Death Cab For Cutie – Kintsugi

Death Cab For Cutie - Kintsugi // Bild: en.wikipedia.org

Die Schönheit der Routine

Es gibt wohl einige Dinge zu reparieren für Death Cab For Cutie. Man hat schließlich letztes Jahr Gründungsmitglied Chris Walla verloren, und das nach über 17 Jahren. Und obwohl Walla die Aufnahmen zum neuen Album noch bis zu ihrer Fertigstellung begleitete: Was sich bereits für Fans anfühlt wie eine Zäsur, dürfte auch an der Band nicht spurlos vorüber gegangen sein. Aber das ist Spekulation. Sicher ist nur: Kintsugi könnte angesichts der äußeren Umstände kaum passender betitelt sein, versteckt sich doch hinter diesem etwas unhandlichen Wort eine japanische Methodik zur Reparatur von zerbrochenem Porzellan.

Und auch die Musik selber bewahrt sich auf dem inzwischen achten Album der Band ihren versöhnlichen Charakter. Auch wenn man die Songs neuerdings nicht mehr selber produziert, braucht der Opener No Room In Frame keine halbe Minute, um klar zu machen, dass hier Death Cab For Cutie am Werk sind. In diesem Falle mit dezent im Hintergrund umher wabernden, verspielten Elektronika, einer fröhlich in die Platte leitenden Melodie, dem Bandeigenem Hang zu elegischer Schönheit und natürlich Ben Gibbards fast unverwechselbarer Stimme. Das macht in Summe ein Stück, das sich gut und gerne in die lange, lange Reihe guter Songs dieser Band einreiht. Von denen noch ein paar mehr auf Kintsugi warten, wie zum Beispiel das unmittelbar folgende Black Sun, dass den Vorboten für Kintsugi spielen durfte und stilistisch ähnliche Wege bestreitet.

You’ve Haunted Me All My Life macht sich dann in akustischem Gewand auf, um für etwas Abwechslung sorgen und beweist auf über vier Minuten eindrücklich, wie gut Gibbards minimalistische Songs inzwischen funktionieren. Mindestens genau so gut, wie das glanzvolle, mit Wave-Einschlag versehene Little Wanderer, dessen Refrain soweit ausformuliert ist, dass man ihn nicht mehr los wird, ohne aber genervt zu sein. Nervig ist auf Kintsugi ohnehin nichts. Das schlimmste, was Death Cab For Cutie auf dieser Platte passiert, sind Songs, die eben nur gut sind, ohne längerfristig im Gedächtnis zu bleiben. Die aber für den Gesamteindruck doch in gewisser Weise unverzichtbar sind.

Schließlich hat man es hier mit dem bislang rundesten Album dieser Band zu tun. All der vermeintlichen Aufregung von außen setzen Death Cab For Cutie ein Album entgegen, das in sich zu ruhen scheint, das einfach unbeirrt weiter macht und höchstens in The Ghosts Of Beverly Drive oder dem potentiellen Ohrwurm Good Help (Is So Hard To Find) mal vergleichsweise aufbrausend wird. Das ist vielleicht nicht spektakulär, das spielt – abgesehen vom famosen Ingenue – auch nicht in der Transatlanticism– oder The Photo Album-Liga, vermag aber weiterhin als akustischer Balsam Wunden zu behandeln. Ein Album einer Band eben, die ihren Sound schon lange gefunden hat und nur noch in Nuancen weiter entwickelt. Saturiert und solide. Auf bestmögliche Weise.

Wertung: 7/10

Anspieltipps: No Room In Frame, The Ghosts Of Berverly Drive, Ingenue

(Martin Smeets

Death Cab For Cutie – Kintsugi | Atlantic/Warner | VÖ: 27.03.2015 | CD/LP/Digital

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