ClickClickDecker – Ich glaub Dir gar nichts und doch irgendwie alles

Clickclickdecker Ich glaube dir gar nichts und irgendwie doch alles // Bild: fastforward-magazine.de

Irgendwie

Kevin Hamann alias ClickClickDecker (und so viele weitere) macht’s dieses mal anders. Behauptet zumindest der Titel seines neuen Albums: Ich glaub Dir gar nichts und doch irgendwie alles. Wörter, die völlig frei von jedem Verdacht sind, auch nur geringste Sporen von Zynismus oder leidig cleverer Ironie mit sich zu bringen. Das ist neu. ClickClickDecker lässt die Schilde runter. Und schiebt behutsam den Vorhang zur Seite, um einer knappe Stunde ungefilterter Konfrontation mit dem Leben und all seinen kleinen und großen Verrücktheiten die Bühne zu überlassen.

Größer ist sie geworden, diese Bühne. Weil Kevin Hamann seine Arrangements neuerdings breiter gestaltet, weil die Songs ausproduzierter wirken, weil die Instrumentierung vielseitiger geworden ist. Nicht größer geworden sind demgegenüber die Gesten, mit denen Hamann seit jeher arbeitet. Auch das nunmehr vierte Album als ClickClickDecker nimmt sich nicht wichtiger, als unbedingt nötig. Dementsprechend kommt Ich glaub Dir gar nichts und doch irgendwie alles angenehm unaufgeregt daher. In bescheidenem Gestus durchkomponiert schlendert Hamann durch sein neuestes Werk und holt auch in seinen Worten nicht zur großen Geste aus. Muss er auch gar nicht. Schließlich verstand er es schon immer, hintersinnige Geschichten im wohlig geerdeten Sprachschatz zu erzählen. Auf den ersten Blick Belangloses wie „Ich würd‘ Dir ab und zu auf’s Maul hauen / Schlecht gelaunt und abgebrannt / Starr ich in den Spiegel“ kann auch 2014 nur Hamann singen und trotzdem bis ins Mark treffen. Passend zum schlecht gelaunten Texter geben sich die neuen Stücke. Leise und getragen geht es da zumeist zu, Songs wie das geradezu fröhlich losstampfende Tierpark Neumünster bleiben die Ausnahme. Ansonsten geben die ruhigen Töne die Richtung vor. Songs, wie das ebenso elegische, wie traumhafte Schaumburgen und Ellipsen bestimmen allenthalben das Bild. Vorsichtig gezupfte stehen neben allerlei netter Spielereien im Vordergrund.

Heraus kommt am Ende ein Album, dessen Farbpallette vorwiegend in grauen und dunkleren Tönen gehalten ist. Ein Album, das Zeit einfordert, um vollauf erfasst zu werden. Weil es das Wort ‚irgendwie‘ im Titel verdient. Weil Hamann die Eingängigkeit während seine Gratwanderung am Rande des Selbstmitleids neben dem lupenreinen Songwriter-Hit Was kommt wenn nichts kommen will nur in dezenten Tupfern platziert. Nimmt man sich aber ein paar Stunden, so häutet sich diese Platte langsam, dafür aber umso eindrücklicher. Und man bemerkt immer mehr, wie viel es zu entdecken gilt. Bücher Deine Kissen etwa, das im Songwriting in Richtung Death Cab For Cutie grüßt und so neben her im Text schmerzhaft präzise den Abschied skizziert. Oder das wundervolle, widersprüchliche Die Nutzlosen (Unentbehrlich) – zu sanften Arrangements geht die Reise da von „Das mit uns / das liegt glaube ich an dir“ zu „Du bist der Inhalt / ich das Pfand“, nur um letztendlich doch festzustellen: „Kein Satz wird dadurch besser / Dass Du ihn ständig wiederholst.“ Worte fernab der Abgeschlossenheit, offen in alle Richtungen, aber nie besonders gut gelaunt.

So ist Hamanns vierte Platte die bislang schonungsloseste. Keine Netze, keine doppelte Böden. Die Dinge werden genommen, wie sie eben nun mal sind. Die logische Konsequenz ist, dass Ich glaub Dir gar nichts und doch irgendwie alles keine Lust hat, auf irgendwelche Schultern zu klopfen. Mutmacher klingen anders. Und doch lässt ClickClickDecker es sich nicht nehmen, kurz vor Toresschluss in „Im Wahljahr“ noch mal irgendwie Tröstendes zu spenden: „Ich mag Dich wiedersehen / Dich gehen lassen / Den erhöhten Pulsschlag / Und wie das in mir klingt.“ Wohl gesprochen. Irgendwie.

7/10

Anspieltipps: Die Nutzlosen (Unentbehrlich), Schaumburgen und Ellipsen, Was kommt wenn nichts kommen will

(Martin Smeets)

ClickClickDecker – Ich glaub‘ Dir gar nichts und doch irgendwie alles | Audiolith | VÖ: 17.01.2014 | CD/LP/Digital

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