Archivist – Archivist

Archivist - Archivist // Bild: http://archivistmusic.bandcamp.com/releases

Wiederholungstäter

Fast wären sie eine Band unter vielen. Weil Archivist lange nicht mehr die Einzigen sind, die Black-Metal mit Shoegaze und Postrock vermengen. Siehe Deafheaven, die sich mit genau dieser fulminanten Mischung einst zur Höchstwertung aufgeschwungen haben. Siehe Sed Non Satiata, die bereits furios gezeigt haben was man mit Postrock alles anstellen kann. Weil aber ein Drittel von Archivist von den großartigen und leider kürzlich aufgelösten Light Bearer kommt, ist die Band trotz allem weit entfernt davon, eine unter vielen zu sein. Die letzte Platte von Light Bearer hat vom Kollegen Oswald schließlich nicht durch Zufall die Überschrift „Größer als Gott“ spendiert bekommen.

Dementsprechend hoch sind die Erwartungen, die man bei der ersten Begegnung mit Archivist anlegt. Und natürlich werden sie erfüllt, wer hätte auch ernsthaft etwas anderes erwartet. Natürlich gibt es ein kunstvolles Artwork, natürlich liegt dem ganzen eine Storyline zu Grunde (die man sich auf der Bandcamp-Seite der Band durchlesen kann). Und natürlich überzeugen Archivist auch musikalisch. Wenn auch auf merklich andere Art und Weise. Kein einziger der Songs reisst die Zehn-Minuten-Grenze, ausufernde Intros und Streicherpassagen wurden weitgehend ersatzlos gestrichen. Stattdessen rückt der Song in den Vordergrund. Kompakt ist das ganze zwar immer noch nicht, allerdings wesentlich greifbarer als gewohnt. Was einigen Stücken durchaus sehr gut steht. Tying Up Loose Ends In The Cold Void Of Space schleicht zunächst eine halbe Minute als Verneigung vor Explosions In The Sky durch den Raum, sucht dann fast unvermittelt die strahlenden Gesten und großen Melodiebögen und kippt zur Halbzeit beinahe in Richtung Pop ab. Dass dabei insgesamt neun Minuten ins Land ziehen, bleibt völlig unbemerkt. Weil der Song von der ersten bis zur letzten Sekunde spannend bleibt. Weil man nie aufhört, neugierig zu sein, wie es denn weitergeht.

Was im Übrigen so auch für den Rest des Albums gilt. Schon in den ersten Zügen von Archivist, in denen Ascension mit seinen schwermütigen Gitarren langsam anrollt, ist man gefesselt von dieser Platte. Und will auch gar nicht erst frei kommen. Weil man Angst hat, nur einen Ton zu verpassen, der hier zum Besten gegeben wird. Und das völlig zu Recht. Dieses Album ist bis unter die Decke voll mit feinsinnigen Melodien, mit großen Momenten, mit erhabenen Songs. Ein Album das weit aus der Masse heraus ragt. Ein kleines Meisterwerk. Schon wieder.

Wertung: 8/10

Anspieltipps: Ascension, Dreaming Under, Tying Up Loose End In The Cold Void Of Space

(Martin Smeets)

Archivist – Archivist | Alerta Antifascista | VÖ: 04.06.2015 | Digital/LP

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