Ah! Kosmos – Bastards

AhKosmos-Bastards

Über den Dingen

Aus ziemlich vielen ziemlich guten Gründen hat das Wörtchen „ich“ in einem Text über Musik im Allgemeinen wenig bis nichts verloren. Und dennoch möchte ich hier mal ein Geständnis ablegen: Immer wenn es um Musik geht, die in irgendeiner Form das Genre „Electro“ durchfliegt, bin ich eigentlich der Letzte, den man fragen sollte. Als treuer Freund der verzerrter Gitarrenarbeit mit unerklärbarer Sympathie für Pop-Punk bin ich nämlich eigentlich schon stolz, Acts, wie Four Tet, Burial oder Darkside zu kennen und zu schätzen. Und Trip-Hop nicht für eine ansteckende Krankheit zu halten.

Warum schreibt also ein ausgewiesener Anti-Electro-Aficionado über Ah! Kosmos? Nun, weil Songs der der Istanbuler Produzentin und Musikerin Başak Günak einfach so gut geraten sind, dass sie auch im hinterletzten Schlupfwinkel der Ignoranz wahrgenommen werden. Müssen! Sinistre Soundscapes werden präsentiert, auf Bastards, die ihre Hörer_innen unausweichlich in einen Mahlstrom der Faszination ziehen. Acht Stücke, irgendwo zwischen BurialFour TetDarkside und weniger nervigen Radiohead. Die zu allem Überfluss noch die Spannung des Postrock in sich die tragen. Die sich wiederum wundervoll am latent aufgekratzten Charakter dieser Songs reibt. Und so dafür sorgt, dass selbst der eher skizzenhafte Opener Out/Ro/In/Growth etwas Außergewöhnliches verströmt, das kaum zu benennen ist.

Da tut es gut, dass Bastards einige Fix-und Anhaltspunkte liefert. Home etwa, das zögerlich in Richtung Alone Time von Explosions In The Sky & David Wingo grüßt und sich im Verlauf mehr und mehr zu einem einnehmend-eingängigen Stück entwickelt. Trace of waterfalls bringt dann nach einem nervös-verplantem Interlude etwas Ruhe und Klarheit ins Spiel, entwickelt seine einfachen, aber hintersinnigen Melodien aber doch konsequent zu einem aufreizenden Sog. Dem so leicht natürlich keiner entkommt. Will man auch gar nicht. Da kann Stay noch so sehr per kleinteiligem Geplucker und exaltierter Stimme mit radioheadscher Verkopftheit drohen: Songs, wie das fast unverschämt gelungene And Finally We’re Glacier, oder das treibende Always In Parentheses taugen nicht nur zum etwas verschwurbeltem Hit, man wird sie auch über lange Zeit hinweg nicht mehr los. Auf die Gefahr, sich zu wiederholen: Will man auch absolut nicht.

Vom unpassenden Wort „ich“ ist man an dieser Stelle übrigens schon ganz weit entfernt. Weil dieses in strahlendem Schwarz gemalte Album weit über dem Subjektiven flirrt und sogar seine Genrezugehörigkeit zur Randnotiz degradiert. Diese Songs lassen auch die Letzten erkennen: Wäre das Wort „Meilenstein“ nicht so verbraucht, man hätte es an dieser Stelle mindestens im Hinterkopf. Aber eigentlich sind sogar solche Zuschreibungen für diese Platte unerheblich. Sie steht für sich.

Wertung: 8/10

Anspieltipps: Home, Trace Of Waterfalls, And Finally We’re Glacier

(Martin Smeets)

Ah! Kosmos – Bastards | Denovali/Cargo | VÖ: 24.04.2015 | CD/LP/Digital

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