EP: Vizediktator | anorak. | Suetterlin | Minipax

Vizediktator_Rausch_CoverVizediktator – Rausch

Viele würden sich mit dem zweiten Platz sicherlich nicht zufrieden geben. Vizediktator schon. Zumindest dem Namen nach. Wo sich andere gerne an erster Position sehen würden, machen sie es sich in Lauerstellung bequem und vertreten den Diktator, wenn dieser sich mal ein bisschen Urlaub gönnt. Ziemlich bescheiden, könnte man meinen, gäbe es da nicht die Musik. Da geben sich Vizediktator alles andere als bescheiden. Mit großen Gesten, ja fast schon schlageresk, zelebrieren sie melodisch-fetzigen, aber doch bitterernsten Punkrock. Bei Bülowstraße haben sie sich die Catchiness von Matze Rossi geliehen (Geist) und zeigen sich auch sonst eher weniger innovativ. Doch macht das überhaupt nichts, weil Rausch nicht nur durch die herausragende Produktion ein überaus charmanter Abgesang auf den urbanen Alltag ist. Dass mit Dessau auch ein allzu unverdaulicher und fieser Klotz auf der EP gelandet ist, macht die Sache nur noch besser.

[Sportklub Rotter Damm | VÖ: 19.02.16]

 

2016_02_EP-Cover_SPOTIFY_kleinanorak. – Kalter Frieden

Anorak. aus Köln legen offenbar viel Wert auf Style. Nicht nur, dass sie ihren Namen in Eigenschreibweise mit einem Punkt versehen, nein, sie schreiben jenen auch noch kopfüber gespiegelt. Verrückt und ziemlich hip. Kalter Frieden heißt die lediglich zwei Songs umfassende erste EP und präsentiert etwas fransigen (Indie-)Posthardcore, der sich durch zahlreiche Tempi- und Stimmungswechsel alle Mühe gibt, nicht langweilig zu wirken, dabei aber mit seinem viel zu seichten und penetranten Geschrei genau dazu tendiert. Überhaupt scheinen anorak. die Wirkung und Rezeption ihrer Band mehr im Auge zu haben als die Musik selbst. Ein kalkuliertes Verlangen nach Gewogenheit, zu der die EP allerdings nur halbwegs Anlass gibt. Ein netter Versuch, der letztlich zu blass und ausdruckslos bleibt.

[Uncle M | VÖ: 19.02.16]

 

SUETTERLIN_EP_Cover_bigSuetterlin – s/t

Sebastian Wahle und Daniel Senzek begnügen sich damit ein Duo zu sein. Für eine ganze Band zu wenig, aber warum eigentlich nicht? Schließlich gelingt ihnen mit ihrer ersten EP die Mosaiksteinchen des deutschsprachigen Indie-Pop aufzulesen und gekonnt zusammenzufügen. Herrenmagazin, PeterLicht oder – natürlich – ClickClickDecker sind hier keinen Katzenwurf entfernt. Akzente setzen Suetterlin vor allem mit klaren und leichten (nicht immer unfallfrei vorgetragenen) Gesangsmelodien, dezenten, aber prägenden Keyboard- und Glockenspieleinsätzen und einem ausgeprägten Sinn für rundum gut funktionierende Popsongs. Gerade letzteres zeigt sich in besonderer Weise in Das Weite Suchen. Fein.

[Midsummer Records | VÖ: 05.02.16]

 

Minipax_Cover_quadratischMinipax – 1984

1984 sangen Vorkriegsjugend auf ihrer einzigen selbstbetitelten LP: „Der Weg ist schon bereit / Für eine neue Zeit / Leben in Glas und Beton / Leben in der Isolation /Alle Daten registriert / Bei Nichtgefallen ausradiert“ (Der Sarg). Da konnten sie sich eigentlich keinen Begriff davon machen was Datenregistrierung im Jahr 2016 – in dieser neuen Zeit also – bedeuten könnte. Auf welch vielfältige Weise Datensammlung, -auswertung und -kontrolle Einfluss auf das menschliche Verhalten haben sollte und würde. 2016 ist also noch weitaus mehr als 1984 das orwellsche Jahr der Vorkriegsjugend. Das scheinen auch Minipax ähnlich zu sehen und schaffen sich als Band mit ihrer ersten EP einen Orwell-Mikrokosmos. Weil ihnen die Zukunft jedoch nicht hoffnungslos erscheint, geht es auf 1984 auch nicht gerade dystopisch zu. Das hier ist eben nicht die Vorkriegsjugend. Minipax verorten sich eher auf der Popseite des Deutschpunk und erinnern in den besseren Momenten an Rasta Knast (z. B. die Gitarrenarbeit bei Mundtot und Dann Geh – wie übrigens auch schon auf der Amdamdes-Vorgängerversion) und in den schlechteren an die Killerpilze (Jebes Nacije). Dabei sind sie textlich zuweilen zwar allzu plakativ unterwegs, bestechen aber durch eine vorzügliche Produktion und mit so ziemlich den schmissigsten Refrains, die 2016 in der deutschsprachigen Punkmusik bisher zu bieten hatte. Und: Zum Glück ist ein gottverdammter Hit. Gutes Ding!

[SubZine Records / Uncle M | VÖ: 26.02.16]

EP: An Early Cascade | Cloudkicker | Birds In Row | Dress | Second Youth

an-early-cascade-kairosAn Early Cascade – Kairos

Es fällt schwer zu glauben, dass An Early Cascade nicht Circa Survive sind. Insbesondere der Gesang von Maik Czymara ist in Klang, Tonlage, Intonation und Melodieführung so unvorstellbar nah an Anthony Green, dass man Kairos glatt für ein Rip-Off halten müsste. Und es ist nicht nur der Gesang. Viel erinnert an den progressiven Post-Hardcore aus Pennsylvania, allen voran im starken Opener der Passengers of Today. Und doch täte man unrecht daran An Early Cascade als Abklatsch zu betrachten. Denn dafür differenziert sich die EP im weiteren Verlauf hinreichend aus. So etwa im instrumental-zurückgelehnten Intermezzo Colored Sands, das sich plötzlich wie eine Fata Morgana in den EP-Verlauf reinschleicht und ebenso plötzlich wieder verschwindet. Spätestens dann wagen sich An Early Cascade mit The Waverer auch an sperrigeres, progressiveres Material, das überhaupt die gesamte zweite Hälfte auszeichnet und mit Inside ein fast schon mars-voltaeskes Finale im Tool-Gewand findet. Ja, is‘ so!

