…And You Will Know Us By The Trail Of Dead-Tao Of The Dead

…And You Will Know Us By The Trail Of Dead. Eine Band, die in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmestellung in der aktuellen Musiklandschaft einnimmt, und das nicht nur wegen dem von der Länge her völlig übertriebenem Bandnamen. Source Tags&Codes ist bis heute eine allüberragendes Meisterwerk, ein wüster Monolith von einem Album, Worlds Apart muss sich nicht wirklich dahinter verstecken und So Divided war zwar auf lange Sicht die uninspirierteste Veröffentlichung von Keely und Reece, öffnete jedoch Pop-verliebteren Ohren die Tore zur Band.
Nun also Tao Of The Dead. Und mit ihr im Vorfeld eine ganze Wagenladung voller wilder Spekulationen, bis hin zur Vermutung Tao Of The Dead bestünde aus nur einem einzigen Track. Skippen unmöglich, Konzentration ständig voll gefordert. Ganz so extrem kommt die neue Platte dann nun aber doch nicht daher. Die Longtracks gibt es, jedoch unterteilt in Einzelsongs von völlig normalem Format. So teilt sich die Platte in zwei Longtracks, welche aus elf, bzw. fünf Einzelsongs besthen. Dazu gibt es ein Albumartwork, dass zeigt, warum ein Artwork eigentlich Art(!)work heisst. Comic inklusive.
Bei derart viel Brimborium bestünde bei der Mehrzahl an Bands die Gefahr, dass die Musik in den Hintergrund rückt. Nicht so bei Keely und Reece.
Tao Of The Dead gibt sich zu Beginn mindestens sperrig, wenn nicht bockig und will seine Klasse nicht so recht preisgeben. Aber obwohl diese Platte fast gänzlich ohne offensichtliche Hits auskommt, scheinen mit jedem Durchlauf mehr und mehr brillante Ideen unter der Oberfläche – und damit leider auch unter der etwas matschigen Produktion – hervor.
Nach dem Intro, das im Albumverlauf immer wieder aufgegriffen wird, eröffnet „Pure Radio Cosplay“ in furioser Manier ein Album, welches einer Achterbahnfahrt ohne Genregrenzen gleicht. Mindestens. Erwähnter Track steht dabei exemplarisch für das gesamte Album und bereitet den Rest sehr gut vor: dynamisch, größenwahnsinnig, überbordend und unberechenbar. Und vor allem sehr gut. Nach dem abschließenden Gefiepe und Geplucker von „Pure Radio Cosplay“ nimmt „Summer Of All Dead Souls“ die losen Fäden wieder auf, setzt sie zu einem neuen Ganzen zusammen und lässt dieses zum Ende hin wieder zerfasern. Ganz nebenbei kann der Track als das Highlight der Platte herausgehoben werden, sofern man das will und sofern das bei dermaßen verwischten Übergängen und bei so viel Klasse überhaupt möglich ist. Jedenfalls funktioniert „Summer Of All Dead Souls“ auch als alleinstehender Track, was vom Rest der Platte nur bedingt behauptet werden kann. „Weight Of The Sun(Or The Post-Modern Prometheus)“ ist hierfür ein herrliches Beispiel. Auf sich allein gestellt ein guter Track, im Verbund mit „Spiral Jetty“ ein brillantes Stück Musik.
Das Ende von „Part One: Tao Of The Dead“ darf „The Fairlight Pendant“ einleiten und überdies gleich über Progrock die Verbindung zu „Part Two: Strange News From Another Planet“ herstellen. Was dort geschieht spottet schlussendlich jeder Beschreibung. Alles was im ersten Teil angedeutet und umgesetzt wurde, wird dort auf die Spitze getrieben. Eine Einteilung in einzelne Songs wird endgültig unmöglich, die Band hätte sich selbige zumindest unter dem musikalischen Aspekt sparen können. „Strange News From Anther Planet“ besteht aus 16 Minuten vertonter Genialität. Wer hier nicht mehr mitzieht darf auch gerne Genialität durch Wahnsinn ersetzen.
Tao Of The Dead wird für vieles sorgen. Hochgezogene Augenbrauen, gerümpfte Nasen und bedingungslose Begeisterung. Nur eines wird dieser fordernde Klotz von einer Platte nicht hervorbringen: Gleichgültigkeit.

Highlights: Tao Of The Dead

8/10

Ein Gedanke zu „…And You Will Know Us By The Trail Of Dead-Tao Of The Dead

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*