Aloa Input – Anysome

Aloa Input - Anysome // Bild: jpc.de

Es ist so flauschig!

Obwohl sich zeigen wird, dass man der Band damit ein klein wenig Unrecht tut, muss es einfach gesagt werden: Aloa Input sind ja so was von putzig. Es zirpt, es pluckert, es sucht sich der stets mehrstimmige und durchaus einlullende Gesang seinen Weg. Durch zahlreiche gute Ideen an der Gitarre etwa. Oder durch fein ziselierte kleine Beatkonstrukte, verschleiertes Synthiegewaber und meist blendend gelauntes Tastengeklimper. Das macht Eindruck, und zwar auf den ersten Blick einen durchweg süßen. Aloa Input sind, bemüht man die ganz schiefen Vergleiche, die Hello Kitty des popverliebten Indietronic. Ein Genreunfall, den man mit dem Hinweis auf völlige Harmlosigkeit aber auch völlig ignorieren kann, oder?

Tja, von wegen. So fluffig Anysome zunächst auch dahertrippeln mag – das Album macht schnell klar, dass es weit mehr können will, als dreizehn Songs lang flauschige Einfälle zu präsentieren. Vielmehr stellen Cico Beck, Marcus Grassl und Flo Kreier all dem Schönklang ganz bewusst immer wieder Kontrapunkte gegenüber. Zwar dürfen sich dann in Another green world zunächst Vogelgezwitscher und eine melodieverliebte Gitarrenfigur die Hand geben, allerdings nicht, ohne dass ein überraschend wuchtiges Schlagzeug immer wieder mal dazwischenhaut. Darüber liegen oft in Richtung Melancholie schielende Gesangslinien, die manchen bereits aus Grassls früherer Band Missent To Denmark bekannt sein dürften. Und flugs ergibt sich ein stimmiger Song, der sich beleibe nicht auf seine Nettigkeit reduzieren lässt.

In der Folge verzeiht man es der Band sogar, dass sie einmal dem albernen Entvokalisierungswahn anheim fällt, denn Prblms hat neben einem dämlichen Titel auch jede Menge Hitpotenzial – und gefällt auf allen Ebenen. Genau wie das mysteriös verrauchte Interlude, das den Weg in weniger eingängige Gefilde wagt und so neben dem etwas abgedrehten Chasing shades für wohlige Abwechslung sorgt. Und wenn sich Aloa Input mit Mellow red ball zwischen genau die Stühle setzen, die Electric President, Lali Puna und The Notwist irgendwann einmal aufgestellt haben, ist sowieso alles gut. Eine runde Sache, könnte man sagen.

Langweilig wird dem Hörer also im Verlauf von Anysome ganz sicher nicht. Ein wirklich klares Bild ergibt sich allerdings nicht so richtig: Immer wieder ist man geneigt zu fragen, wo dieses Album denn nun eigentlich hin will, weil es einen etwas zerissenen Eindruck hinterlässt. Ziemlich knuffig und eingängig, ein bisschen mysteriös, ein bisschen experimentiell, ein bisschen verrückt. Ein bisschen arg unentschlossen also. Dabei wäre es Aloa Input durchaus zuzutrauen, ein durch und durch großartiges Album aufzunehmen. Doch noch ist es nicht soweit. Dazu fehlt noch ein wenig der Fokus, müssen all die Einfälle etwas mehr kanalisiert werden. Doch das kriegen die drei sicher noch hin.

6/10

Anspieltipps: Another Green World, Prblms, Mellow Red Ball

(Martin Smeets)

Aloa Input – Anysome | Morr/Indigo | VÖ: 18.10.2013 | CD/Digital

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