Boysetsfire – While A Nation Sleeps…

Boysetsfire - While A Nation Sleeps...

Wie immer

Meine Güte, sieben Jahre soll das jetzt schon wieder her sein? Sieben Jahre, tatsächlich. So lange liegt inzwischen die letzte Platte von Boysetsfire zurück, ein ordentliches Pfund, dass inklusive Ska- und Freejazzanleihen zeigte, dass auf The Misery Index: Notes From The Plague Years ein Band Songbausteine zusammensetzte, die noch eine ganze Menge zu sagen hatte. Umso schwerer wiegte da der bald darauf folgende Abschied von der Bildfläche und vor allem: Umso größer war allerseits die Freude, als Boysetsfire schließlich doch wieder die Bühne betraten. Jetzt also While A Nation Sleeps… Die erste Studioplatte nach diesen mittlerweile mindestens ein mal zu oft erwähnten sieben Jahren. Und natürlich auch eine Platte, auf die sich nicht wenige mit größten Hoffnungen stürzen werden, hat die Band mit After The Eulogy schließlich schon einen Klassiker zu verantworten.

Um es gleich vorneweg zu sagen: Nein, While A Nation Sleeps… ist nicht die super-duper-bedeutungsüberfrachtete Hardcoreplatte des Jahres, zu der sie so manche hochzustilisieren versuchen. Im Gegenteil, das jüngste Kind aus dem Hause Boysetsfire macht zunächst auf Gesamtlänge einen zeitweise eher zurückhaltenden Eindruck, versucht erst gar nicht, sich groß in den Vordergrund zu spielen. Und zieht seine Stärken, wie schon sein Vorgänger, genau aus dieser Tatsache. Dementsprechend lohnenswert gestaltet sich dann auch genaueres Hinhören, wenn die 13 neuen Stücke vorstellig werden und zum stilistisch wie immer beeindruckend flexiblem Tanz laden. Was dabei auffällt ist natürlich – es war ja auch nie anders – die ganz und gar hervorragende, meterdicke Produktion, die den ohnehin wuchtigen Nummern eine Extraportion Schmackes mit auf den Weg gibt – Kopfhörer mindestens empfohlen. Was auffällt sind auch die Texte, die – es war ja auch nie anders – immer den Weg von der Bauchgegend in die Bauchgegend suchen, ihren Ursprung immer im Gefühl zu haben scheinen, ohne den Kopf aber zu vernachlässigen. Soweit, so bekannt, könnte man meinen. Und ja, Boysetsfire haben ihre Trademarks nicht vergessen, verlassen sich – zurecht, wohlverstanden – auf das, was sie können. Und doch basteln sie darauf eine Platte, die stimmungsvoller, vielschichtiger und dynamischer gerät, als man ob der langen Pause vielleicht erwarten konnte. Dazu höre man nur den Opener Until Nothing Remains, der Nathan Gray in einer Brutalität die Gegend kurz und klein shouten lässt, wie man es lange nicht mehr gehört hat und doch scheinbar mühelos, ja fast schon folgerichtig in das folgende Closure überleitet. Ein Song, der sich langsam in den Gehörgang schleicht, dort aber umso länger verbleiben wird. Versprochen. Wie die Band es hinbekommt, dass der folgende Prügelknabe Heads Will Roll im Anschluss schon wieder passend klingt? Man weiß es nicht. Das Talent, wüstes Geschrei direkt neben süßlichen Melodien zu platzieren, es ist Boysetsfire nicht abhanden gekommen. Im Gegenteil, es beschleicht einen stellenweise sogar das Gefühl, dass Boysetsfire diese herausragende Fähigkeit auf ihrem jüngsten Werk auf die Spitze treiben. Mit Erfolg, wohlgemerkt.

Und so bleibt über While A Nation Sleeps… eigentlich gar nicht mehr so viel zu schreiben. Gut, man könnte noch erwähnen, dass Reason To Believe ziemlich großartig ist und dass das Finale aus dem epochalen Altar Of God und dem Melodieüberschuss von Prey diese Platte kaum stimmungsvoller beenden könnte. Man könnte aber auch sagen, dass dieses Album in der Tat genau so klingt, als wäre diese Band nie weg gewesen. Eine gute Platte von Boysetsfire eben. Und das ist eines der größten Komplimente, die man diesem Album machen kann.

8/10

Anspieltipps: Closure, Reason To Believe, Let It Bleed, Altar Of God, Prey

(Martin Smeets)

Boysetsfire – While A Nations Sleeps… | End Hits Records/Cargo Records | VÖ: 07.06.2013 | CD/LP/Digital

2 Gedanken zu „Boysetsfire – While A Nation Sleeps…

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