[Fleet Union | VÖ: 13.11.15]


Cloudkicker - WoumCloudkicker – Woum

Ben Sharp did it again… und wie! Die Ausnahmeerscheinung des progressiven Postrock pflegt nicht nur einen rasanten Veröffentlichungsrhythmus, sondern vor allem eine bewundernswerte Herangehensweise an Musik, die auf diesem Niveau ihresgleichen sucht. Ben Sharp erledigt jeden Schritt bei der Entstehung seiner Platten selbst. So auch bei Woum. Komposition, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Aufnahme, Mastering, Publishing und einiges mehr haben nur einen Namen: Ben Sharp. Das ist umso erstaunlicher, weil seinen Alben seit jeher nichts zu fehlen scheint, sie sich aber trotzdem eindrucksvoll weiter entwickeln. Woum macht hier keine Ausnahme, obwohl es musikalisch deutlich andere Akzente setzt als beispielsweise die unmittelbaren Vorgänger Subsume und Little Histories. Die Metaleinflüsse treten bei Woum in den Hintergrund und öffnen die Klangfarbe hin zu mehr Wärme, Klarheit, Feinheit und Leichtigkeit. Die mächtigen Riffs weichen kleinen Gitarrentupfern und machen zum Beispiel ein Plurals oder Threaded zu zerbrechlich schönen Songs. Mit Trim Splint und Dovetail hat Cloudkicker überdies zwei seiner besten Songs überhaupt aufgenommen und auf die EP gepackt. Woum ist ein Highlight. Wieder einmal.

[Eigenvertrieb | VÖ: 28.10.15]


birdsinrow.personalwar.cover

Birds In Row – Personal War

Spätestens seit dem über Deathwish veröffentlichten 2012er Album You, Me & the Violence sind Birds In Row im Hardcore keine Unbekannten. Der Dreier aus Laval (Frankreich) wusste schon dort dringliche, beklemmende und ja, auch brutale Songs von meist sehr kurzer Spielzeit zu versammeln. Die nun vorliegende EP Personal War weiß sich ebenfalls dort einzuordnen und geht doch einen etwas anderen Weg als der deutlich längere Vorgänger. Denn Songs wie O’dear oder Worried legen die markerschütternde Härte kurzerhand beiseite und kommen fast schon feingliedrig und sanft daher. Was natürlich nicht viel daran ändert, dass Personal War ein biestiger Klotz bleibt, der nicht so leicht zu verdauen ist. Birds In Row teilen aus was das Zeug hält und fahren dabei mit die besten Hardcore-Songs auf, die in diesem Jahr zu hören waren. Da wären zum Beispiel ein Torches, das nach dem Intro auf wunderbar erbarmungslose Weise alles niederwalzt oder das finale Marathon, das mit seiner atmosphärischen Dichte und dabei doch eng getakteten Unverwüstlichkeit auf keinem Hardcore-Sampler des Jahres 2015 fehlen darf. Ganz großes Kino!

[Deathwish Inc. | VÖ: 30.10.15]


Dress - AngstDress – Angst

Wenn Dress ihren Proberaum in der Alten Mälzerei in Regensburg betreten, achten sie vermutlich erst einmal darauf, ob auch ja alle Reverb-Regler bis zum Anschlag aufgedreht sind. Erst dann kann es losgehen. Ihr shoegaziger Dreampop, den sie mit Angst in die nächste Runde schicken, nährt sich geradezu aus Hall. War das selbstbetitelte Debüt 2014 noch deutlich popaffiner und eingängiger, so hüllt Angst die Songs weitaus mehr in Atmosphäre, Effekte und Klangspielereien. Und das steht der EP auch gut zu Gesicht. Der Titeltrack verzichtet gänzlich auf Gesang, die nachfolgenden Songs nutzen ihn auch bloß als Beiwerk. Im Fokus stehen nicht etwa Text und auch nicht das einzelne Lied an sich, sondern das Gesamtbild, das sich nach und nach entfaltet. Die feinen Details, die sich in die Monotonie schleichen oder die Soundscapes, die die die kleinen und einfachen Melodien umhüllen und sich dennoch nicht scheuen auch einen Hit wie About The Sea von der Leine zu lassen. Stark.

[Eigenvertrieb | VÖ: 14.11.15]


second-youthSecond Youth – Glass Roof

Second Youth sind ein europaweit verstreutes Duo, das mit Glass Roof eine erste 3-Song-EP vorlegt, bevor bald ein richtiges Album nachkommen soll. Man kann an dem Vorboten problemlos ablesen, wohin die Reise von Second Youth gehen wird. Melodige Punkrocksongs mit weit ausgestreckten Armen, in einer Hand eine Kippe, in der anderen eine Pulle Bier, Geldbeutelkette mit Billardkugel, Hut, ranzige Jeansjacke, Halstattoo, Spinnwebentattoo auf der Geheimratsecke (kein Witz!). Tja, Social-Distortion-Fans bekommen schon jetzt leuchtende Augen und werden diese auch nach dem Hören von Glass Roof und weiteren fünf Bier beibehalten. Glass Roof und How It Was (das sehr zurückhaltende und kurze Keep On Dreaming eher weniger) gehen zielsicher in die Gehörgänge aller, die den groß gestikulierenden 90er-Punkrock schätzen und froh sein werden die Bouncing Souls in ihrer selten veränderten Playlist durch zwei neue Songs ersetzen zu können. Ansonsten ist aber nicht viel los bei Second Youth: Musik, die man schon tausendfach hören musste, schmalzig, schwülstig und völlig egal. Das nächste Bier bitte!

