Alcoa – Parlour Tricks

Alcoa - Parlour TricksCowboycore

Dass Derek Archambault musikalisch noch ein klein wenig mehr kann als aus heiserer Kehle in ein Mikrofon zu brüllen, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Spätestens seit er auf Defeaters zweiter Platte Empty Days & Sleepless Nights unter anderem mal eben den kleinen Singer/Songwriter-Hit I Don’t Mind untergebracht hat, wissen eigentlich alle: Der Kerl funktioniert auch im ruhigeren Genrekontext durchaus hervorragend. Als logische Konsequenz muss mit Alcoa natürlich ein Nebenprojekt her, man kann ja mit der hauptsächlich krachigen Hauptband nicht plötzlich arg leise Töne anschlagen.

Nachdem inzwischen einige Jahre, ein erstes Album und eine via Crowdfunding finanzierte Hüftoperation ins Land zogen, legt Archambault jetzt mit Parlour Tricks das zweite Album unter dem Alcoa-Banner vor. Ein Album, das ein mal mehr zeigt, wie sehr dieses Projekt als Antithese zu Defeater zu verstehen ist. Elf in sich ruhende Stücke sind hier versammelt, die gemächlich dahin schlendern und vor allem darauf achten nicht allzu viel Staub aufzuwirbeln. Gut abgehangene akustische oder angecrunchte Akkorde prägen das Bild, immer wieder sorgen Slidegitarren für dezente Farbtupfer und mittendrin lässt sich die Hauptfigur von der allgegenwärtigen Unaufgeregtheit anstecken und mischt seine nach wie vor hervorragende Stimme angenehmerweise kein Jota zu weit in den Vordergrund.

Das alles sind die Zutaten, die Parlour Tricks zu einer Platte machen, die für eine dicke Staubschicht auf der Skip-Taste sorgt. Die sich aber durch ihre selbst gewählte Unauffälligkeit auch völlig unnötige Grenzen setzt. Vom stimmungsvollen Opener Old Habits angefangen, fragt man sich immer wieder, wann dieses Album endlich den Mut findet, die eigene Wohlfühlzone wenigstens ein paar Meter zu verlassen, schlagen doch die ersten Songs allesamt in die gleiche Kerbe. Selbst das zur Abwechslung mal spärlich Intrumentierte It Won’t Get Better vermag zunächst keine nennenswerten Neuigkeiten zu vermitteln. Erst mit dem wundervoll verschleppten, sehnsüchtigen Always Chasing Me gelingt der erste Ausbruch.

Es ist zum Glück nicht der einzige. Rations nimmt im Vergleich zum restlichen Album geradezu die Beine in die Hand und lässt eine Prise Rock in die Platte. Auch For Holden wagt sich zwischenzeitlich an etwas lautere Töne. Verplantes Gitarrensolo inklusive. Und wenn die Archambaults in Poison Acquaintance zum Duett über erhabene Klavierakkorde ansetzen, wird man nicht nur daran erinnert, welch außergewöhnliches Talent hier am Werk ist, sondern kann auch nichts anderes mehr tun, als andächtig zu lauschen. Und zu vergessen, dass mit diesem Album möglicherweise noch mehr drin gewesen wäre.

7/10

Anspieltipps: Old Habits, Codebreaker, Poison Acquaintance, Rations

(Martin Smeets)

Alcoa – Parlour Tricks | Bridge 9/Soulfood | VÖ: 27.02.2015 | CD/LP/Digital

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