Defeater – Empty Days and sleepless Nights

BAM! Hier will es eine Band wissen. Aber so gewaltig wie schon lange nicht mehr. Empty Days And Sleepless Nights ist nicht nur ein weiteres Album einer großartigen, viel zu wenig beachteten Hardcoreband, nein, dieses Album ist ein Statement, ein Rundumschlag über 14 Songs bzw. 50 Minuten, der gehört werden will muss und wartet überdies mit einem Booklet auf, welches seinen Namen wahrlich verdient hat. Über 61 (in Worten: Einundsechzig) Seiten entfalten Defeater die Storyline von Empty Days And Sleepless Nights. Konzeptalbum also. Na wenn sich da mal nicht eine Band übernimmt.
So ist man beim ersten Hördurchlauf erst mal damit beschäftigt, aufmerksam das beigelegte Büchlein zu lesen. Dieses präsentiert eine bemerkenswert geradlinige und eben deswegen aufrichtige und ehrliche Geschichte voller working-class-Romantik, Leid und Liebe, Suff, Drogen und einigen Toten.
Das musikalische Programm – zweigeteilt in „Empty Days“ und eben „Sleepless Nights“ – gefällt nicht minder. Unterstützt von einer meterdicken Produktion legt „Warm Blood Rush“ bandtypisch ohne Umschweife los. Soweit also keine Überraschungen. Die folgen allerdings schon wenig später, wenn sich „Dear Father“ in der Strophe auf cleane Gitarren verlässt und sich „Empty Glass“ als langsam anschwelende, wunderbar atmosphärische Nummer präsentiert, welche die Handlung in Stimmung und Instrumentierung perfekt auf den Punkt bringt. Und wenn der Siebenminüter(!) „White Oak Doors,“ der den ersten Teil abschließt, den finalen Showdown der Charaktere präzise nachspielt und das furiose Finale völlig abrupt endet, ist das nicht, wie zunächst vermutet, eine Fehlpressung, sondern pure Absicht seitens der Band, die musikalische Version eines jähen Endes. Man ist beeindruckt.
Was sich im zweiten Teil „Sleepless Nights“ abspielt ist dann nicht nur wegen der Titelgebung die direkte Antithese zu den „Empty Days.“
„But Breathing“ lässt die Verzerrer im Schrank, erzählt seine Geschichte viel lieber in aller Ruhe zur Akustischen und beweist ganz nebenbei, dass Derek Archambault nicht nur schreien kann, sondern auch einen vorzüglichen Sänger abgibt. Hardcore goes Singer/Songwriter und es geht gut. Und wenn Archambault zwei Songs später „and I would beg and steal and borrow to keep you safe for your whole life“ singt und im abschließenden Song Gespräche am Grabstein führt, glaubt man ihm nicht nur jedes Wort, sondern ist ehrlich berührt.
Dieses Album könnte Defeater durchaus die Tore zu einer größeren HörerInnenschaft aufstoßen.
Spätestens jetzt möchte man es ihnen auch von Herzen wünschen.

8/10

Highlights: Dear Father, Empty Glass, White Oak Doors, I Don’t Mind

4 Gedanken zu „Defeater – Empty Days and sleepless Nights

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