[Uncle M | VÖ: 04.12.15]

EP: Muncie Girls/Sandlotkids | Kála | City Light Thief | Ära Krâ

MuncieGirls_SandlotkidsMuncie Girls/Sandlotkids – Split Single

Die Split Single ist mittlerweile schon ein Weilchen draußen, aber dafür nicht minder spannend. Stilistisch passen Muncie Girls und Sandlotkids nicht unbedingt zusammen, doch erfüllt diese 4-Song-Split genau das, was sie erfüllte sollte. Zwei Bands zusammenzubringen, die von einander profitieren könnten, einen Einblick in das jeweilige Schaffen zu gewähren und ganz wichtig: Nicht überflüssig zu sein. Das gelingt solchen kleinen Scheiben, die man auf dem Plattenteller dauernd herumdrehen muss, nicht immer. Hier jedoch geht alles auf. Muncie Girls aus Exeter schicken Gone With the Wind von ihrer 2016 erscheinenden LP und Ramones‘ Pet Sematary ins Rennen, das sie mit ihrem nachdenklichen, nicht allzu stürmischen Poppunk hervorragend covern. Während Muncie Girls aber geradezu beschwingt klingen, gehen Sandlotkids aus München deutlich verträumter, ja trauriger zu Werke und sparen nicht an Pathos und großen Gesten. Das macht aber gar nichts, im Gegenteil. Solange mit Dramatic Comedy und Wide Awake Songs herauskommen, die selbst Brand New schmecken würden.

[Uncle M | VÖ: 19.10.15]
Muncie Girls:


Kala_thesis_2500x2500Kála – Thesis

Vor einem Jahr hieß es bei Kála noch Antithesis. Mit Thesis kommt nun die zweite EP der Innsbrucker digital via Uncle M. Nach der Antithese folgt also die These und stellt die platonische Argumentationsdialektik auf den Kopf. Auffallend dabei: Der Vorgänger lässt sich um drei Songs mehr Zeit, die finsterer und musikalisch differenzierter gehaltene Antithesis scheint sich also umständlicher artikulieren zu müssen, während die Thesis klarer und präziser daherkommt. Das mag nicht nur an der deutlich besseren Produktion liegen. Auch ist der Gesang bissiger und sind die Songs schwungvoller arrangiert. Dabei sind beide EPs aber auch gar nicht so unterschiedlich und keine der beiden wirkt wie eine Widerlegung der anderen. Mit Thesis widerlegen Kála allenfalls die mögliche, kritische Sichtweise, sie seien eine harmlose Band, zumal es ihnen gelingt im übersättigten Genre Post-Hardcore aufzufallen. Da macht es auch nicht so viel aus, wenn ein Song wie Tristesse doch ein bisschen harmlos wirkt, wenn mit Helena sogleich die Widerlegung folgt. Kála? Sollte man auf dem Schirm haben, spätestens falls irgendwann einmal die Synthesis kommen sollte.

[Unlce M | VÖ: 13.11.15]


 

Cover_ShameCity Light Thief – Shame

Schon länger als Kála sollte man City Light Thief auf dem Schirm haben. Auch die wabern irgendwo im Post-Hardcore herum, sind in der Genreeinordnung tatsächlich aber schwer zu fassen. Denn City Light Thief haben etwas, das vielen anderen fehlt: Einen gänzlich eigenen Stil, den man bisher am gelungensten auf Vacilando wahrnehmen durfte. Shame ordnet sich auch da ein, wenngleich es gerade auch in seiner Kürze zurückgelehnter und weniger hakenschlagend daherkommt. Symbolisch dafür darf sich Younger You feiern lassen, das überdies einer der besten CLT-Songs überhaupt ist. Insgesamt fahren die Grevenbroicher/Kölner eine gute EP auf (was anders auch nicht zu erwarten ist), die allerdings wegen des teilweise merklich schwächelnden und dennoch arg nach vorne gemischten Gesangs und der bescheideneren Gitarrenarbeit hinter der gewohnten Dringlichkeit City Light Thiefs‘ zurückbleibt.

[Midsummer Records | VÖ: 06.11.15]


Ära Krâ - EP - ArtworkÄra Krâ – s/t

Wenn eine Black-Metal-Band eine 3-Song EP veröffentlicht, darf man sich kein 6-minütiges, windiges Scheibchen vorstellen. So natürlich auch nicht bei Ära Krâ, die u.a. (Ex-)Mitglieder von Fuck Your Shadow From Behind (Vorgänger von Der Weg Einer Freiheit) und War From a Harlots Mouth in ihren Reihen wissen. Dass hier der im Genre ohnehin weit verbreitete Hang zum Monumentalen gebührend zelebriert wird, versteht sich fast von selbst. 18 Minuten bringt die selbstbetitelte EP auf den Zähler und was darin passiert, ist, nun ja: atemberaubend. Der Blast Beat gibt bei Strang & Schwert unbarmherzig das Tempo vor, führt aber keineswegs in die Eintönigkeit. Im Gegenteil. Der Song ist außergewöhnlich facettenreich geraten, was nicht nur – aber verdammt nochmal auch – am fast zweiminütigen Chopin-Klavier-Zwischenspiel liegt. Es spottet fast schon jeglicher Beschreibung einen Song derart runter- und im Anschluss wieder hochzufahren und in seiner Gänze so interessant zu strukturieren. Ära Krâ verstehen sich aber eben nicht nur auf Black Metal, sondern kosten es förmlich aus, auch teilweise post-rockig und hardcoredesk (Grauer Sand) oder bei Endlos („Alles färbst sich schwarz / rastlos lieg ich / rastlos lieg ich wach“) sogar punkesk (ohne Witz!) herumzuspielen. Wer das schafft ohne peinlich zu wirken, ist gut, wer das allerdings so herausragend schafft, heißt vermutlich Ära Krâ.

[Through Love Records | VÖ: 04.12.15]

EP: Strafplanet | Rowan Oak | Farben/Schwarz | Carnist

Strafplanet – Big FeelingsStrafplanet - Bad Feelings

Diese 7“ zieht flugs vorbei, immerhin bewegt sich nur ein Song jenseits der 2-Minuten-Grenze. Bei diesem flotten, rauen und konsequenten Hardcore Punk, der zuweilen starke Powerviolence-Züge trägt, ist nicht alles zackig und kurz geraten. Die deutschen und englischen Texte, die freilich unverständlich ins Mikro gekeift werden, sind geradezu ganze Essays geworden. Sperrig und spröde in Form und Inhalt werden sie als radikale Gesellschaftskritik runtergerasselt, bleiben meist jedoch phrasenhaft hinter diesem Anspruch zurück. Wer einen Song (zelten) mit „Im Übrigen“ anfängt und anschließend in 1:16 Minuten versucht mit Begriffen wie „Rechenschaft„, „Ursachenforschung“ und „Klassengesellschaft“ den Begriff der Kritik zu erklären, muss daran zwangsläufig scheitern. Dabei ist das gesamte Gebolze gar nicht übel.

