Bane – Don’t Wait Up

BANE-don't-wait-up-final-coverDer letzte Blick zurück

Das soll es also gewesen sein. Bane ziehen sich als Band zurück und nehmen damit ein Ende, das den wenigsten Bands vergönnt ist: sie planen es. Und das sogar über einen sehr langen Zeitraum. Schon weit im Vorfeld von Don’t Wait Up, das immerhin erst fast zehn (!) Jahre nach dem letzten Album The Note erscheint, hieß es, dass es das letzte der Band sein wird. Und nicht bloß beim Veröffentlichen von Alben lassen sich Bane Zeit, auch beim Abschied geben sie ein doch eigenwillig behäbiges Tempo vor. Im ersten Quartal 2014 also das letzte Album, einige Sommershows und im kommenden Jahr erst die Abschlusstournee. Das wirkt alles ziemlich gut durchdacht und klingt keineswegs nach Zerwürfnis, musikalischem Auseinanderleben oder „kein‘ Bock mehr“. Ein penibel geplantes Abschiedsalbum also.

Und was sollte man auch anderes schreiben, als das man dies Don’t Wait Up auch irgendwie anhört. Das mag Einbildung, Fantasie oder sonst irgendwie zusammengesponnen sein, gelogen ist es nicht. Das mag auch daran liegen, dass Banes Output mit vier Platten in knapp zwanzig Jahren (quantitativ gesehen) eher mager ist und deshalb die Gewichtigkeit der vierten und letzten Platte schon mitgeliefert ist, noch bevor man überhaupt den ersten Ton hört. Tja und wenn man reinhört, wird man unweigerlich zu der Meinung gedrängt: ok, Bane vollziehen das Schlusskapitel mit Karacho, war ja klar. Non-Negotiable schmeckt mit seinem heftigen Gepolter zumindest lange Zeit danach und auch das sich anschließende All The Way Through gibt diese Marschroute vor.

Umso erstaunlicher ist dann eigentlich Calling Hours, das ungeahnte Spielereien im baneschen Kosmos offenbart und sich nach bereits erstem hervorragenden Eindruck mit jedem Hördurchgang zum besten Song der Bandgeschichte schaukelt. Klingt gewagt? Möglich, aber wahr. Aaron Bedards ungestümes, aber dringliches Shouting kassiert das schöne Intro und legt sich halb taktverdreht in wuchtige Gitarren, die für Banes Verhältnisse geradezu melodische Riffs zeichnen. Bis dahin schon wunderbar, ist es noch nicht einmal die halbe Miete. Vier Gastvokalist_innen haben ihre Parts abzuarbeiten und die zentrale Botschaft „what’s done is done the night takes everyone“ mit Rap und ja, Gesang, zu umrahmen. Ganze fünf Minuten dauert Calling Hours. Keine Sekunde ist zu viel und wenn Bane zehn Jahre für diesen Song gebraucht haben: die Zeit war es wert. Die eher gewöhnlicheren Hardcore-Brecher werden im Anschluss serviert. Park St. und Lost At Sea z. B. sind weitgehend klassische Songs eben dieser Hardcore-Institution Bane. Wenngleich – und das trifft auf die gesamte Platte zu – hier alles Rhythmus gewandter (man achte auf den stellenweise exzessiven Tom-Einsatz) und insgesamt druckvoller ist als in den etwas schlabbrigen Anfangstagen. Die dicke Produktion mag hieran ihren bedeutenden Anteil haben.

Alles in allem überzeugen Bane mit Don’t Wait Up, weil es viel besser nicht hätte kommen können. Eine völlige Rückbesinnung auf „damals“ wie es sich im mittleren Albumteil beinahe anfühlt wäre albern gewesen, genauso wie gänzlich neue Wege zu gehen. Ein würdiger Abschied ist das, der Altbewährtes über den bekannten Horizont ein Stück weit hinaus hebt und der kurz vor Ende mit Wrong Planet übrigens sein zweites, überragendes Highlight bietet. Ein (so blöd das klingen mag) Gänsehaut-Song, der die musikalischen Spannungsbögen an die textlich persönlichsten und emotionalsten Stellen packt und den Kindesmissbrauch durch Bedards Großvater eindringlich thematisiert (eine nähere Erläuterung hierzu findet sich im Booklet): „I failed to protect my only brother / when he needed me the most / so I’ve tried to stand by those who I could / And we were screaming all as one“.

Ein Zufall ist es freilich nicht, wenn es am Ende des anfänglichen Ungetüms Final Backward Glance traurig und doch irgendwie versöhnlich und ermunternd heißt: „This is my final backward glance / I’ve never been much good at saying goodbye / goodbye“. Na dann, Goodbye Bane, macht’s gut!
8/10

Anspieltipps: Calling Hours, Wrong Planet, Final Backward Glance

(Martin Oswald)

Bane – Don’t Wait Up | End Hits Records | 09.05.14 | LP/CD/digital

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