An Horse – Rearrange Beds

Gitarre, Bass, zwei Stimmen. Das Rezept an sich weckt gewisse Erwartungen, haben doch schon die White Stripes, An Horses Entdeckerinnen Tegan and Sara und die großartigen Japandroids in dieser Besetzung beeindruckt.
Nun versuchen sich Kate Cooper und Damon Cox an einer weiteren starken Platte in minimaler Bandbesetzung. Rearrange Beds gibt sich, wie der Titel ahnen lässt, als eine Sammlung von Bettgeschichten, wobei die Texte direkt aus einem beliebigen Poesiealbum entstammen könnten. Genau hier liegt schon eine Besonderheit von An Horse. Ein mehrmals inbrünstig geschmettertes „I need company“ schrammt haarscharf am unangenehmsten „Emo“ vorbei und würde bei vielen anderen Bands für rollende Fußnägel sorgen. Aber: Im An Horse-Kontext funktioniert das.
Die Klasse dieser Platte liegt nicht in ihren Einzelheiten, sondern in der Art, wie Cooper und Cox die einzelnen Elemente zu einem in sich geschlossenen, stimmigen Ganzen zusammenführen. Coopers latent melancholiegetränkter Gesang, ihr schrammeliges Gitarrenspiel und das Rumpelschlagzeug von Damon Cox, es passt zusammen, es ist im besten Sinne ‚tight.‘
So geht es dann auch gleich fulminant hinein ins Album. „Camp Out“, „Postcards“ und „Company“ reichen voller Spielfreude das Prädikat ’sehr gut‘ unter sich weiter. Gerade der letztgenannte Song bleibt langfristig im Ohr und stellt eines der Highlight auf Rearrange Beds dar.
Dass die Albummitte dieses Niveau nicht halten kann und ’nur‘ auf gutem Niveau agiert, ist geschenkt. Dann allerdings kommt „Shoes Watch“, das zu Beginn gemütlich auf dem Sofa rumliegt, um sich in seinem weiteren Verlauf immer weiter aufzutürmen und sich schließlich in einen wahren Rausch zu spielen. Hier könnten -und das ist eine der höchsten Auszeichnungen- auch die Japandroids mit Sängerin dahinterstecken.
„Listen“ macht dann die Tür zu, leise, ruhig, ernüchtert und doch nicht ohne Hoffnung.
Man kauft es ihnen ab. Man seufzt und lächelt mit. Und vor allem möchte man das Album gleich noch mal von vorne hören.
Tegan and Sara dürften inzwischen neidisch sein.
8/10

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