Dave Hause – Devour

Dave_Hause_-_Devour

Überall zu Hause

Klischee olé: Dave Hause legt sein Zweitwerk Devour vor und klingt dabei so amerikanisch, wie man als Rocker nur irgendwie klingen kann. Punkbackground (The Loved Ones, anyone?) natürlich inklusive. Er hat – passend zum Albumtitel – Hunger, will voran, will ambitionierte Vorhaben in die Tat umsetzen. Der vertonte ‚American Dream‘ also. Natürlich immer mit dem schmerzlichen Wissen im Hinterkopf, dass selbiger sich wahrscheinlich als grausame Enttäuschung offenbaren könnte. Ohne Netz und doppelten Boden. Steigen und Fallen, man kennt derlei Geschichten ja. Um zumindest musikalisch nicht enttäuscht zu werden, liefert Dave Hause den Soundtrack für diese Stories gleich selber. Indem er zwölf Songs aneinanderreiht, die sich nahtlos einfügen ins Klangbild der vielen Brüder im Geiste. Zwischen Bruce Springsteen, The Gaslight Anthem und jüngeren Against Me! setzt Hause seinen Zweitling.

Womit die staubigen Schotterpisten, über die Devour mit heruntergekurbelten Fenstern gen Sonnenuntergang des Weges gefahren kommt, schon mal grob vorgezeichnet wären. Sonnenbrille, Tattoos und hochgekrempeltes Karohemd natürlich inklusive. So holzschnittartig diese Beschreibung auch wirken mag, ziemlich genau so klingt Devour nun mal. Angecrunchte Gitarren suchen umgarnt von treibenden Beats zumeist den Weg ins gemäßigte Uptempo, während Hause darüber seinen kumpelhaft-melancholischen Vortrag ausbreitet. Das Schöne daran: Man nimmt es ihm ab. Erstaunlich bedenkenlos. Und in den besten Momenten lässt man sich vom Hauseschen Songmaterial gar bereitwillig in den Arm nehmen, macht sich ein Gefühl beim Hörer breit, das etwa die frühen Hot Water Music evozieren konnten. Musterbeispiel hierfür: Before. Der Prototyp einer Rockballade, die sich selbst vor ihren größten Vorbildern nicht zu verstecken braucht. Die in den schillerndsten Farben weithin sichtbar für alle strahlt. Und trotz aller Niedergeschlagenheit Trost verspricht. Dabei braucht Hause für ein solch überlebensgroßes Stück im Grunde genommen gar nicht viel. Eine behutsame Gitarrenfigur, seine Stimme und als Zugabe ein souliges Solo. Fertig. So einfach geht das. Überhaupt ist Devour immer dann am besten, wenn es sich an den leisen Tönen versucht. Wenn Becoming secular mit verkaterten Powerchords herumschlurft. Oder wenn Benediction zum Schluss die ganze Chose mehr als angemessen rausfeiert. Und über das voller Hoffnung nach vorne stürmende Finale „It is love my friend / In the end / You can save us tonight“ konstatiert. Die Trostrunde. Dave Hause als Seelentröster, das funktioniert. Und alles ist gut.

Nun, nicht ganz. Um diese Höhepunkte schart Hause nämlich leider allzu oft nur Nettes oder schlimmstenfalls Durchschnittliches. Klar, Stücke wie Damascus oder The great depression laufen gar wunderbar in die Gehörgänge. Nur bleiben sie dort zumeist nicht übermäßig lang. Zu oft begnügen sich die Songs mit einer einzigen Idee, wird der Moment für die Abzweigung in ungeahnte Gefilde verpasst. Da fehlt noch eine ganze Ecke an Widerhaken und Überraschungen, um Devour zu einem über die volle Spielzeit besonderen Album zu machen. So ist es ’nur‘ gut. Dave, sieh es als Kompliment.

6/10

Anspieltipps: Before, Becoming Secular, Benediction

(Martin Smeets)

Dave Hause – Devour | Rise / Uncle M / Cargo | VÖ: 11.10.2013 | CD/LP/Digital

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