Boysetsfire + Matze Rossi | 10.10.2014 | UT Connewitz (Leipzig)

Da wir traditionell (und aus einigen guten Gründen) relativ ‚Fahrfaul‘ sind, kommt es nicht alle Tage vor, dass wir für ein einzelnes Konzert mal eben über 300 Kilometer abreisen. Der Anlass war aber dieses mal ein besonderer. Boysetsfire hatten geladen, um ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum zu feiern. Mit einem Konzert, das man so wohl nicht allzu oft zu sehen bekommen dürfte. ‚Evolution Of Sound‘ nannte sich das Ganze und nahm sich das Ziel, den Weg von der reduzierten Akustikshow bis zum krachenden Hardcore-Konzert zu gehen. Und das in ein paar Stunden. Da kann man schon mal gespannt sein. Vor allem wenn als Vorband auch noch Matze Rossi dabei ist. Dieser umtriebige Songwriter aus Schweinfurt, den man eigentlich nur mögen kann.

Doch der Reihe nach. Wir wollen nämlich erst mal das UT Connewitz würdigen, ein sympathisch unrenoviertes Ding und zugleich eines der ältesten Lichtspieltheater Deutschlands. An der Atmosphäre sollte dieser Abend also schon mal nicht scheitern. Dann heißt es auch schon ‚Bühne frei‘ für Matze Rossi. Der versichert erst mal glaubhaft, wie sehr er sich freut, diesen besonderen Gig eröffnen zu dürfen, bedankt sich bei allen, bei denen man sich so bedanken könnte und spielt drauf los. Mit dabei sind Nummern aus seinem letzten Werk Und jetzt Licht, bitte!, Stücke aus der Feder der Bad Drugs und ein sehr gelungenes Hot Water Music-Cover. Besondere Momente sind dabei – wie sollte es anders sein – die Pixies-Hommage Warum aus mir und meinen Freunden nichts mehr werden kann und natürlich Best Friends, der Matze-Rossi-Song für den verstorbenen Wauz. Und weil es der Anlass eben hergibt, macht Rossi kurzerhand den Verstärker aus, geht ganz nach vorne und gibt Best Friends gänzlich akustisch zum Besten. Gänsehaut inklusive. Das sieht und klingt dann übrigens so:

Da nimmt es nicht Wunder, dass erstens eine Zugabe gefordert wird und zweitens in der Pause zwischen den Acts ein paar Fragen aufkommen. Wer war das nun genau? Wo kommt der her? Was gibt’s von dem so? Diejenigen, die Antworten können, geben bereitwillig Auskunft: Tagtraum, Senore Matze Rossi, Bad Drugs und und und.

Danach sind alle aufgewärmt, für das, was Boysetsfire denn nun so auf die Bühne bringen. Und das sollte so einiges sein. Nathan Gray und Chad Istvan sind noch keine Minute auf der Bühne, da werden auch schon die ersten scharfzüngigen Sprüche zwischen Band und Publikum ausgetauscht. So wird zunächst viel gelacht. Und dann mit Let It Bleed das Set eröffnet. Zumindest halbwegs. Schließlich wird der Song mit Verve in den Sand gesetzt, kurz unterbrochen und dann doch zu Ende gebracht. Jetzt versteht man, warum wohl ein Notenständer auf der Bühne steht. Ob das nun Show ist, oder nicht? Man weiß es nicht. Ist auch nicht weiter wichtig, bringen die Zwei auf der Bühne das Ganze doch einfach so rüber, dass man ihnen einfach glauben muss. Dann geht es mit The Misery Index weiter. Und Gray darf mit seiner Stimme zum ersten mal ganz nach vorne. Was der Typ am Mikro macht, ist schlichtweg unfassbar. Da sitzt jeder Ton. Auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen: Gänsehaut inklusive. Doch bevor der Abend allzu heimelig wird, kommen nach und nach die restlichen Bandmitglieder auf die Bühne. Robert Ehrenbrand unterstützt Still Waiting For The Punchline am Bass und zu 10 (And Counting) sind sie dann alle auf der Bühne und verwandeln die Show endgültig in eine krachende Angelegenheit. Nun gut, auch das gelingt erst im zweiten Versuch. Doch seht selbst:

Es soll übrigens der letzte Wackler an diesem Abend bleiben. Denn nun sind Boysetsfire sichtlich in ihrem Element und schleudern dem Publikum ein Highlight nach dem Anderen entgegen. My Life In The Knife Trade, Requiem, With Every Intention, Deja Coup, Handful Of Redemption, Empire… Die Liste ist lang. Und durchdacht. Von Song zu Song gewinnt das Material ein wenig an Härte hinzu. Steigert sich über Walk Astray hin zu Rookie (das dankenswerterweise kein einziges mal zuvor aus dem Publikum gefordert wird) und schließlich zum finalen Deathmatch aus Release The Dogs und Until Nothing Remains. Wer hier noch nicht genug hat, bekommt schließlich in der Zugabe den Rest. Twelve Step Hammer Program und Closure gibt es da zu hören. Und weil Boysetsfire eben mal Boysetsfire sind, lassen sie es sich nicht nehmen, ihrem Publikum ganz zum Schluss mit After The Eulogy noch einmal alles abzuverlangen. Dann sind zwei Stunden und ein in allen Belangen fulminanter Auftritt vorbei. Und wir sind ziemlich sicher: Recht viel besser kann man das nicht machen.

(Martin Smeets)

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