Bad Drugs – Old Men Young Blood

Bad Drugs - Old Men Young BloodIm Punkrockmuseum

In der Regel ist Befangenheit kein guter Ratgeber, zumal dann nicht, wenn Fans über Bands schreiben sollen. Zu gern rutscht man ins allzu Persönliche ab und vergisst den Unterschied zwischen Rezension und Lobhudelei, zwischen Kritik und unkontrollierten Gefühlswallungen. Heute machen wir eine Ausnahme. Aber keine Angst, ich versuche mich einigermaßen zusammenzunehmen. Das Stichwort meiner Befangenheit heißt Tagtraum. Wenn man so will: die Band meiner Jugend. Und bevor es wirklich an dieser Stelle schon unerträglich schwülstig wird, kommen wir doch zu den Fakten: Personell sind Tagtraum dank Matze Rossi und Sven Peks nun einmal auf’s Engste mit Bad Drugs verbandelt. An die Drums hat sich mit Basti Wegner (Ex-Wilson Jr.) auch kein Unbekannter gesetzt, womit das Trio so etwas wie die Supergroup aus Schweinfurt ist. Die Eigenreferenzen lesen sich so: Clockwise From Top, Boink, Senore Matze Rossi (logisch), Patentblau 5, Point Of No Return u.v.m. Bad Drugs haben sich ganz und gar dem schnörkellosen Punkrock verschrieben: 15 Songs, die meist als knackige 2-Minüter daherkommen, drei (plus ein paar zerquetschte) Akkorde und Texte, die mit Grundschulenglisch locker zu bewältigen sind. Klingt langweilig? Ist es zum Glück aber nicht. Denn diese Eckdaten reichern Bad Drugs mit viel (Selbst-)Ironie, einem ganzen Musemsrundgang durch das Genre ‚Punk‘ und auch sonst einigen wunderbaren Einfällen an.

Das musikalische Pendel schwingt irgendwo zwischen den 70ern und heute umher, hält sich am längsten wohl aber in den 90ern auf, als sich sozusagen der Pop-Punk zum Post-Punk hinzugesellte. Bei allen Zitationen, Anspielungen und Reminiszenzen ist Old Men Young Blood eine sehr eigenständige und eigenwillige Platte und gar nicht so aus der Zeit gefallen. Dafür sorgt insbesondere, wie schon erwähnt, die Selbstironie mit der Bad Drugs zu Werke gehen. Mit einer ebenfalls unüberhörbaren, leidenschaftlichen Liebe zum Punkrock und der Attitüde: „Hey, lasst uns doch einfach mal wieder ’ne Punkband machen“, ergibt sich ein aufregendes und grundehrliches Gemisch von einem Album, das überdies mehr zu bieten hat, als man zunächst glauben möchte.

Das fängt beim Opener an. Close To Death hat den Prototyp eines catchigen Refrains („Why do we only feel alive / when we are close to death?“). Ansonsten: dezent treibender Beat, verspielt-zackige Bassline, aufgekratzt-warme Gitarre und Matzes sanfter Kratzgesang – fertig ist der Hit. Im Prinzip ließe sich diese Beschreibung auf alle nachfolgenden Stücke übertragen, wären da nicht jeweils liebreizende Besonderheiten. So zum Beispiel das fast schon ultra-alberne Ramones-Liebeserklärung Your R.A.M.O.N.E.S. Coverband Sucks, die Null-Bock-und-No-Future-Attitüden im zweiten Frühling I Don’t Care und I Quit My Job und andere Einfälle, die unvermeidlich Augenzwinkern und breites Grinsen provozieren. Superheropower und Hompophobic Asshole wären da noch stellvertretend zu nennen. Daneben gibt es Songs, die sich schnurstracks aus dem Werkzeugkasten der langen Vorgeschichte der Bad Drugs ergeben. Als hätten sie nur darauf gewartet auch mal veröffentlicht zu werden, wenn die Zeit reif ist. Oh Mymymy oder Hold On entstammen direkt der Senore-Matze-Rossi-Schublade und I Really Hate The Winter könnte schon im Patentblau-5-Proberaum gezockt worden sein.

All das – und die persönliche Befangenheit des Autors dieser Zeilen mal außen vor gelassen – ergibt ein stimmiges, amüsantes und alles in allem beeindruckend kurzweiliges Album, das begeistert und größenwahnsinnig den Punkrock und seine Historie zelebriert. Dies alles aber auf ungleich bescheidene und sympathische Weise. Man kann die drei alten Männer mit ihrem jungen Blut eigentlich nur mögen. Und wem die nachfolgende Wertung trotz allem zu übertrieben erscheint: I don’t care! Übrigens: Allein I Hate The Winter sollte gerade jetzt beim Verlassen des Hauses wirklich auf keinem iPod fehlen.

8/10

Anspieltipps: Close To Death, We Are (Not) Fucked, Oh Mymymy, I Hate The Winter

(Martin Oswald)

Bad Drugs – Old Men Young Blood | Dancing In The Dark Records | VÖ: 17.01.14 | LP/CD/digital

2 Gedanken zu „Bad Drugs – Old Men Young Blood

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