Brushes Held Like Hammers – Moral Teflon

BHLH - Moral TeflonEntschlossen unentschlossen

Da schau her: Der Höcker eines Kamels hat keine entsprechende Auswölbung der Wirbelsäule zur Folge. Biologisch Unkundige dürften überrascht sein und werden ein Kamel unmöglich bloß am Skelett erkennen können. Brushes Held Like Hammers schaffen mit ihrem dritten Album Abhilfe, verorten aber in Widerspruch zum anatomischen Bildungsauftrag des Covers, im Kamelhöcker Coca-Cola. Klingt alles irgendwie dämlich? Ja, mag sein, der hölzerne und wenig elegante Einstieg in die nachfolgende Rezension wäre aber immerhin vollbracht.

Coca-Cola in the Camel’s Back ist wiederum der hölzerne und wenig elegante Einstieg der Regensburger in ihre Platte Moral Teflon. Und das ist gar nicht negativ gemeint, sondern kommt als stilistisches Urteil einem Kompliment gleich. Zumindest bei dieser Art von postpunkig-noisigen Indierock, den Brushes Held Like Hammers fabrizieren. Da ist erst einmal alles spröde. Der an Verben arme Text über All-Inclusive-Urlaube, die schleppend-scheppernden Instrumente, die verzerrten Stimmen; von der Produktion wollen wir gar nicht reden. Der Song stolpert in der Gegend herum, dagegen wirken die Laufbewegungen eines Kamels geradezu grazil. Insbesondere zur Mitte hin gerät er völlig aus dem Taktgefüge, sodass das am Schluss wiederholte Anfangsmotiv plötzlich wie ein ganz neuer Titel wirkt. Und weil das immer noch allzu negativ klingt: nein, schlecht ist das nicht. Es ist sogar ausgesprochen gut. Noch besser ist Aching Rings, das auf unwiderstehliche Weise verspielte Gitarrenfiguren mit einem brillanten Refrain zu kombinieren weiß. Ein verdammter Hit.

Brushes Held Like Hammers’ Geschrammel hat eine große Vorliebe für komplexe Songstrukturen, die sich auch schon mal fast vollständig auflösen können (Black Planets), stets aber irgendwie von wuselnden, aber eingängigen Gitarren eingefangen werden (Tailstrike). Dass hierzu der desillusionierte Klang der lakonischen Stimme dem Album eine ebensolche Atmosphäre verleiht, ist nur konsequent. Das verlangt nach mehr. Nach sechs, manchmal durchaus zu lang geratenen Songs ist allerdings Schluss, womit Moral Teflon von der Länge her eines dieser unpraktischen Zwitterwesen zwischen EP und LP ist. Das mag man für eine Nebensache halten, aber es nervt tatsächlich ein bisschen, weil es die musikalische Zerfahrenheit der Platte auch auf ihre Form überträgt und sie damit in gewisser Weise unvollständig macht. Es fehlen 3-4 Stücke, vor denen sich Band scheinbar drückt. Es sind die Songs, die aus einer guten Platte entweder eine wirklich große oder eine „bloß“ gute Platte machen. Brushes Held Like Hammers bleiben diesbezüglich entschlossen unentschlossen und sparen diese Songs aus. Vielleicht sparen sie sie aber auch nur für später auf. Man weiß es nicht, aber da wären wir schon wieder beim Kamel.

7/10

Anspieltipps: Coca-Cola in the Camel’s Back, Aching Rings, Losing Leaves in Spring

(Martin Oswald)

Brushes Held Like Hammers – Moral Teflon | VÖ: 06.01.15 | digital

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