Berri Txarrak – Denbora Da Poligrafo Bakarra

Berri Txarrak - Denbora Da Poligrafo BakarraAller guten Dinge

Faszinierend: Berri Txarrak sind hierzulande auch nach 20 Jahren Bandgeschichte Paradebeispiel einer exotischen Band. Anderswo verkaufen die locker Hallen im vierstelligen Bereich aus. Und hier? Schulterzucken. Gewissermaßen auch verständlich, hat man es doch im Großen und Ganzen nicht besonders oft mit Bands aus dem Baskenland zu tun. Ein Umstand, den die Jubiläumsplatte Denbora Da Poligrafo Bakarra (vielleicht kennt die Band ja auch niemand, weil die Gilde der MusikjournalistInnen schon vor der Schreibung zurückschreckt) nun ändern soll.

Und dafür hat man sich einiges einfallen lassen. Man hat es bei dieser Platte nämlich nicht mit einem gewöhnlichen Album zu tun, im Gegenteil: Zwanzig Songs, verteilt auf über siebzig Minuten und stolze drei Produzenten. Nicht irgendwelche Produzenten, nein, klingende Namen wie Ross Robinson, Ricky Falkner und Bill Stevenson geben sich hier die Klinke in die Hand. Wer an dieser Stelle auf wenig Stringenz im Sound tippt, könnte dann auch nicht richtiger liegen.

Robinson darf den Anfang machen und schickt die Band direkt in die Wüste. Die Gitarren zerren verstaubt durch die Songs, der Bass knarzt immer wieder fies dazwischen, die Songs tun zunächst ihr Möglichstes, um nicht erschlossen zu werden. Schwere Kost wird hier zum Start aufgefahren. Und doch erkennt man schon in den ersten Brocken ein unverwechselbares Händchen für kleine Melodien, die die HörerInnen durch stellenweise unwirtliche Songlandschaften führen. Was nichts daran ändert, dass man bis Etsia warten muss, um die ersten wirklich versöhnlichen Momente erleben zu dürfen.

Äußerst gegensätzlich gestaltet sich dann Falkners Interpretation von Berri Txarrak: Aditu Bihurtuak darf als Intro und Bindeglied fungieren, nimmt Geschwindigkeit und Härte heraus und stattdessen Atmosphäre hinein. Und bereitet so auf die folgenden Stücke vor, die eine gänzlich verwandelte Band zeigen. Plötzlich wird hier beschwingter Indierock serviert. Der etwas härteren Sorte versteht sich. Dass diese Band mit Bigarren Itzala irgendwann mal tatsächlich einen richtigen Hit auf den Leib geschneidert bekommt, war aber dennoch nicht zu erwarten. Schön, wenn man nach zwanzig Jahren noch überraschen kann. Mehrmals. Lemak, aingurak unternimmt einen ausgedehnten Tauchgang in der Melodie und spätestens bei Poligrafo Bakarra ist endgültig klar: So eingängig klang diese Band noch nie.

Nach so viel neuen Facetten ist es fast etwas schade, dass Bill Stevenson am Schluss nicht recht viel mehr macht, als Melodic-Punk-Standards runterzureißen. Natürlich sind Stücke wie der knackige Zweiminüter Hemen Sukaldarien Herrian weit davon entfernt, enttäuschend zu sein. Nur eben einfach nichts Besonderes. Zumal Berri Txarrak im Schlussteil ein Stück zu weit von ihrem eigenen, unverwechselbaren Stil abweichen. Es spricht aber für die Band, dass sie von Hitzen Oinarri Ahula bis Bigarren Eskuko Amets trotzdem einen beeindruckenden Schlussspurt auf die Kette bekommt. Was diesem etwas zerfahrenen Dreifachalbum ein versöhnliches Ende bereitet.

7/10

Anspieltipps: Bigarren Itzala, Lemak, aingurak, Hitzen Oinarri Ahula, Bigarren Eskuko Amets

(Martin Smeets)

Berri Txarrak – Denbora Da Poligrafo Bakarra | Panda Artist | VÖ: 13.02.2015 | CD/LP/Digital

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