Blink 182 – Neighborhoods

Eine neue Platte von Blink 182? Hier? Und das, nachdem die Soloprojekte – allen voran Angels and Airwaves und +44 – wahlweise überambitionierten Stadionrock oder müden Poppunk hervorgebracht haben? Ganz genau. Denn:
Die Erwartungen, die man an diese Platte stellen kann, wenn man nur ein zweites mal hinsieht, sind überraschend hoch. Da wäre zum einen die Erkenntnis, dass die drei am besten waren und sind, wenn sie als Blink 182 im Studio stehen und vor allem das selbstbetitelte Vorgängeralbum. Letzteres hat die Band aus dem Poppunksumpf herausgezogen, eine völlig neue Hörerschaft generiert und eben auch die Erwartungen völlig verändert. Da kamen die vormaligen Clowns plötzlich mit einer atmosphärischen, ausgefeilten Platte daher und hatten zu allem Überfluss auch noch Robert Smith im Schlepptau. Und nu? Was machen die drei nun nach Pause, Comeback, abgesagten Konzerten und verschobenem Albumrelease?
Nun, streng genommen nichts gescheites. Neighborhoods ist, daran ist nicht zu rütteln, in erster Linie ein überproduziertes Konglomerat an Versatzstücken und losen Enden. Dass sich die Band für die Platte nicht einmal gemeinsam ins Studio gestellt hat, hört man ihr deutlich an. Man nehme nur das einigermaßen gruselige Synthiegestümper von „Up All Night“, dass mit den „harten“ Parts so gar nicht zusammenpassen will, oder das deplazierte Gegniedel in „Natives“. Dass Tom Delonge seine zwar gewöhnungsbedürftige, aber doch charakteristische Stimme unbedingt in tiefere Tonlagen zwingen muss und so nur noch ein gleichförmiges Nölen von sich gibt, verbessert die Sachlage nicht wirklich.
Da hilft es auch recht wenig, dass Neighborhoods ohne einen wirklich schlechten Song auskommt. Oder dass „After Midnight“ und vor allem „Heart’s all gone“ die besseren Songs der früheren Schaffensphasen grüßen. Hier sägt sich eine Band sehenden Auges selber ab.
Neighborhoods ist kein gutes Album, es ist nicht mal ein Schlechtes. Dieses Album ist, und das ist viel schlimmer, einfach nur vollkommen egal.

Ein Gedanke zu „Blink 182 – Neighborhoods

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*