Conveyer – When Given Time To Grow

Conveyer - When Given Time To Grow

#mussmanwissen

Es ist bisweilen nicht einfach, mit dringlichen Empfehlungen umzugehen. Genauer gesagt mit Formulierungen, wie „100 Bands you need to know 2015.“. Genau diesen Satz stellt der Beipackzettel zum zweiten Album von Conveyer nämlich ganz voran. Und sorgt mit jenem aufdringlichen Statement – das im übrigen aus diesem Hause hier kommt – erst mal für Irritationen. Was ist, wenn jemand keinen Bock hat, sich Jahr für Jahr durch 100 verschiedene Kapellen zu hören? Darf man auch mehr kennen? Sollte man dieses Marktgeschrei im #mussmanwissen-Style nicht besser in den Wind schießen? Und vor allem: Haben Conveyer das denn eigentlich nötig?

Trotz anders lautender oberflächlicher Vorzeichen – man nehme nur den Labelnamen und die Converge-Gedächtnisoptik – landet die Antwort bei einem eindeutigen „Nein“. When Given Time To Grow schert sich einen Dreck um jedwede Vorverurteilungen und geht mit dem Opener Shining nach wenigen Sekunden so beherzt nach vorne als gälte es, den melodischen Hardcore im Alleingang vor dem Untergang zu retten. Nur dass dieser eben nicht vor dem Untergang steht. Und nicht zuletzt dank der hier versammelten elf Songs in näherer Zukunft nicht vor dem Untergang stehen wird. Weil hier die Lust auf die eigenen Songs selbigen aus allen Poren tropft. Weil Haven nach einem mustergültigen Breakdown einen Singalong-Part auffährt, der gefälligst in sämtlichen Genrelehrbüchern zu stehen hat. Weil der heisere Vortrag von Sänger Danny Adams mit Leichtigkeit all die Leidenschaft transportieren kann, die die Band in ihre Songs wirft.

Da geht selbst der kurze Ausflug in balladeske Gefilde von Cage unfallfrei über die Bühne, weil man clever genug ist, nur Teile des Songs sanft zu gestalten und in unter zwei Minuten doch zu einem furiosen Finale gelangt. Und da kann man durchaus auch damit leben, dass When Given Time To Grow nicht nur darauf verzichtet, irgendwelche Räder neu zu erfinden, sondern bisweilen kurz Gefahr läuft, etwas arg formelhaft zu agieren. Dann aber kommt die Band mit Songs, wie dem flinken Ruined oder der melodischen Kante von Resist_Admit daher und zerstreut jegliche Bedenken. Conveyer? Muss man kennen.

Wertung: 7/10

Anspieltipps: Shining, Haven, Cage, Daughter

(Martin Smeets)

Conveyer – When Given Time To Grow | Victory | VÖ: 04.09.2015 | LP/CD/Digital

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