Charter – Times

Charter - Times

Schönen Dank auch

Mal ganz ehrlich: Im Rahmen eines kleinen Blogs über Musik zu schreiben, kann manchmal beinahe langweilig sein. Weil man ja meistens über Alben schreibt, die man sich selber ganz gerne des Öfteren anhört. Und deshalb irgendwie im Dauerabfeierungsmodus ist. Und einem irgendwann die positiven Formulierungen ausgehen. Ein gepfefferter Verriss tut da von Zeit zu Zeit schon ganz gut. Dumm nur, dass Bands wie The Killers und Fall Out Boy nicht alle paar Wochen neue Alben veröffentlichen. Na gut, eigentlich ein Glück.

Schließlich bleibt neben diesen beiden leuchtenden Beispielen noch genug Schund, den man sich vorknöpfen könnte. Wäre die Zeit, die ein solches Unterfangen in Anspruch nimmt, nicht viel zu kostbar. Eigentlich. Manchmal nämlich muss man sie sich nehmen, diese Zeit. Und ein Album ungespitzt in den Boden stampfen. Weil es nötig ist. Dringend. Charter haben das kleine Kunststück vollbracht, ein Paradebeispiel für eine solche Platte aufzunehmen. Schließlich schwadroniert der Promotext zu Times schon in völlig haltloser Großspurigkeit von einem Liebeskind der Editors und Placebo. Zwei Bands, die in den letzten Jahren ohnehin schon nicht im Verdacht standen, ordentliche Alben zu produzieren. Denen Charter aber trotz allem nicht mal ein halb volles Glas Wasser reichen können. Genau genommen können sie davon nicht einmal träumen.

Bleibt die Frage nach dem ‚Warum.‘ Ja, warum soll dieses Album eigentlich so fürchterlich sein? Nun, die Antwort ist denkbar einfach: Weil jedes dieser zwölf in perfekter Radiolänge gehaltener Stücke dermaßen weit davon entfernt ist, eine Idee, oder gar so etwas ähnliches wie Charakter zu transportieren, wie es nur irgendwie möglich ist. Das sind Songs für die ‚In‘-Spalte der BILD: Ein paar Gitarrenfiguren aus dem Baukasten, ein paar gefällige Gesangsharmonien und natürlich ein klinisch sauberes Klangbild. Diese Produkte – nichts anderes sind diese bis in die letzte Ecke durchkalkulierten Songs nämlich – rauschen vorbei und könnten ohne weiteres dafür sorgen, dass die Fahrstühle dieser Welt ihren Dienst quittieren würden. Zwecks akuter Langeweile.

All die Leute, die in irgendeiner Form an diesem Projekt beteiligt waren und sind – man hat beinahe Mitleid mit ihnen. Vor allem mit den armen Hunden, die diese Chose jetzt unter die Leute bringen müssen. Die die biedere, emotionslose, klebrige, sterile und totkomprimierte Standardproduktion mit dem hohnsprechenden Etikett ‚Wall Of Sound‘ versehen müssen. Die sich irgendwelche spannenden Geschichten und Sätze ausdenken müssen, um Interesse an etwas zu erwecken, das schlichtweg keinerlei Interesse verdient hat.

Denn bei allem Respekt: Das hier taugt nicht einmal als billigstes Abziehbild der Vorbilder, die für diese Songs möglicherweise Pate gestanden haben. Dieses Album ist so himmelschreiend egal, man mag es nicht aushalten. Und kann es erst recht nicht in adäquate Worte fassen. Aber hey, man will ja das (einzig) Positive betonen: Immerhin haben Charter mal wieder einen ordentlichen Veriss ermöglicht. Da kann man schon mal ein bisschen dankbar sein.

Wertung: 2/10

Anspieltipps: –

(Martin Smeets)

Charter – Times | Phonector / BMG | VÖ: 01.09.2015 | CD/Digital

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