Amber – Lovesaken

Amber - Lovesaken // Bild: http://weareamber.bandcamp.com/album/lovesaken

Gut gebrüllt

„Postrock, Hardcore, Wasauchimmer.“ So oder so ähnlich sieht also das Selbstbild des Fünfers namens Amber aus. Die sind seit November 2011 unter selbigem Namen unterwegs und zimmern gemeinsam scharfkantigen Postrock oder Hardcore oder eben Wasauchimmer zusammen. Schließlich trifft die Beschreibung durchwegs ins Schwarze. Ob die Referenzen, die da aus dem Hut gezogen werden – unter anderem IsisCult Of Luna und Neurosis – nicht doch ein paar Nummern zu groß sind? Wird sich zeigen.

Gerade einmal fünf Songs sind da nun versammelt, auf dem akutellen Werk Lovesaken. Herzlich willkommen also im Reich der Songlängen auf Postrock-Niveau. Unter sechs Minuten geht hier kein Song nach Hause. Dementsprechend wenig Eile haben die Marburger dann auch mit ihren Songs, die sie gemächlich auswalzen, breiter treten, lauter machen und hin und wieder auch zusammenstürzen lassen. Klingt jetzt verdächtig nach dem kleinen Postrock-Einmaleins? Mitnichten. Postrock wird hier ohnehin nur an den Instrumenten propagiert. Zumal Amber eher den Weg von brachial nach schön suchen, als es anders herum zu versuchen. So knallt dann auch der Opener mit dem wenig bescheidenen Titel Kings Like Us recht unvermittelt drauf los, findet im infernalischen Gebrüll – ein Feature, das im übrigen die ganze Platte durchzieht – einen mehr als passenden Partner und nimmt sich erst gegen Ende der Spielzeit die nötige Pause, um mal eben kurz durchzupusten. Und um dann den Stab direkt an Lost weiter zu geben. Ein Stück, das sich gänzlich anders geriert, aber doch den gleichen Stilstempel mit sich führt. Die laut-leise Wechsel vollziehen sich schneller, tänzeln geradezu um sich, die lauten Parts knallen heftiger, die leisen tönen wiederum schöner. Und immer mit dabei: Das stellenweise wirklich fiese Gekeife. Das, obschon es nicht unbedingt mit Facettenreichtum glänzen kann, doch irgendwie den Laden zusammenhält und der Platte den Punch verpasst, den sie braucht. Dass dieses vertonte Gift- und Galle spucken von einer Frau stammt und somit mal eben ein kleines Klischee widerlegt wird: Umso besser.

Womit wir aber auch genug gelobt hätten. Schließlich gibt es – wie eigentlich fast immer – auch etwas zu meckern. Das fängt beim nicht so wirklich hübschen Cover ganz harmlos an. Und hört auf bei dem Gefühl, dass Lovesaken ein wenig mehr Abwechslung in Stil und angeschlagenem Tempo vielleicht, nein sicherlich, ganz gut zu Gesicht stünde. Wenn man dann allerdings beim Closer und Titeltrack angekommen ist, der die bis dahin bereits wohl bekannte Härte beinahe virtuos mit einer todsicheren Melodie zusammenführt und sich in seinen mehr als zehn Minuten keine Längen erlaubt, muss man doch noch den virtuellen Hut ziehen. Ein Versprechen für die Zukunft.

7/10

Anspieltipps: Lost, Lovesaken

(Martin Smeets)

Amber – Lovesaken | Halo Of Flies/Narshardaa/Protagonist | VÖ: 27.04.2013 | Digital/LP

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