Brother/Ghost – Buried

Brother/Ghost - Buried

Das Schöne im Biest

Es gibt eine ganze Menge Alben, deren Stärke es unter anderem ist, sich absolut nicht für den normalen Hausgebrauch zu eignen. Schließlich wird niemand den traditionellen Drei-Uhr-Tee zu Draff Krimmy servieren oder anschließend Opas WMF-Tafelservice zu Converge abspülen. Weil man ansonsten vermutlich alleine oder in ziemlich abgedrehter Gesellschaft Tee schlürfen würde und die Haltbarkeit des Tafelservice einem Song von – sagen wir mal – Simple Plan Konkurrenz machen könnte. Vermutlich. Sicher ist hingegen, dass Brother/Ghost ein Album vorlegen, das sich nahtlos in die Riege der weniger alltagstauglichen Platten einsortiert.

Weil Buried schon von Weitem bedrohlich und abgründig erscheint. Weil das Album zunächst jeden Zugang verweigert. Weil man erst mal nicht die leiseste Ahnung hat, wo man dieses Werk überhaupt einreihen soll. Der Vorgänger jedenfalls, der war in Postrock-Kreisen unterwegs, wohingegen sich Buried solcher Zuschreibungen weitestgehend entledigt. Sicher, die bekannten Stilmittel des Postrock verstecken sich überall in diesen Songs – zum Einsatz kommen sie aber nicht. Zumindest nicht so, wie man es erwarten hätte können. Freedom geht hier als Paradebeispiel voran, beginnt der Song doch mit Gitarrenläufen über schweren Akkorden. Wie aus dem Lehrbuch. Die allerdings später in eine Art Instrumentalrefrain umgewandelt werden. Und mittendrin Platz machen für ein wundervoll gefühlvolles und dennoch brachiales Finale. Das man zu Beginn des Songs nicht unbedingt erwarten konnte, klar.

Dabei hätte man es schon nach dem Opener Satan wissen können. Der liefert nämlich in knapp sechs Minuten einen treffsicheren Querschnitt von Buried. Spannungsbögen, die auch Mogwai abnicken würden, treffen auf Gesangsparts aus dem Esben And The Witch-Gruselkabinett. Und dazwischen bringen Brother/Ghost jede Menge guter Ideen unter. Allein das erwähnte Satan dreht beharrlich die Spannung nach oben und bereitet den Weg für ein intensives Vergnügen über sieben Songs hinweg. Cripple verbannt dann das ohnehin kaum vorhandene Licht zwischenzeitlich restlos aus dem Album und lehrt mit seiner bedrohlichen Soundkulisse das Fürchten. Nervenzehrende Klavieranschläge inklusive. Da ist man ehrlich dankbar, wenn Causeway im Anschluss versöhnliche Akkorde präsentiert und so für die dringend benötigte Atempause sorgt.

Ohne diese wäre man vielleicht ein wenig überfordert mit dieser Platte. Weil Buried atmosphärisch dicht bis an die Schmerzgrenze ist. Weil man weit mehr als einen Anlauf braucht, um diesen Stücken ihre Geheimnisse abzuringen. Und natürlich auch einfach, weil das alles trotz all seiner Eigenwilligkeit bisweilen virtuos durchkomponiert und voll hintersinniger Schönheit ist. Man muss sie nur finden.

Wertung: 8/10

Anspieltipps: Satan, Causeway, Freedom, Blackdog

(Martin Smeets)

Brother/Ghost – Buried | i.Corrupt | VÖ: 15.06.2015 | Vinyl

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