Bouncing Souls – Comet

Im Westen nichts Neues

Laue Sommernächte am See, ein kühles Bier mit Freunden und die Bouncing Souls im Hintergrund zur musikalischen Untermalung. Diese Kombination hat sich nun schon seit ein paar Jährchen bewährt. Eingängige und melodische Punkrock-Hymnen mit absoluter Mitgröhl-Garantie bilden, seit 1987, das Markenzeichen der Band und auch Anno 2012 wollen die Jersey Punkster den perfekten Sound für den Sommer liefern.

Der Opener Baptized gibt die Marschrichtung des Albums vor und entpuppt sich als treibende Punkrocknummer im typischen Bouncing Souls Gewand. Bei Fast Times wird zwar das Tempo ordentlich gedrosselt, die poppige Art macht den Song aber wunderbar eingängig und radiotauglich. Soll heißen, man kommt nicht umhin mitzusingen, aber mit dem letzten Akkord ist der Song auch schon wieder aus dem Gedächtnis verschwunden. Static kommt für die Verhältnisse der Bouncing Souls ziemlich düster und bedrohlich um die Ecke und schafft es, sich als einer der wenigen Songs nachhaltig im Kopf festzusetzen. Um das Image der Sommerplatte dadurch nicht zu gefährden, wird direkt Coin Toss Girl nachgeschoben, welches in derselben Liga wie Fast Times spielt, dabei aber noch schneller ins Ohr geht und eben dieses in selber Geschwindigkeit wieder verlässt. Der Titelsong Comet bildet mit seinen knapp fünf Minuten das Herz der Platte und die Blaupause für einen klassischen Bouncing Souls Song. Bei diesem Lied hat man automatisch Frontmann Greg Attonito, mit seinem ikonischen Wippen vor Augen und will sich in eben dieser Leichtigkeit zu den Gitarren bewegen. Was ein Song wie We Love Fun auf der Platte zu suchen hat, konnte sich mir leider nicht erschließen. Als Partyhymne kommt der Song viel zu plump und infantil daher und sorgt dafür, dass die Nadel auf der B-Seite, grundsätzlich erst bei dem wunderbar oldschooligen Infidel die Platte berührt. Kompromisslos geht es dann auch direkt mit dem schnell nach vorne preschenden Track D F A weiter, welcher mit seinem klassischen Punkrock Sound auch den letzten wirklichen Höhepunkt der Platte bildet, bevor Comet mit In Sleep und Ship in a Bottle ungewöhnlich ruhig und langsam ausklingt.

Fazit: Die Urgesteine aus Jersey beweisen auch im nun mehr 25. Jahr ihres Bestehens, dass ihnen in Sachen hymnenhafter Punkrock niemand das Wasser reichen kann. Zwar hört man deutlich eine Rückbesinnung auf die Anfangstage heraus, im Prinzip liefern die Bouncing Souls aber auch mit Studioalbum Nummer 9 gewohnte Kost ab. Von straighten Nummern wie Baptized und Static, über die Verspieltheit eines Coin Toss Girl, bis hin zu den nachdenklichen Momenten bei Ship in a Bottle, sind wieder alle Facetten des typischen Bouncing Souls Sounds vertreten. Den Totalausfall in Form des Songs We Love Fun wollen wir nicht weiter erwähnen. Fans werden es lieben, bildet Comet doch den musikalischen Höhepunkt der jüngsten Bandgeschichte. Ohne Fanbonus bleibt ein gutes, eingängiges Album über, das ziemlich unaufdringlich und im Vergleich zu den älteren Werken eher ruhiger daher kommt. Wirkliche Akzente kann das Album leider nicht setzen und daran scheitern die Bouncing Souls in guter Regelmäßigkeit. Die Band schafft es einfach nicht ihr Potential komplett zu entfalten und so bleibt Comet nur ein gutes Album. Nicht mehr und nicht weniger. Den passenden Soundtrack für einen kurzweiligen Sommer liefern die Bouncing Souls dabei durchaus, um ganzjährig im Plattenspieler zu landen, klingen sie jedoch für meinen Geschmack zu beliebig. Wie lange die Jungs rund um Frontmann Greg Attonito auf dieser Schiene weiter machen wollen und können, bleibt abzuwarten. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt.

7/10

( Dominik Iwan )

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