Anti-Flag – The General Strike

Da befinden wir uns mittlerweile schon im dritten Monat des neuen Jahres und irgendwie ist die ganze zuversichtliche Neujahrseuphorie endgültig verflogen. Sollte nach diesem merkwürdigen Jahr 2011 nicht alles besser werden? Ein Jahr geprägt von Katastrophen, Finanzkrisen und Kriegen. Ein Jahr in dem die Hungersnot am Horn von Afrika, die finanzielle und politische Situation in Griechenland, aber auch Fukushima nur die bekanntesten Schlaglichter darstellen. Ein Jahr geprägt von Gegensätzen. Denn trotz aller Rückschläge gab es auch Erfolge. In Deutschland wurde der Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen, weltweit vernetzten sich Menschen unter dem Banner von “Occupy” zu einer neuen Bewegung gegen den Primat der Finanzmärkte und Nordafrika zeigte wie man mit viel Mut, einem festen Willen, zivilen Ungehorsam, aber auch einen hohen Blutzoll, Veränderungen bewirken kann.

Das Jahr 2011 bietet also genug Diskussionsstoff um damit Seiten von unzähligen Büchern oder Essays zu füllen. Ein noch besserer Weg um seinen Emotionen freien Lauf zu lassen, ist die Kombination dieser Eindrücke in Verbindung mit Musik. Das dachten sich auch die Polit-Punkrocker Anti-Flag aus Pittsburgh und veröffentlichen kommende Woche, über Side One Dummy Records, ihr nun mehr achtes Studioalbum mit dem Titel The General Strike. Textlich wird nun eben dieses merkwürdige Jahr 2011 und im Allgemeinen die letzten Jahre, seit dem Erscheinen des 2009er Albums The People or the Gun, behandelt und mit voller Breitseite auf die Öffentlichkeit losgelassen.

Seit 1993 stehen Anti-Flag für die Kombination aus aktuellen, politischen Lyrics in Verbindung mit lauten, wütendem und schnellen Punkrock ohne dabei in die Stumpfsinnigkeit einiger Genre-Kollegen zu verfallen. Wenn eine Band das Prädikat Politpunk verdient, dann ist es die Gruppe rund um Justin Sane (Justin Geever), Pat Thetic (Patrick Bollinger), Chris Head und Chris#2 (Chris Barker), die zusammen die aktuelle Besetzung von Anti-Flag bilden. Dass sie nicht einfach nur Musik machen, sondern hinter allem stehen, was sie als Band propagieren, beweisen sie immer wieder und konnten sich so über all die Jahre, trotz dem kurzem Ausflug auf ein Major Label im Jahr 2005, ihre Authentizität erhalten und so den Platz des Klassenprimus in der Szene einnehmen.

Doch nun zum neuen Album The General Strike. Typisch Anti-Flag? Jein! Nach all den Jahren der Bandgeschichte, die mit dem Release von For Blood and Empire im Jahr 2006, ihren musikalischen Höhepunkt erreichte, wurde es selbst für die Jungs um Justin Sane Zeit, etwas an ihrer bewährten Punkrock Rezeptur zu ändern. Konnte man auf den beiden vergangenen Alben hin und wieder eine neue Verspieltheit der Gitarren und einen dezenten Flirt mit dem Hardcore Genre erahnen, wird dies nun im Opener Controlled Opposition zementiert und wirkt wie ein Befreiungsschlag. 22 Sekunden Hardcore Punk, als ob die Band nie was anderes gemacht hätte. Der Song Bullshit Opportunist schlägt in eine ähnlich Kerbe. Der Rest der Platte wirkt dann doch wieder etwas vertrauter und gediegener, wie das an Hot Water Music erinnernde Stück 1915 oder The Neoliberal Anthem. Hört man weiter stellt man schnell fest, dass die Band mehr denn je von ihren Vorbildern The Clash beeinflusst wurde. Wem die letzte Veröffentlichung Complete Control Session bekannt ist, konnte damit rechnen, dass ihre alten Helden musikalisch und textlich etwas in Vordergrund rücken würden. Dass dies nun in dieser Deutlichkeit geschieht, ist trotz des schon immer dagewesenen Einflusses, doch überraschend. Melodische Hook- und starke Basslines, wie bei This is the new Sound wechseln sich mit schnellen Songs wie Resist und Turn a Blind Eye ab und zeigen deutlich wie die Band, über all die Jahre musikalisch gewachsen und reifer geworden ist. Aber keine Angst! Anti-Flag sind immer noch Anti-Flag, nur eben melodischer, mitreißender und frischer als je zuvor!

Justins Stimme krächzt wie eh und je ins Mikrofon und es gibt wieder genügend Refrains mit absoluten Mitgröhl-Faktor. Im Endeffekt hat sich weniger verändert als es in den obigen Zeilen den Eindruck macht, durch die lange Bandgeschichte wirken sich aber bereits diese Kleinigkeiten sehr positiv auf das Gesamtbild der Platte aus, so dass man jeden einzelnen Song von The Ranks of the Masses Rising, bis zum Abschluss, The Ghosts of Alexandria immer und immer wieder hören kann.

Fazit: Anti-Flag macht alles wie immer nur anders und irgendwie besser. Man hätte sich vielleicht noch einen Funken mehr Mut zur Veränderung wünschen können, aber das Ergebnis ist eine fabelhafte Platte, die Neulinge und alte Hasen durchgehend begeistern kann. Zusammen mit The Terror State und For Blood and Empire, bildet The General Strike die perfekte Trias der Bandgeschichte. Kaufen und sich auf die baldige Tour freuen!

(Dominik Iwan)

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