Bad Religion – True North

Bad Religion-True North // Bild: stereogum.com

Zeitlos

Es gibt eine ganze Menge an Dingen, die man sich nur zusammen vorstellen kann. Manowar und Spandexhosen zum Beispiel, um gleich zu Beginn mal ein bisschen böse zu sein. Oder ständiges Nörgeln und Kollege Oswald, um weiterhin böse zu sein. Oder eben – und das ist jetzt mal so gar nicht böse gemeint – Punk und Bad Religion. Die sind schließlich seit einer gefühlten Ewigkeit aktiv und legen jetzt mit True North Album Nummer 16 (in Worten: sechzehn!) vor. Angesichts eines so langen und konstanten Schaffens stellt sich jetzt natürlich zwangsläufig die Frage, warum es nun genau lohnt, noch viele Wörter über eine hinlänglich bekannte Band zu verlieren. Zumal Bad Religion ihren Sound schon vor Jahrzehnten gefunden haben. Da könnte man es doch mit Linus Volkmann (Intro) halten und einfach mitgehen, wenn er zur letzten Platte, The Dissent Of Men, lapidar konstatiert:

Wer Bad-Religion-Alben immer noch verfolgt, muss doch Verwandte in der Band haben. Aber die Herren sind einfach zu gut fürs Bashing. Verzeiht. Und macht einfach weiter. Kümmert bloß keinen mehr.

Tu ich aber nicht. Dabei hat Herr Volkmann im Großen und Ganzen ja recht. Es stimmt, diese Band hat in ihrer gesamten Schaffensphase – das völlig verhunzte Into The Unknown wollen wir mal wohlwollend ausklammern – ganz genau zwei Songs geschrieben: den langsamen und den schnellen. Es stimmt auch, dass man nach Veränderungen von Platte zu Platte mit der Lupe suchen muss, so marginal fallen diese aus. Und doch liefert Volkmann die Antwort, warum man sich durchaus noch immer mit dieser Band beschäftigen kann,  dankenswerterweise gleich mit: Die Herren sind einfach zu gut fürs Bashing.

So ist True North dann auch genau das, was man erwartet: Ein schnörkelloses Punkalbum, das ohne Umwege auf den Punkt kommt und hin und wieder beherzt hinlangt. Kurzum: Ein typisches Album von Bad Religion eben. Das Gute daran ist allerdings, dass sich Bad Religion seit der Rückkehr von ‚Mr. Brett‘ Gurewitz erstens auf einem beachtlich hohen Niveau stabilisiert haben, und das True North von dort aus zweitens auch noch ein Ausreißer nach oben ist. Bad Religions jüngste räumt mit den kleinen Fehlerchen der letzten Alben – mit der viel zu dicken Produktion von New Maps Of Hell etwa, oder mit dem überpräsenten Midtempo von The Empire Strikes First – auf und beweist so, warum diese Band immer noch oben mit schwimmt. Die Songs tönen drahtig und kompakt, sind genau so lang, wie sie unbedingt sein müssen und so minimalistisch gehalten, wie es irgendwie geht. Da gibt es keine Note zu viel. Das ist perfekt aufeinander abgestimmt und eingespielt. Aus einem Guss, im besten Sinne. Und wenn man unbedingt Highlights hervorheben will: Besonders gelungen ist der Fünferpack zum Einstieg. Vom treibenden Opener und Titeltrack über die latente Melancholie von The Past Is Dead und die Melodieverliebtheit von Robin Hood In Reverse zum Klopper Fuck You werden hier alle Trademarks vereint, die diese Band schon immer ausgezeichnet haben. Fünf Songs, die auch vor 25 Jahren schon auf einer Bad Religion Platte sein hätten können und trotzdem immer noch gut sind. Das hat dann fast was zeitloses.

Dass Bad Religion während ihres weiteren Daseins noch mal überraschen werden: ausgeschlossen. Ebenso ausgeschlossen ist allerdings auch, dass die Band noch mal eine wirklich schwache Platte aufnimmt. Und bevor jemand fragt: Nein, ich habe keine Verwandten in der Band. Und obwohl ich Bad Religion gar nicht mal besonders verfolge, kümmert mich True North sehr wohl. Das macht dann, aber auch wirklich nur, weil das schleppende Hello Cruel World völlig daneben gegangen ist:

7/10

Anspieltipps: True North, The Past Is Dead, Robin Hood In Reverse, Dharma And The Bomb

(Martin Smeets)

Bad Religion – True North | Epitaph Records/Indigo | VÖ: 18.01.2013 | digital/CD/LP

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