[Contraszt! Records | VÖ: 03.08.15]


RowanOak_ItsHardToSeeYouClearly_Cover

Rowan Oak – It’s Hard to See You Clearly

Wie so einige Münsteraner Bands fühlen sich auch Rowan Oak im Midtempo richtig wohl und schielen von ihrem Emopunk aus auch schon mal ins Progressive hinüber. Mit Fail/Safe ist ihnen ein wunderbar vielseitiger und sehnsüchtig-stimmungsvoller Song gelungen. Die Stimmung wird überhaupt groß geschrieben, was sich nicht nur am offensichtlichen Faible für William Faulkner zeigt, sondern auch in vielen Details wie z. B. der Umrahmung der 3-Song-EP mit einem wunderbaren Bassintro (Jeff Bridges) bzw. -outro (To You). Gutes Ding.

[Uncle M | VÖ: 28.08.15]


Farben/Schwarz – Einsfarben-schwarz_eins-cover

Es gäbe genügend Gründe sich Sorgen zu machen, wenn eine Band ihre Debüt-EP Eins nennt und die Sorte von Punk spielt, die man gerne in Hamburg verortet. Was soll daraus schon groß werden, außer bloßer Abklatsch von Captain Planet und Co. oder bestenfalls ganz ok? Tja, falsch gedacht. Es kann ziemlich stark werden, vor allem dann, wenn eine Band so viel richtig macht. Farben/Schwarz gelingt dies und wie es scheint, sogar mit einer ziemlichen Leichtigkeit. So bürsten sie ihren melodischen Emopunk mit ein paar Hardcore-Elementen auf und verstehen sich vorzüglich darauf z. B. in Vollkontrast oder Alles Disko unerwartete Wendungen einzustreuen, die weder allzu kalkuliert noch beliebig wirken. Außer dem etwas schwächeren Sirene funktioniert dieses Rezept auf EP-Länge wirklich vortrefflich. Großes Lob!

[Sportklub Rotter Damm | VÖ: 11.09.15]


CARNIST - HELLISH - coverCarnist – Hellish

Dass Carnist eine themenspezifische Konzeptband sind, sollte sofort ins Auge fallen. Eine unmissverständliche noch dazu. Dem Thema Veganismus und Tierleid eine ganze Band zu widmen, ist dieser Tage aber auch nicht ganz einfach, zumal in der öffentlichen (außerszenischen) Wahrnehmung, das Thema Veganismus durch esoterische und andere verrückte Kreise eine zunehmend unaufklärerische und verschwörungstheoretische Dimension bekommt. Umso wichtiger ist, das Thema aus linksradikaler, emanzipatorischer Perspektive umso deutlicher zu positionieren. Hier kommen Carnist mit ihrem kompromisslosen, crustigen Hardcore Punk ins Spiel. Nach dem umfangreicheren Unlearn gelingt es der Band mit dieser EP das Ausrufezeichen hinter ihre Botschaft noch pointierter zu setzen. Das fängt schon beim Titel Hellish an und zieht sich durch alle Songs, die passenderweise mit Hell is… beginnen. Dass Carnist auch technisch das Fach beherrschen haben sie nicht nur bereits beim Vorgänger, sondern vor allem bei anderen Bands wie Fall Of Efrafa, Light Bearer oder Archivist unter Beweis gestellt.

[Alerta Antifascista Records | VÖ: 23.09.15]

Kurzformat #10

Havarii – Am Ende des Anfangs

Zum Start servieren wir gleich mal einen kleinen Grenzgänger aus dem Hause Havarii. Schließlich firmiert Am Ende des Anfangs eigentlich als Album und nicht als EP. Dennoch sind nur fünf Songs ein bisschen wenig, für einen vollwertigen Langspieler. Die Stücke selber weisen derlei technischen Fragen allerdings ohnehin den Weg ins Unerhebliche. Weil sie auf den von Grand Griffon und Captain Planet gezeichneten Wegen wandeln. Und zwar fulminant. Und bisweilen durchaus schmerzhaft und prägnant. Ein großes kleines Album.  [Brutkasten/Broken Silence | VÖ: 29.05.2015] – (ms)

 

Nathan Gray – NTHN GRY

 Man muss mit ziemlich großer Sicherheit niemandem mehr erklären, wer genau denn dieser Nathan Gray ist. Der Sänger von Boysetsfire (jetzt haben wir es doch getan, hoppla) wandelt neuerdings auf Solopfaden und entfernt sich dabei erwartungsgemäß ein wenig vom Sound seiner ‚Hauptband‘. Gray ist aber glücklicherweise weit entfernt von weichgeklopften Singer/Songwriter-Sperenzchen oder dem Pop-Punk von The Casting Out. Elektronische Spielereien, finstere Akustikgitarren und eine nicht zu überhörende Wut bilden das Fundament, auf dem sich Gray durchaus gelungen austoben darf. [End Hits | VÖ: 07.08.2015] – (ms)

Accidente/Duelo – Split

Gelungen ist auch diese Split-Ep von Accidente und Duelo. Allerdings nur, wenn man Sympathien für Punk der ganz nackten Spielart hegt. Verwaschen produzierte und in gefühlter Lichtgeschwindigkeit geschrubbte Powerchords werden hier unterstützt von einem etwas zu dünnen Bass und einem wohlvertrauten Uffda-Schlagzeug. Das klingt vielleicht etwas simpel, macht aber in den richtigen Momenten dennoch eine ganze Menge Spaß. [Contraszt! | VÖ: 22.04.2015]- (ms)

Wait For June – Prospects And Hope

Singer/Songwriter, Folk und Pop. Das ist inzwischen gerne mal eine Mixtur, die das Potential hat, ihre Hörer_innen direkt in die Hölle zu nerven. Weil man den immer gleichen Song mit leicht verändertem Aufbau und neuen Titel einfach irgendwann nicht mehr hören kann. Wait For June machen ihre Sache zum Glück abseits der ausgetretenen Pfade. Und präsentieren sechs unaufgeregte Songs, mit denen man viel Freude haben kann. [Singalongsongs | VÖ: 08.11.2014] – (ms)

