Baby Lou – Stagediving Into Total Darkness

Baby Lou - Stagediving Into Total Darkness

Krawumms!

Was war das? Welches monolithische Irgendwas zwischen herrlich obskuren Ideen und der endgültigen Stufe des musikgewordenen Wahnsinns rollte, bebte, mäanderte denn da gerade über seine HörerInnen hinweg? Stagediving Into Total Darkness? Selten, vielleicht nie, wurde ein Album passender tituliert, als im hier vorliegenden Fall. Doch, auch wenn dieses Unterfangen mehr als schwierig werden dürfte, der Reihe nach: Die Rede ist von einem vogelwild gewordenen Haufen namens Baby Lou. Dieser Haufen setzt sich wiederum aus schlanken drei Personen zusammen. Die klassische Besetzung also. In selbiger wurde auch erwähntes Stagediving Into Total Darkness aufgenommen.

Ein Umstand den man selbst beim allerbesten Willen zu keiner Sekunde, die auf dieser unsagbar unübersichtlichen Platte verstreicht, hört. Dafür fahren Baby Lou zu viel, viel zu viel Irrsinniges auf. Halsbrecherische Gitarrenirrfahrten, grauenvoll malträtierte Stimmbänder, teils absurde Breaks, grober Synthieunfug allenthalben. Alles drin, alles dran. Wer soll das denn noch verstehen? Nun, niemand, offensichtlich. Muss auch gar nicht sein. Viel einfacher ist es schließlich diesen Wahnsinn einfach über sich ergehen zu lassen. Und vor allem: Diese kompromisslose Vollbedienung einfach zu genießen. Das geht nämlich. Ganz vorzüglich sogar. Baby Lou geben sich nämlich nicht die Blöße lediglich Versatzstücke wild durcheinander zu wirbeln. Nein, hinter diesen mehr oder weniger kompakten Monstern steckt eine ganze Menge listiger Ideen und ein Maß an Spielwitz, das man so nicht alle Tage antrifft. Man höre nur den anfänglichen Becken- und Synthieterror von K-Tower, der so ganz mir nichts, dir nichts in ein sagenhaft mitreissendes Stück melodischen Hardcores übergeht. Das geht runter wie Öl. Ähnliches gilt für den famosen Titeltrack, der bei aller angebrachten Härte – rüpelhaftes Anschreien zum Start inklusive – nicht mit Melodie spart. Bei all dem Aberwitz, den Baby Lou hier von der Leine lassen, wundern auch Grüße in Richtung King Of My Castle und – obacht! – RefusedNew Noise kaum mehr. Im Gegenteil: Man nickt solche Witzigkeiten mit einem wohlwollenden Lächeln ab. Wer mit so viel kindlicher Begeisterung an seine Stücke herangeht, darf schließlich fast alles.

Allerdings auch nur fast. Weil: Wer nach dem Hörgenuss dieser Platte nicht fix und durch ist, muss über die Nerven eines Seilbahnzugseils verfügen. Dann und wann wäre es schließlich wirklich im Sinne des Gesamteindrucks gewesen, auf das ein oder andere Feedback, so manche Schlagzeugattacke und sonstige Spinnereien zu verzichten. Kurzum: Fokussiert ist das nicht wirklich. Spaß macht diese Platte aber trotzdem. Und weil Never Tune Down The Electric Sword das Album geradezu eingängig beschließt, darf man sich auch gerne auf mehr von dieser Band freuen.

6/10

Anspieltipps: K-Tower, Harpoons And Daggers, Never Tune Down The Electric Swort

(Martin Smeets)

Baby Lou – Stagediving Into Total Darkness | 141 Records | VÖ:18.10.13 | Vinyl only

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