, so klein machen sie sich inmitten allerlei Rotoren, Schlag-, Tasten-, Blas- und Zupfinstrumenten. Rechner, die das alles zu einem Ganzen vernetzen, dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Was geht hier eigentlich vor sich? Das Konzert ist gewissermaßen eine dialektische Angelegenheit, weshalb gerade die wechselwirkenden Mechanismen zwischen Mensch und Maschine das eigentlich Interessante sind. Die Übersetzung digitaler Signale in mechanischen Wirkzusammenhang und die wiederum rückübersetzte analoge Bewegung ins Digitale, ist beindruckend. Denn geht der eigentliche Weg der Technisierung weg vom menschlich Unzulänglichen, weg von fehlerhaften und unpräzisen (in diesem Falle musikalischen) Bewegungen, so findet hier eine Umkehrung dessen statt. Die mit Kugelpendeln behangenen Rotoren beispielsweise übernehmen perkussive Aufgaben und schlagen auf ihrem Rundweg gegen Schlag- und Klimper- und Raschelinstrumente. Zumindest sollen sie es. Manchmal bleiben sie auch hängen oder beschleunigen zu schnell und verfehlen ihr Schlagziel. Von Perfektion sind sie weit entfernt und erweisen sich als größere Fehlerquelle als die menschliche Hand, die eine Schlagbewegung auch nie auf ganz exakt die gleiche Weise ausführen kann. Diese Fehler sind natürlich kalkuliert und erwartbar und bergen in sich unvorhergesehene Momente, die den perfektionistischen Anspruch an Technisierung obsolet machen.

Haben Cico und Nico diese Gerätschaften im Griff? Ja und nein, so scheint es. Sie geben die Impulse, programmieren und steuern zielgerichtet ihre Apparaturen, verharren aber dennoch in devoter, ja geradezu religiös ergebener Haltung vor diesem Sammelsurium aus selbst- und fremdgebasteltem Technikzeug und man ahnt, dass auch sie ahnen, dass nur ein fehlerhaft gestecktes Kabel, ein abgestürzter Rechner, eine verschlissene Hydraulikpumpe und dergleichen von einer Sekunde auf die andere alles ändern können. Gleichermaßen beherrschen Joasihno ihre Maschinen wie sie von ihnen beherrscht werden. Eine mächtige und ohnmächtige Schicksalsgemeinschaft von Mensch und Maschine.

Die Musik von Joasihno gerät dabei fast schon in den Hintergrund bzw. wird eher zum Soundtrack für den vorne inszenierten Bastelworkshop. Das ist aber eigentlich nicht allzu schlimm, krankt sie, ganz in Tradition von New Weird Bavaria, daran dem Indiepop zu viel Geflicker, Gestöber und soundwandlerischen Schnickschnack zuzumuten, den dieser nicht imstande ist umfassend aufzunehmen. Hauptsache die Bühne ist mit allerlei knarzendem und blinkenden Krempel vollgestellt – das wichitgste Erkennungsmerkmal von New Weird Bavaria.

Der ästhetische Eindruck lässt sich dann auch eher mit einem „boah krass“ als mit einem „schön“ beschreiben. Nicht die schlechteste Wertung, aber nun ja: Als sich dann das kleine, reduzierte und hauptsächlich akustisch dargebotene Abschlussstück als das beste des gesamten Abends erweist, fragt man sich insgeheim schon etwas erstaunt, was dieser ganze Aufwand vorher überhaupt sollte.

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