An Elegy – Embrace The Rain

Weit weg von Folk oder Pop knüppeln sich An Elegy durch die Gegend. Mit einer aus dem Metalcore entliehenen instrumentalen Perfektion. Mit Growls aus der oben erwähnten Hölle. Und mit ein paar schönen Gesangsharmonien. Eine Beschreibung, die instinktiv an ganz fürchterliche Releases aus dem Hause Victory denken lässt. Was zum Glück nicht passt. Nicht mal ansatzweise. An Elegy schaffen eine ganz eigene und auch eigenwillige Stilmixtur, die erst bewältigt werden will. Das wird sich allerdings lohnen. Vermutlich. [ DIY | VÖ: 27.07.2015] – (ms)

The Secnd – II

Der Promotext sagt, The Secnd seien „frisch, unverbraucht und voller Energie.“ Nun, das mag sein. Ihre Musik klingt allerdings weder frisch noch unverbraucht und schon gar nicht irgendwie energetisch. Als ob man einfach mal alles, womit man momentan vergleichsweise schnell seine Brötchen verdienen einmal durch den Wolf gedreht hätte. Wer Bands der Marke Bastille für ganz heißen Scheiß hält, könnte das hier mögen. Der Rest kann ja einen Bogen um The Secnd machen. [Heldenmusik/Believe | VÖ: 05.06.2015 ] – (ms)

Basement – Further Sky

Einen Bogen sollte man hingegen auf keinen Fall um Basement machen. Zumindest wenn man mit den Worten Emo, Grunge und Indierock zumindest halbwegs etwas anfangen kann. Dann nämlich wird man diese inzwischen fast ein Jahr alte EP mögen. Nein, lieben. Schließlich erinnern Basement an klangvolle Namen, wie Brand New oder Moose Blood oder Sunny Day Real Estate. [Run For Cover/ADA | VÖ: 08.08.2014 ] – (ms)

Chambers – s/t

Es passiert sehr selten, dass man vom Fleck weg weiß: Diese Band hat das Zeug zu ganz großen Songs. Chambers sind so ein Fall. Auch wenn bei dieser selbstbetitelten EP die Gitarren dann und wann eher nach einem alten Rührgerät klingen, auch wenn man über die Gesangsspuren vielleicht noch mal drüberwischen könnte – hier wird an den Instrumenten bisweilen geradezu gezaubert. Was Songs entstehen lässt, die ausladend und dennoch schlüssig sind. Voll mit cleveren Ideen und Spielfreude. Mehr davon! [DIY | VÖ: 12.06.2015 ] – (ms)

Holy Esque – Submission

Irgendwann haben wir ja schon mal spekuliert, warum aus Schottland so viele wundervolle Bands kommen. Woran es liegen mag, weiß natürlich niemand so genau, aber irgendwas muss es da geben. Schließlich dürfen Holy Esque sogar Songs schreiben, die mit jeder Faser vom NME abgefeiert werden wollen und dementsprechend eigentlich recht stromlinienförmig daher kommen. Und doch schwingt jederzeit etwas Interessantes mit, in den Songs dieser EP. Vielleicht ist es die recht schroff belassene Stimme. Vielleicht sind es die hörbaren Elemente aus dem Post-Rock-Lehrbuch. Fest steht jedenfalls: Submission lohnt ein Ohr. [Beyond The Frequency | VÖ: 17.07.2015 ] – (ms)

Endless Heights – Teach You How To Leave

Es ist zweifelsohne eine der Entwicklungen des Jahres: Man macht jetzt wieder in Grunge. Nachdem Superheaven und Unwed schon ziemlich eindrücklich Brücken zu den guten Releases der Neunziger gebaut haben, gehen nun auch Endless Heights genau diesen Weg. Mit einem scheppernden Drumkit und blitzsauber aufeinander geschichteten Gitarren wird hier schwungvoll der Vergangenheit gehuldigt. Ohne auch nur eine Sekunde altbacken zu wirken, allerdings. Wieder so ein Name, den man sich für die Zukunft vielleicht besser merken sollte. [Uncle M/Anchors Away | VÖ: 14.08.2015 ] – (ms)

Kurzformat #9

Drug Church - SwellDrug Church – Swell

Zugegeben: Die Veröffentlichung von Swell ist schon eine Weile her, Februar um genau zu sein, doch das soll kein ernsthaftes Hindernis sein ein paar Worte über die EP zu verlieren. Denn diese ist eine kleine Sensation. Angefangen bei dem wunderbar verschleppten und rotzigen But Does It Work?, das man vor 25 Jahren auch den Pixies zugetraut hätte, über den wavigen Postpunk-Kracher Work-Shy, sitzt hier wirklich jeder Song. Drug Church lassen ihren von Patrick Kindlon (Self Defense Familiy) angetriebenen Hardcore allzu gerne in artverwandte Genres eintauchen, nur um sich dort mit möglichst viel Schmodder und Rost einzudecken. Fantastisch! [No Sleep Records | VÖ: 10.02.15] – (mo)

kindred spirit cover 1500Rocky Votolato/Chuck Ragan – Kindred Spirit

Die Namen Rocky Votolato und Chuck Ragan lassen Punkinteressierte aufhorchen und bringen die Folkrock- und Singer/Songwriter-Szene kollektiv ins Schwärmen. Kein Wunder eigentlich, sind beide zunehmend und auch stets hörenswert an der Akustischen zuhause. Nachdem sich beide im Rahmen der Revival Tour schon öfter die Bühne geteilt haben, teilen sie sich nun also auch eine Split-EP. Drei Songs gibt es jeweils, wobei sich Ragan bei seiner flotteren Auslegung des Folk mit Ben Nichols, Jon Snodgrass, Chad Price und Dave Hause zusätzlich reichlich Verstärkung holt. Ragan stellt damit den deutlich behutsamer und reduzierter agierenden Votolato fraglos in den Schatten. Letztlich liefern allerdings beide nicht ihre besten Songs ab und wer das bisherige Solowerk von beiden kennt, verpasst hier sicherlich nichts, schließlich hat man das alles schon oft genug gehört. Nun gut, Ragans Before Dust ist sicherlich den einen oder anderen Hördurchgang wert. [SideOneDummy Records | VÖ: 05.06.15] – (mo)
Stream

