Darwin & The Dinosaur – A Thousand Ships

Darwin&The Dinosaur - A Thousand Ships

Die Fünf-Monats-Terrine

„Fuelled by pot noodles, tea and biscuits, Darwin & the Dinosaur has been a band since 2008.“ Man könnte an dieser Stelle mancherlei Dinge tun: Aufhören, den Text, dem dieser Satz entspringt weiter zu lesen und nicht mal daran denken, eine Silbe zur angesprochenen Band zu schreiben, etwa. Wer solche Aussagen autorisiert, wer in der Folge auch noch für sich in Anspruch nimmt Google durchgespielt zu haben und auch sonst allerlei Albernheiten verbreitet, kann eigentlich nur postbubertären Pennälerhumor zu stupider musikalischer Auskleidung bieten. Fünf-Minuten-Terrine eben. Oder: Humor.

Blickt man nur auf den köstlichen Bandnamen, drängt sich Variante zwei geradezu auf. Und ja, hier ist offensichtlich ein Quartett unterwegs, das sich selbst nur so ernst nimmt, wie unbedingt nötig. Zumindest in der Außendarstellung. Schreitet man nämlich durch die kleinen und großen Stücke, die hier unter dem Namen A Thousand Ships versammelt werden, lassen sich keine flachen Pointen finden. Im Gegenteil. Das einzige, was hier die oben gebrauchte Vorsilbe „post“ rechtfertigt, ist die stilistische Ausrichtung. Die übrigens zur allgemeinen Erleichterung ausnahmsweise mal nicht an die zur Zeit immer irgendwie vorkommenden Hot Water Music erinnert. Viel lieber manövrieren die schweren Akkordfolgen in Gefilden, die Thrice früher als ihr Hoheitsgebiet abgesteckt hatten (und es hoffentlich wieder tun werden, aber das nur am Rande).

Schon der Opener Theories macht dabei klar, dass hier ernst gemacht wird. Da wird sich nicht lange mit irgendwelchen Intro-Sperenzchen aufgehalten, sondern gleich direkt hingelangt. Druckvolle Rhythmusarbeit, eine flinke Gitarrenfigur und das ein oder andere clever platzierte Break geben die Richtung vor. Die Making Friends With Strangers schon früh perfektioniert. Ein Stück, dramatisch im Sinne einer Cinemascope-Kamerafahrt durch schwindelerregende Hochhausschluchten durchkomponiert und ausgestattet mit Gesten und Melodien, denen man unter keinen Umständen entrinnen kann. Zurückhaltend ist das nicht. Und doch lässt man sich gerne mitnehmen und nimmt billigend in Kauf, dass hier zur Abwechslung mal etwas größer gedacht wird. Kein Wunder, gibt es doch keinen vernünftigen Grund, das nicht zu tun. Der Vierer hat nämlich die Mittel seine ausladenden Stücke mit Substanz zu füllen.

Make Believe wird zum Beispiel zu einem melodieinfizierten Stück Musik, nach dem sich von Taking Back Sunday bis Jimmy Eat World die ganze Spannweite der verblichenen Emo-Helden seit einer gefühlten Ewigkeit sehnt. Riff Town Population – You macht den erwähnten bösen drei Buchstaben dann umgehend den Garaus, zieht die Geschwindigkeit merklich an und übt sich ein wenig in Teppei-Teranishi-Gedächntis-Riffsport. Und das Change Of Heart dreht zum Schluss die Intensitätsschraube noch einmal auf Anschlag. Für all diejenigen, die sich zwischen all der vergleichsweise deftigen Kost ein wenig erholen wollen, werden zudem immer wieder akustische Interludes eingestreut, die das Album angenehm auflockern, ohne an seiner Stringenz zu nagen. An „pot noodles“ denkt nach Genuss dieser Platte keiner mehr. Denn obwohl – und das ist wirklich mehr als nur ein kleiner Wermutstropfen – A Thousand Ships nur 25 Minuten dauert: Das hält für ein paar Monate. Mindestens.

7/10

Anspieltipps: Making Friends With Strangers, Make Believe, Change Of Heart

(Martin Smeets)

Darwin & The Dinosaur – A Thousand Ships | No Panic! | VÖ: 09.03.2015 | CD/LP/Digital

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