An Horse – Walls

Death Cab For Cutie lieben sie. Tegan & Sara sowieso. An Horse, die vor nicht einmal einem Jahr urplötzlich direkt aus Australien in der heimischen Anlage landeten, wussten mit Rearrange Beds meist zu begeistern. Jetzt also der Nachfolger Walls und die Frage, ob An Horse ihr Niveau halten können. Das, so viel sei verraten, können sie.
Damon Cox und Kate Cooper machen alles richtig und versuchen gar nicht erst, der Welt krampfhaft zu beweisen, was sie außer schrammeligen Indierock noch alles tolles können. Viel lieber verändern An Horse die Kleinigkeiten im Bandsound und eröffnen Walls mit einem lockeren Hüftschwung namens „Dressed Sharply.“ Demnächst auch in der Indie-Disse ihrer Wahl. Wer hier nicht tanzt, ist sowieso ein schlechter Mensch. Ansonsten leben An Horse weiterhin von den gleichen Zutaten.
Kate Cooper treibt ihr präzise windschiefes, unvorhersehbares Gitarrenspiel auf die perfektionierte Spitze, Cox gibt dazu am Schlagzeug – ganz im Dienste des Songs – mal die gefühlvolle Akzentuierung und mal den Rumpelbeat. Und niemand bemerkt, dass hier eigentlich ein Bass fehlt. Wie schön.
Zwischen nahezu beängstigender Abgebrühtheit und Cleverness lassen An Horse natürlich auch nicht zu selten aufhorchen. „Know This, We’ve Noticed“ schleicht auf Zehenspitzen herum, gibt im Refrain den Rocksong und ist alles in allem ein waschechter Hit, den der Band so schnell niemand nachmachen wird.
Das folgende, bereits bekannte „Trains and Tracks“ ist auch Wochen nach dem ersten Hören ein schwungvoll-überzeugendes Stück Indierock und der Titeltrack nimmt sich heraus, Akustikgitarren in den Bandsound zu integrieren- und überzeugt. Dass es der Band gegen Ende mit „Swallow The Sea“ gelingt, noch ein hitverdächtiges Stück und überdies wo-oh-Chöre ohne Peinlichkeit unterzubringen: umso besser. Bei so einer Masse an überzeugendem Liedgut, könnte man beinahe vergessen, dass das wunderschöne „Windows“ das bisher ruhigste Stück der Band ist und etwas zu The Kills blickt.
Man merkt zwangsläufig, dass hier nicht irgendeine beliebige Indieband am werkeln ist. Vieles von dem, was An Horse auf Walls zum Besten geben wirkt spielerisch einfach, zwingend auf den Punkt gebracht und in sich schlüssig. Und dass es die Band schafft, schon wieder ein komplettes Album – trotz einiger weniger Längen – wie ein einziges, langes, abwechslungsreiches und vor allem sehr gutes Lied klingen zu lassen und dabei im Vorbeigehen noch einen ganz eigenen, schwer zu beschreibenden Bandsound etablieren, ist schlichtweg bewundernswert.
An Horse geben sich nicht damit zufrieden, Erwartungen zu erfüllen.
Sie übertreffen sie.

8/10

Highlights: Dressed Sharply // Know This, We’ve Noticed // Windows // Swallow The Sea

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