DRAG- Slow BreedsDRAG – Slow Breeds

Man kann durchaus irritiert sein beim Anblick des Covers und der Tatsache, dass es sich bei DRAG um eine Band aus dem unmittelbaren Umkreis von Light Bearer handelt. Von Düsterheit, Mythologie und Epik ist da nämlich keine Spur. Und was optisch sofort ins Auge fällt, bestätigt sich musikalisch umso mehr. Light Bearer sind hier ganz weit weg. DRAG präsentieren stattdessen verträumten und etwas schrulligen Indierock, dem man vermutlich auch das Label Shoegaze verpassen könnte. Vier starke Songs haben sie auf dieser EP versammelt, die sich angenehm an den Pop schmiegen, ohne aufdringlich zu sein und vor allem ohne die im Hardcore-Punk erlernten Riffs über Bord zu werfen. Am besten wird das im Song 0 vorgeführt. Das kann sich wahrlich sehen lassen. Mehr davon! [DIY | 28.05.15] – (mo)

Agador SpartacusAgador Spartacus – Agadorable

Die Rede davon, dass sich jemand bemüht, ist meist nicht als Kompliment gemeint. „Er hat sich bemüht, aber…“. Nein, ein Lob ist das nicht wirklich. Bei Agador Spartacus schaut’s allerdings ein bisschen anders aus. Denn die sind sichtlich bemüht aus den meist arg trüben Gewässern des Alternative Rock etwas Brauchbares herauszufischen. Und siehe da: Es will ihnen sogar gelingen. Zumindest über einige Stecken ihrer 5-Song-EP. Auch wenn sie mit Ceruma nicht den besten Anfang erwischen, so liefern sie sonst ganz ordentliche Songs im Postpunk-Gewand ab. Scissor Sisters And Brothers darf sich trotz der „Ohohohos“ eines ziemlich guten Tracks rühmen. Gleiches git auch für Barking Dogs, das vor allem am Bass eine solide Vorstellung hinlegt. Alles in allem: Kein Wunderwerk, aber den Alternative Rock doch gerade noch so aus dem Dreck gefischt. Wenn das mal kein Lob ist… [DIY | VÖ: 12.12.14] – (mo)

Kurzformat #8

Powernap – Oreosmith

Als hätte man nach dem dümmlichsten Namen gesucht wirkt das hier. Die Band heißt Powernap, die EP Oreosmith. Faulenzen und den Naschfuchs geben ist aber nicht drin mit diesen sechs Stücken. Dafür ist der an Leatherface geschulte Punkrock des Fünfers viel zu anregend. Dass alle beteiligten schon zuvor in anderen (noch nerdigeren?) Bands aktiv waren, hört man der Chose jederzeit an. Oreosmith klingt souverän, ohne allzu abgeklärt zu wirken. Und macht neugierig auf mehr. [Asian Man / Klownhouse | VÖ: 17.04.2015] – (ms)

Kalamahara – The Unmeant Wedding

 Auch mit einem interessanten Namen ausgestattet sind Kalamahara. Wobei hier die Namensgebung doch irgendwie wesentlich passender erscheint. Schließlich verstecken sich auf dieser EP Songs, die mit dem Delorean direkt aus den 70ern angereist sind. Mit einer staubtrockenen Produktion, mit Riffs und verschrobenen Ideen, auf die viele andere neidisch wären. Und schlichtweg mit einer ganzen Menge Qualität, ist doch alleine der Opener Animuse eine kleine Sensation. [Sportklub Rotter Damm / Fuzzmatazz | VÖ: 15.05.2015] – (ms)

Mumrunner – Full Blossom

Nun, so wirklich revolutionär ist es zwar dank Bands wie Malory nicht mehr, Spaß macht die Vermengung von Shoegaze, verträumten Pop und ein wenig Alternative aber dennoch eine ganze Menge. Zumindest, wenn sie so betrieben wird, wie von diesem Vierer aus Finnland. Großflächige Soundscapes, perlende Melancholiegitarren und eine Menge Hitpotential. Und doch genügend Kanten, um nicht unbemerkt im Gebrüll des VICE-Kosmos unterzugehen.[Soliti / Wolves & Vibrancy | VÖ: 15.05.2015]- (ms)

Wolf Down – Liberation

Weit, ganz weit entfernt von irgendeinem Hipster-Kosmos sind Wolf Down unterwegs. Kompromisslos ist so ein Wort, das so ziemlich immer fällt, wenn es um diese Band geht. Und es ist ja auch absolut zutreffend. Ihr Hardcore geht ohne große Umschweife genau dahin, wo es gewaltig weh tut, ihre Texte sprechen in entwaffnender Offenheit aus, was sie ankotzt. Und nachdem man sich an die neue Stimme gewöhnt hat, zieht man auch vor dieser EP den Hut. So muss Konsequenz klingen. [End Hits / Cargo | VÖ: 22.05.2015] – (ms)

Manel Rodriguez – Manel Rodriguez

Promotexte sollten ja eigentlich dringend gesammelt werden. Dieser Wust aus blumigen Formulierungen und semiwichtigen Informationen wirft teilweise wahrhaft prachtvolle Satzungeheuer ab. Im Falle von Manel Rodriguez beschränkt sich das auf ein paar Wörter. Die auch noch treffsicher sind. Weil die vier Songs zwar ohnehin für sich sprechen, aber eben tatsächlich ein wenig nach Lana Del Rey und Bob Dylan klingen. Und weil wir uns an dieser Stelle nicht selber mit blumigen Formulierungen auf die Nase legen wollen, gibt es nur ein Wort: Toll! [DIY | VÖ: 30.04.2015] – (ms)  

Kurzformat #7

Superscum – Superscum

Dark-Country. Wieder so eine Genrebezeichnung, die sich Mephisto höchstpersönlich ausdenken hätte können. Aber: Superscum beschreiben ihre Musik nun einmal mit diesen beiden Worten. Und irgendwie haben sie auch Recht damit. Das Fundament dieser Songs klingt eindeutig nach staubiger Einöde, nach „On The Road Again“ und doch findet man immer wieder Einsprengsel aus Wave und andere Kontrapunkte. Das ist im besten Falle enorm spannend, klingt im schlimmsten Falle aber auch für ein paar Momente nach Reamonn. Aber nur für ein paar Momente. [Believe | VÖ: 24.11.2014] – (ms)

