Die Toten Hosen-In aller Stille

Die gute Nachricht vorneweg: In aller Stille kommt ohne Sauflied aus. Ansonsten ändert sich herzlich wenig bei Herrn Frege alias Campino und seinen Mitmusikern.
Die Gitarren bratzen breitbeinig über die Melodien hinweg, die textlichen Ergüsse sind auch auf diesem Album von überschaubarem Niveau und Campinos Geschrei klingt kratzig wie immer. In Kombination mit Campinos äußerst enervierendem Sendungsbewusstsein und einem stets gehobenen moralischen Zeigefinger bei gleichzeitigem stumpfsinnigen Bierdosenwerfen auf Konzerten ergibt sich meist Ablehnung. Warum man im Booklet auch noch extra für Brötchen, Buletten und Bier danken muss, weiß die Band wohl nicht mal selber.
Und wie schon auf dem einigermaßen okayen Vorgänger brauchen die Beinkleider auch auf In aller Stille wieder ein paar Songs, um überhaupt erst einmal aus dem Quark zu kommen.
„Strom“ gibt den Opener, bleibt musikalisch vernachlässigbar und textet mit Zeilen wie „Dieses Lied hier ist unser Werk, es ist geschrieben mit unserem Blut“ in bedenklicher Nähe zu den Onkelz herum. Wer glaubt, es könne von hier an nur besser werden, wird im Folgenden mit „Disco“ eines Besseren belehrt.
„In der Disco. Wo die Tänzer tanzen und die Steher stehen.“ Das ist selbst für Hosenverhältnisse ein absoluter Tiefschlag. Betroffen ausschalten. Es folgen dann aber doch ein paar Stücke, die wenigstens nicht ärgerlich sind. Der Stadionrock von „Wir bleiben Stumm“ weiß gar einigermaßen zu gefallen.
Und wenn die Band mal die Regler runterfährt und die Bratzfraktion ohne Strom auskommen muss, kommt mit „Auflösen“ ein im Hosen-Kontext bemerkenswertes Duett mit Birgit Minichmayr heraus. „Tauschen gegen dich“ schlägt in eine ähnliche Kerbe und entpuppt sich als ein angenehm unpeinliches Akustikstück.
Ansonsten sind Die Toten Hosen weiterhin bestenfalls egal.
Da kann Campino noch so oft „Die letzte Schlacht gewinnen wir“ gröhlen: Die Toten Hosen überstehen nicht mal die Grundausbildung.

Higlights: Auflösen

4/10

Ein Gedanke zu „Die Toten Hosen-In aller Stille

  1. Nur mal als Frage: wiese knöpfst Du Dir jetzt diese Hosen-Platte vor? Ist es Langeweile? Dass die TH bestenfalls egal sind, dürfte, nun ja, seit 1996 bekannt sein. Jedenfalls Respekt, dass Du dieses Album offensichtlich angehört hast, ich habe es mich nicht getraut.

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