Delta Sleep – Twin Galaxies

Delta Sleep - Twin Galaxies

Mit allem

Wie passen Mathcore, Punk, Jazz und Pop zusammen? Nun, auf den ersten Blick überhaupt nicht. Und eigentlich fällt die Antwort auch beim neunten Blick nicht recht viel anders aus. Denkt man so. Bis Delta Sleep die Bühne betreten und den Gegenbeweis antreten. Schließlich bemüht sich das Quartett aus Brighton auf seinem Erstling Twin Galaxies doch tatsächlich, zwischen diesen wenig übereinstimmenden Positionen zu vermitteln. Und kommt dabei zu einem mehr als achtbaren Ergebnis.

Man muss sich erst gar nicht lange in diesem Album zurechtfinden, um zu bemerken, dass hier ziemlich viel zur gleichen Zeit geboten wird. Twin Galaxies ist ein quietschfideler Ausbund an guter Laune der – bis über den Rand gefüllt mit Spielwitz – sich in aller Zutraulichkeit an seine Hörer_innen heranschmeißt. Und dabei nicht mit einnehmenden Melodien geizt. Um aber nicht allzu aufdringlich zu wirken, schwingen in jedem dieser zehn Stücke immer auch ein paar sperrige Elemente mit. Da wäre die grundlegende Komplexität, die sich durch das gesamte Album zieht, da wären spinnerte Ideen und irrwitzige Seitenpfade, die immer wieder und doch wohl dosiert eingestreut werden.

Und da sind vor allem auch schlicht diese Songs, die die Last aller verqueren Beschreibungen locker tragen können. Der Sechsminüter Daniel Craig David etwa, der irgendwo zwischen der Melancholie von Jimmy Eat World und dem Stakkato-Songwriting von Trip Fontaine herumlümmelt. Oder das fröhlich über den eigenen Beat stolpernde 21 Letters. Oder die furiose Single Lake Sprinkle Sprankle, die stets kurz davor ist, sich Knoten in Beine und Handgelenke zu spielen, aber doch stets nachvollziehbar bleibt. Und die außerdem die lyrische Kehrseite der musikalischen Ausgelassenheit offenlegt, wenn Sänger Devin Yüceil bilanziert: „Lately I’ve listed the reasons why I can’t move on and why I sleep in the house that we lived in for over three years now. Staring at paintings, recounting the places we’ve been together, I tried to escape but I can’t seem to shake all these pictures of us.” 

Spätestens dann merkt man, wie viel Reife hinter all diesen scheinbar freudig durcheinander purzelnden Melodien und Ideen steckt. Wenn man es denn nicht schon in den ruhigen Momenten bemerkt hat. In Aspetta, einem kurzen Gruß an Mogwai. Oder in der verhangenen Atmosphäre von Spy Turtles. Delta Sleep verstehen sich bestens auf ihr Vabanquespiel zwischen Eingängigkeit und Komplexität jenseits irgendwelcher Genregrenzen. Und machen mit diesem Album so ziemlich alles richtig.

Wertung: 8/10

Anspieltipps: 21 Letters, Lake Sprinkle Sprankle, Daniel Craig David

(Martin Smeets)

Delta Sleep – Twin Galaxies | Big Scary Monsters/Alive | VÖ: 19.06.2015 | LP/CD/Digital

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