Mortals / Repellers – Split

 Zugegeben, immer wenn es um Metal geht, zittern uns ein wenig die Hände, weil wir uns auf bisweilen doch recht dünnem Eis bewegen müssen. Deshalb sei auf detaillierte Genreangaben verzichtet und einfach nur erzählt, dass Mortals zwar nur einen von vier Songs beisteuern, aber dafür acht abwechslungsreiche Minuten mit durchaus melodischen Passagen am Start haben. Und Repellers im Gegensatz dazu einen wesentlichen punkigeren Ansatz wählen. [Broken Limbs | VÖ: 10.03.2015] – (ms)

Squalloscope – Dispenser Box

Weil oben von Kontrapunkten gesprochen wurde: Im Vergleich zum gerade besprochenen Gebolze ist diese EP mehr als nur ein solcher. Squalloscope bewegen sich mit ihrem seltsamen Namen auf den Spuren von Lali Puna und dem Geplucker von The Notwist. Die Brillanz Letzterer wird dabei zwar nicht erreicht – sonst würde hier vermutlich eine ausladende Lobhudelei stehen -, ignorieren sollte man diese fein durchkomponierten Stücke aber natürlich trotzdem nicht. [Seayou | VÖ: 14.02.2015]- (ms)

Heinali – A Wave Crashes

Heinali ist ein Name, den man – wenn man ihn nicht schon längst kennt – sich unbedingt(!) merken sollte. Zumindest wenn man auf eine Mischung aus ruhig gehaltenen Postrock-Versatzstücken und Ambient steht. Was diese Band nämlich mit teilweise spärlichsten Mitteln an Atmosphäre auf die Bretter bringt, ist kaum zu glauben. Und dennoch ist man mutig genug, um das eigene Muster mit dieser EP gründlich zu durchbrechen: A Wave Crashes ist hier nicht nur als Titel zu verstehen, sondern auch musikalisch verwirklicht. [Fluttery | VÖ: 03.2015] – (ms)

The Artificial Harbor – s/t

In den ersten zwei Zeilen der Bandvorstellung fallen die Wörter „Südtiroler Wahlwiener“, „FAZ-Online“ und „Neo-Hippies“. Das meint: The Artificial Harbor haben auf dem Papier alles beisammen, um das nächste große Ding zu werden. Das skeptische Geister auf den Plan rufen wird, die Worte wie „Hype“ stammeln und sich abwenden werden. Und tatsächlich klingt diese Melange aus Folk und gewaltig viel Pop-Appeal extrem zeitgemäß. Das machst aber nichts, weil die Band trotzdem weiß, wie man einen guten Song zu schreiben hat. Zum Glück. Sollte man sich merken, das. [Siluh Records | VÖ: 24.04.2015] – (ms)

eot_CD_frontonly_1500x1500_150_dpiElephants On Tape – Different From Now

Nicht ganz so offensichtlich zugänglich gestalten Elephants On Tape ihre Songs. Da wird schon mal ein Beat ordentlich verschleppt, da verwundert schon mal eine nicht aus versehen sehr hoch fliegende Gesangsharmonie oder ein ausgiebiger Ausflug in elektronische Gefilde. Ansonsten lässt sich die Band nur ungern auf ein bestimmtes Genre festlegen. Wer allerdings Songs wie Less Or Equal schreibt, darf auch gar nicht erst in enge Schubladen gesteckt werden. Weil das ziemlich großartig ist, was auf dieser EP zeitweise fabriziert wird. Muss man sich merken. [DIY | VÖ: 06.05.2015 ] – (ms)

Kurzformat #6

Kat Vinter – Islands

Spätestens mit der begeisterten Review zu Ah! Kosmos dürfte durch manchen Kopf ein schlimmer Verdacht schwirren: Wir werden unterwandert! Von Elektronik! Und wo bislang Kilometer von Gaffertape, Gitarrensaiten und durchgebrannten Röhren dominierten, werden zukünftig Loops, Soundscapes und Snythies aus irgendwelchen Notebooks abgefeiert. Eine schlimme Vorstellung. Die Kat Vinter ein bisschen erträglicher machen mit ihrem ätherischen Elektropop. Und die dennoch wohl nie wirklich Realität werden wird.[Adp | VÖ: 24.04.2015] – (ms)

Captain Capa – Death Of A Hydra

 Ach, Thema Elektronikunterwanderung die Zweite. Dieses mal wird sich auch nicht lange mit Elektropop aufgehalten, es geht direkt in die Vollen. Captain Capas neue EP könnte nämlich so auf den ersten Blick auch ohne Probleme auf den Tanzflächen der Großraumdisse des jeweiligen Vertrauens stattfinden. Das macht aber nichts, haben die drei Stücke doch einen unverschämten Popappeal, den man so bald nicht mehr los wird. Wer’s nicht glaubt, möge Vipera hören. Und für immer..ach, ihr wisst schon. [Audiolith | VÖ: 22.05.2015] – (ms)

Jimmy Satans Schuhshop – Hölle fahr’n

So, jetzt aber genug aus der digitalen Welt. Und mit Schmackes zurück zum Punk. Oder so etwas Ähnlichem. Jimmy Satans Schuhshop kombinieren einen unfassbar sperrigen Bandnamen mit wüst unterproduzierten drei Akkorden, dem geradezu subversivem Fernbleiben von Struktur und einem Sexappeal in den eigenen Stücken, die man zuletzt in etwa bei Wanda gehört hat. Man merkt: Beschreibung zwecklos. Und nicht zuletzt wegen Songs, wie Bus verpasst unbedingt empfehlenswert. Anhören! [Rummelplatz Musik | VÖ: 27.03.2015]- (ms)

Colostrum – Respawn

Oh, weil gerade Wanda Erwähnung fanden, kommen wir natürlich auch um Colostrum nicht herum. Die haben zwar einen weniger knuffigen Namen, kommen aber eben aus Wien. Und die Vorschrift besagt, dass man derzeit alles ziemlich geil finden muss, was aus Österreich kommt. Abgesehen davon machen Colostrum auch wenig knuffige Songs. Dafür aber gute. Die schräge Gitarrenminiaturen mit mal pluckernden und mal treibenden Beatfundamenten kombinieren. Eine Genrebenennung spart man sich dabei besser. Die braucht man auch nicht, sprechen die vier Stücke doch für sich. [Seayou | VÖ: 13.03.2015] – (ms)

