Broadside – Old Bones

Broadside - Old Bones

Bridge Builder

Eines muss man ja den Thrices und Taking Back Sundays und sogar den The Useds dieser Welt schon irgendwie vorhalten: Sie haben es für alle nachfolgenden Bands vermasselt. ‚Es‘, das ist an dieser Stelle einfach eine spezielle Form der Soundästhetik. Die durch die Röhren gejagten Powerchords, die doch stets darauf bedacht sind, nicht zu harsch zu klingen. Die jubilierenden Gitarrenläufe, die einen großen Kübel Melodie über das ohnehin leicht nachvollziehbare Grundkonstrukt kippen. Der mehrstimmige Gesang, der ins Chaotische abdriftet, wenn es unbedingt sein muss, aber ansonsten immer blitzsauber des Weges kommt. Und sich dann und wann sogar auf ein bisschen call-and-response einlässt. Ach ja, und natürlich als besonderes Gimmick noch ein paar leidlich innovative Elemente: Hier ein Klavier, da dezente Elektronika, man kennt das Spielchen ja.

Warum die oben willkürlich herausgegriffenen Bands die Chose also nun vermasselt haben? Weil Broadside inzwischen die 17292. Band ist, die genau diese Trademarks aufgreift und zu ihren eigenen macht. Nachlassverwaltung des ollen Emo, the sky is the limit! Also rauf auf den eingestaubten Stapel mediokrer Emo-Kapellen mit Broadside? Mitnichten. Dieses Quintett hier nämlich spielt zwar mit längst bekannten Zutaten, verquirlt das Ganze aber doch auf eine Art und Weise, die interessante Ergebnisse zu Tage fördert. Zum Beispiel, das die Vermengung von Jimmy Eat World und den oben erwähnten Bands durchaus möglich ist, obwohl stilistisch eigentlich Welten dazwischen liegen. Trotz gleicher Genrebezeichnung, wohlverstanden. Was ein paar Jährchen ausmachen können. Erstaunlich.

Erstaunlich ist auch, was Old Bones aus seinen eigentlich miserablen Rahmenbedingungen macht. Trotz Emo-Rucksack und fürchterlich steriler Produktion reihen Broadside einen gelungen Song um den anderen aneinander. Und ab und zu gelingt ihnen von dieser mehr als soliden Basis aus gar ein Sprung in die Sphären des Bemerkenswerten. Dann schlägt Come & Go leidenschaftlich seine Haken über freie Felder, schmeißt ungezügelt mit Melodie um sich und holt den Sommer noch in die finstersten Räume. Überhaupt laufen Broadside zur Halbzeit zu Höchstform auf. Da gelingt in Coffee Talk sogar pointiertes Gegniedel. Nur die Ballade – hier unter dem Titel A Light In The Dark – hätte man sich sparen können, ach was, müssen. Da zeigt sich nämlich, warum das Wort ‚Emo‘ im Jahre 2015 eigentlich allenthalben Fluchtreflexe auslöst.

Ansonsten aber gelingt der Band fast alles. Das meint: Old Bones ist ein gutes Genrealbum. Das seine Hörer_innen sogar ein wenig mit dem Mist versöhnt, der in den letzten Jahren veröffentlich wurde. Und gemeinsam mit dem jüngsten Output von The Satellite Year lange abgerissene Brücken neue aufbaut.

Wertung: 6/10

Anspieltipps: Come & Go, Coffee Talk

(Martin Smeets)

Broadside – Old Bones | Victory | VÖ: 19.05.2015 | CD/LP/Digital

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