Draff Krimmy & Continental Fruit – Existenz

Draff Krimmy - Existenz

Fuck Dance, Let’s Art!

Alle kennen es, das eherne Gesetz aus der Schattenwelt derjenigen, die glauben, jedwede Form musikalischer Kunst beurteilen zu dürfen: Schreibe niemals vom Waschzettel ab! Nun gut, da selbige auf der (leidlich erfolgreichen) Suche nach noch nicht da gewesenen Superlativen oftmals bemitleidenswert durch die Untiefen der Sprache irrlichtern, ist man zumeist kaum versucht, sich dort inspirieren zu lassen. Es sei denn, es finden sich Formulierungen, die in ihrer ureigenen Komik unbedingt veröffentlicht werden müssen. Oder es ist der eigenen Argumentationsführung zuträglich. Oder, um diesen holprigen Einstieg endlich in die richtigen Bahnen zu lenken, man hat es mit einer Platte zu tun, die jeglicher Beschreibung spottet. Eine solche ist nämlich Existenz von Draff Krimmy & Continental Fruit. Bevor wir uns also in hanebüchene Vergleiche stürzen, warnt der Waschzettel:

„Draff Krimmy is not a band. It is a project among people from all over the world who communicate in the language of music“

Leute aus der ganzen Welt palavern also in der Sprache der Musik. Klingt irgendwie esoterisch, aber doch verlockend. Klingt vor allem, als ob ein nicht zu knapp bemessener Schwurbelfaktor mit im Spiel wäre. Eine geradezu lächerlich untertriebene Einschätzung, hat man sich erst einige Male durch diese verstörend-betörenden 59 Minuten Musikskizze geschlängelt. Wenn das die Sprache der Musik ist, sollten alle froh sein, dass man sich auch anderweitig verständigen kann. Verstehen würde sich in der hier vorgeschlagenen Sprache nix und niemand. Und das ist nicht einmal böse gemeint. So wenig durchschaubar sich dieses Album von der ersten bis zur letzten Sekunde geriert, verströmt es doch eine ungeheure Faszination. Wegen der einigermaßen kruden Vermischung von Postrock, weitläufigen Soundscapes, Ambient und vertonten Acid-Trips. Und wegen den immer wieder eingestreuten klaren Momenten. In denen unvermittelt eine schillernde Melodie aus dem Nebel tritt und den HörerInnen den nötigen Halt vermittelt, um unbeschadet durch diese Platte zu gelangen.

Das sind die Momente, in denen man es beinahe mit normalen Songs einer normalen Band zu tun hat. Wenn Solitude etwa nach über sechs klaustrophobischen Minuten plötzlich eine einfache, wie wirkungsvolle Gitarre ans Tageslicht bringt. Oder wenn der Opener Ennui stets kurz davor ist, ein astreiner Sigur Rós-Song zu werden. Oder eben wenn All These Lushy Pianos zur Abwechslung über die volle Songlänge nachvollziehbar bleibt. Da erkennt man, dass Existenz im Grunde genommen gar nicht so verdreht ist, wie anfangs angenommen. Dass es von Zeit zu Zeit befreiend wirkt, wenn man es nicht mit dem altbekannten Strophe-Refrain-Strophe-Schema zu tun hat. Sondern mit windschief-psychedelischen Männerchören. Wie in Min Engel. 

Und doch: Jeden Tag geht eine solche Platte nicht. Nicht, weil die Zutaten zu verquer wären, nein, es fehlt ganz einfach an Struktur. Oder: An Songs. So verweilt Existenz in selbst gewählter randständiger Lage. Ein Album das Zeit einfordert. Zeit, die mit einer Stunde voller Eskapismus belohnt wird. Kann man machen.

7/10

Anspieltipps: All These Lushy Pianos, Min Engel

(Martin Smeets)

Draff Krimmy & Continental Fruit – Existenz | Fluttery Records | VÖ: 23.01.2015 | Digital

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