Torrid Souls – Sea Sons 

Man darf ja ruhig mal ehrlich sein und zugeben, dass man von einer Band, die ihre eigene Musik in den Worten „Alternative, Indie, Folk“ beschreibt und ihre erste EP mit einem verboten flachen Wortspiel betitelt, nicht besonders viel erwartet. Umso überraschender sind dann die Songs von Sea Sons. Die schenken sich die Aufdringlichkeit von Indie und Folk einfach komplett und üben sich, angeführt vom angenehm an die 90er erinnernden Opener Red Admiral, im Wohlklang. Ohne langweilig zu wirken. Das verdient zwar bestimmt eine etwas ausdifferenziertere Produktion, tönt aber doch zumeist vielversprechend. [DIY | VÖ: 13.03.2015] – (ms)

Kaufmann Frust – Hinter den Fenstern

Hin und wieder kommt es vor, dass man vom Fleck weg weiß, dass man etwas Besonderes in Händen hält. Zum Beispiel beim Auspacken des Vinyls dieser wundervollen 7″. Dabei haben Kaufmann Frust aus Stuttgart auf Hinter den Fenstern gerade mal zwei Songs versammelt. Songs, die es allerdings scheinbar mühelos schaffen, die ungestüme Dringlichkeit von – sagen wir mal – Grand Griffon mit der atmosphärischen Dichte von Die Nerven zu kombinieren, ohne auch nur für einen Momenten den ganz eigenen Sound aus den Augen zu verlieren. Schweigeminuten hat dabei seinen Platz unter den Songs des Jahres nach einem Durchgang schon fast sicher. Riesig.[DIY | VÖ: 15.03.2015] – (ms)

 

Kurzformat #5

Carlson – EP

Na bitte, da sind mal pragmatische Leute am Werk. Weil gerade kein hochtrabender Name zur Verfügung war, heißt diese EP eben ganz schlicht EP. Reicht ja auch. Und alle wissen, was gemeint ist. Was es unter dem großartigen Artwork zu hören gibt, weiß man aber noch nicht. Nun: Alternative. Der spannenderen Sorte. Staubtrockene Produktion, reichlich Stoizismus seitens der Rhythmusfraktion und eine Menge spannender Ideen. Das „Göttinger Tagblatt“ vergleicht die Erfurter gar mit den Kings Of Leon. Und hat damit nicht Unrecht. Nur das hier nervt nicht. Ganz im Gegenteil. Und es hat mit dem Opener Fiddles & Gold sogar einen kleinen Hit mit. [DIY | VÖ: 13.3.2015] – (ms)

Toneron – Toneron

Electro-Alternative. Ein fürchterlicher Name für ein Subgenre. Der sämtliche Nackenhaare in Habachtstellung bringt, könnte sich doch hinter dem Etikett so ziemlich alles verstecken, nur nichts Ordentliches. Zum Glück bilden Toneron hier eine wohlige Ausnahme. Electro ist hier durchaus im Spiel, aber eben auch gutes Songwriting, ein angesoffenes Saxophon und auch sonst allerlei sympathisch-durchgedrehte Ideen. Das könnte sogar uns zum Tanzen animieren. Und das will etwas heißen. [Sportklub Rotter Damm/Believe | VÖ: 27.03.2015] – (ms)

You, Me, And Everyone We Know – Dogged

Weg vom Electro, hin zu, ja, zu was eigentlich? Das lässt sich im Falle dieser Band nicht zu 100 Prozent sagen. Das ist ein bisschen Punkrock, ein bisschen Chaos, ganz viel Pop-Appeal und eine gehörige Portion Emo. Musikalisch ist das alles schön spaßig, textlich geht es allerdings vornehmlich suizidal zu. Was die ganze Chose in die Nähe von Jeff Rosenstock rückt. Mit etwas weniger Wahnsinn. Und etwas mehr Fokus. [Rude Records | VÖ: 17.03.2015]- (ms)

Jim Kroft – Journeys #1

Alle, die das #1 im Titel als Auftakt zu einer Serie verstehen, könnten nicht richtiger liegen. Jim Kroft will eine Art musikalischen Roman schreiben. Oder einen musikalischen Reiseführer, wenn man so will. Dazu wird mal eben flugs die Welt umrundet. Die entstandenen Songs sollen dann auf ganze sechs EPs und zwei Alben verteilt werden. Journeys #1 entstand dabei während einer Reise durch Asien und markiert nun den Anfang eines mehr als nur interessanten Projekts. Ach ja: Zu hören gibt es hier eindrückliche Singer/Songwriter-Nummern, die ganz nach dem Gesamtkonzept klingen. Sehnsüchtig, ruhelos, aufgeladen mit Fernweh und meistens wunderschön. Das hier sollte man unbedingt verfolgen! [Field Recordings/Believe | VÖ: 27.03.2015] – (ms)

Orbit The Earth - The Tidal Sleep - Artwork #1

Orbit The Earth / The Tidal Sleep – Split

Hier muss man eigentlich nicht so wirklich viel erzählen, schließlich sind beide Bands hinlänglich bekannt. Jetzt gibt es auf dieser gar nicht mal so kurzen 12″ jeweils drei neue Songs und ein Cover der jeweils anderen Band zu hören. Wie nicht anders zu erwarten war, gibt man sich hier hüben wie drüben keine Blöße. Wobei Orbit The Earth eine etwas differenziertere Produktion vertragen hätten können. Und The Tidal Sleep ihren Hang zum Postrock noch ein kleines Stück intensiver gestaltet haben. Wie man es auch dreht und wendet, diese Veröffentlichung ist in jedem Fall besonders empfehlenswert. [This Charming Man | VÖ: 04.04.2015] – (ms)

Wind und Farben - SouvenirWind und Farben – Souvenir

Alte Bekannte sind auch Wind und Farben. Jedenfalls haben sie bereits einen Song zu unserem kleinen Sampler beigesteuert. Seit ein paar Tagen gibt es nun auch die 12″ Souvenir. Zu hören gibt es wie schon bisher Post-Punk im Sinne von Captain Planet & Co. mit ordentlicher Emo-Schlagseite. Das klingt dann manchmal so, als hätte man die Trümmer Adolars wieder aufgehoben und einen richtigen Sänger ins Boot geholt. Und das ist als Kompliment gemeint. [lala/Broken Silence | VÖ: 13.03.2015] – (ms)