Closet Disco Queen – Closet Disco Queen

Closet Disco Queen - s/t

Volle Möhre

Kennt man eigentlich schon mindestens seit The White Stripes oder den Japandroids, ist aber immer wieder spannend zu beobachten: Bands mit nur zwei Mitgliedern. Und dementsprechend nur zwei Instrumenten. Weniger bekannt ist allerdings, dass man sich im Zuge dieser Konstellation auch wirklich ausschließlich auf diese Instrumente verlässt und sich nicht auf das kleines Helferlein Gesang verlässt. Genau das machen nämlich Luc Hess und Jona Nido aka Closet Disco Queen. Die mit den eingangs erwähnten Bands mal so gar nichts zu tun haben. Aber das sei nur am Rande erwähnt.

Man muss nicht lange überlegen, um zu der Überzeugung zu kommen, dass bei diesem Unterfangen eine ganze Menge schief gehen könnte. Kompositorische Schwächen könnten in Mitten der reduzierten Instrumentierung in gnadenloser Brutalität zu Tage treten. Die Songs könnten in reines Muckertum abgleiten, um genau dieser Gefahr mit hohler Komplexität auszuweichen. All das bleibt aber Konjunktiv, weil das Schweizer Duo ganz genau weiß, was es zu tun hat. Das meint, erst mal volle Möhre nach vorne Riffen. Ohne dabei allerdings stumpf zu wirken. Selbst im Falle des vergleichsweise simpel gehaltenen Eröffnungstracks Hey Sunshine! funktioniert diese Maßgabe ziemlich vorzüglich. Und wenn die Beiden im Albumverlauf erst die wirklich großen Geschütze auffahren, bleibt einem schon das ein oder andere mal gewaltig die Spucke weg. Dafür sorgt etwa Catch You On The Flipside, das eine gefühlte Ewigkeit zwischen ein paar angedeuteten Ideen umherwabert, aber doch keinen Zweifel daran lässt, dass hier noch etwas passieren wird. Eine ganze Menge sogar. Man muss nur ein wenig Geduld mitbringen bis der Song einen klaren Plan entwickelt und Selbigen in ein Finale steuert das in seiner unvermittelten Wucht angenehm daran erinnert, wofür man And So I Watch You From Afar mal so sehr geschätzt hat.

Mit dieser Wucht kann auch das unmittelbar folgende The Shag Wag glänzen. Unter Anderem. Weil der Song sich zusätzlich noch als ziemlich cooles Stück offenbart, das schon mal gut und gerne in die Beine gehen kann, bevor zum furiosen Exzess angehoben wird. Da fragt man sich schon mal kurzzeitig, wie man mit so wenig Band zu so viel Brachialität kommt. Und kommt zu dem Schluss, dass die Dosierung entscheidet. Geprügelt wird sich auf dieser Platte nämlich nur zu handverlesenen Zeitpunkt. Ansonsten darf man zuhören, wie sich virtuos behandelte Instrumente umgarnen und irgendwo zwischen Prog, Stoner und Blues bemerkenswerte Songs entstehen lassen. Allen voren Black Saber, ein Zwölfminüter zum Niederknien. Ein Finale, das erst Minutenlang durch menschenleere Steppen mäandert und sich mehr und mehr aufschaukelt, an sich selbst berauscht und die Luft brennen lässt. Ein würdiger Abschluss. Ein sensationelles Album.

Wertung: 8/10

Anspieltipps: Catch You On The Flipside, The Shag Wag, Black Saber

(Martin Smeets)

Closet Disco Queen – Closet Disco Queen | Hummus/This Charming Man/Division | VÖ: 12.06.2015 | LP/CD/Digital

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*