Ithaca + Atlas | 30.05.06 | Alte Mälzerei – Underground (Regensburg)

Ithaca

Ithaca

Rituelle Albernheiten werden in Mitteleuropa für gewöhnlich am Sonntag, dem Tag des Herrn in allen seinen wandelbaren Erscheinungen, vollzogen. Um den Wochentag scheinen sich Atlas nun eben nicht zu scheren als sie an jenem Montag mit irgendeinem grässlich stinkenden Zeug einräuchern. Die schlimmsten Assoziationen und Befürchtungen von Goa über esoterischen Psychorock durchzucken die noch nicht betäubten Nervenfasern. Bitte nicht!

Und nein, tatsächlich. Die mit der beweihräucherten Gottheit offenbar korrespondierenden Instrumente haben ein Erbarmen und servieren leidenschaftlichen, zum Theatralischen neigenden Post-Hardcore aus dem Ideenbaukasten La Disputes. Viele Tempi- und Stimmungswechsel, die sich nicht nur – aber auch – anhand der reichlich eingestreuten Spoken-Words-Passagen entlanghangeln. Nach allen anfänglichen Befürchtungen ist das alles überraschend gut.

Eine noch größere Überraschung sind Ithaca aus London. Wenngleich (und natürlich) nicht derart exzellent, so spielen sie doch nahe an Rolo Tomassis math-insipiertem Hardcore zuckende und fauchende Riffs, mit denen sie auch trotz der stimmlichen Schwere fast spielerisch eine dringliche Atmosphäre erschaffen, die sich aus Beklemmung und Wut jederzeit eine andächtige oder gewaltige Soundcollage baut. Dabei sind Ithaca weder überfordernd noch angestrengt beliebig, sondern stets auf den explosiven und kulminierenden Moment bedacht, der ihnen ein ums andere Mal glänzend gelingen will. Großartig.

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