Against Me! – Transgender Dysphoria Blues

Against Me! - Transgener Dysphoria Blues // Bild: consequenceofsound.net

Auf’s Maul

So langweilig es oftmals auch ist, alte Kamellen aufzuwärmen, es lässt sich einfach nicht vermeiden. Wir spulen also kurz zurück, es ist Mai 2012. Tom Gabel verkündet, fortan nicht mehr als Mann leben zu wollen und ab jetzt auf den Namen Laura Jane Grace zu hören. Soweit, so gut. Was folgt, war eine unüberschaubare Welle der Aufregung allenthalben. Klar, besagte Welle bestand größtenteils aus Respektsbekundungen und Schulterklopfen, wäre aber viel kleiner ausgefallen, wären die Begleitumstände andere gewesen. Weil Transgender und Punkrock, das ist ja wie, ja, keine Ahnung wie das ist. Für viele jedenfalls semantisch nicht in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Nicht wenige bewegte am meisten, was denn nun aus dieser Stimme werden würde, wenn da nun plötzlich eine Frau singt.

Vorneweg: Transgender Dysphoria Blues ist nicht das Album, das man nach der Entwicklung, die Against Me! im Laufe der letzten drei Alben erwarten konnte. Der Weg in den Pop-Rock ist zu Ende, Against Me! setzen zur Kehrtwende an und legen ein Album vor, dessen Wut zu keiner Sekunde aufgesetzt klingt. Das beginnt beim Opener und Titeltrack und zieht sich in der Folge durch die komplette knappe halbe Stunde. Glattproduziert klingt anders. Ein polterndes Schlagzeug, eine grandios zwingende Melodieführung: Mehr brauchen die runderneuerten Against Me! nicht, um in ihr neuestes Machwerk zu geleiten. Passend zur wiederentdeckten Kratzbürstigkeit gibt sich auch die Textarbeit ziemlich deutlich: „You want them to see you / Like they see every other girl / They just see a faggot / They’ll hold their breath not to catch the sick.“ Das ist drastisch, das ist krachend umgesetzt und vor allem: Das sitzt. Und geht ganz tief in die Magengrube von Homophobie, Transphobie und Konservatismus. Und überdies über weite Strecken bestens ins Ohr. Das unmittelbar folgende True Trans Soul Rebel ist ein lupenreiner Punkhit, Drinking With The Jocks wird Fans der ersten Stunde Freudentränen ins Gesicht treiben und Black Me Out ist mal locker unter den besten Songs vertreten, die diese Band jemals auf Band gebracht hat.

Dazwischen geht es nicht weniger unterhaltsam zu: Osama Bin Laden As The Crucified Christ provoziert nicht nur mit seinem Titel, FUCKMYLIFE666 ist der Song, den Billy Joe Armstrong gerne auf den letzten 3 Green-Day-Alben untergebracht hätte. Dass dabei so ziemlich jeder Song die letzten beiden Alben im Alleingang an die Wand klatscht: Schmuck am Nachthemd.

Viel wichtiger ist: Against Me! haben eine bemerkenswerte Platte aufgenommen. Obwohl Laura Jane Grace zwischenzeitlich die halbe Band verloren hat, klingt dieses Album deutlich stringenter als der letzte Output der Band. Diese Platte ist ein Statement. Gegen Konservatismus, gegen Homo- und Transphobie. Und vor allem gegen all jene, die ein dickes Brett vor dem Kopf herumtragen. Und damit ist Transgender Dysphoria Blues vor allem eins: Wichtig.

7/10

Anspieltipps: Tansgender Dysphoria Blues, True Trans Soul Rebel, Paralytic States, Black Me Out

Against Me! – Transgender Dysphoria Blues | Total Tremble / Indigo | VÖ: 17.01.2014 | CD/LP/Digital

3 Gedanken zu „Against Me! – Transgender Dysphoria Blues

  1. Pingback: News | Januar #1 14 | heartcooksbrain

  2. Pingback: The Menzingers – Rented World | heartcooksbrain

  3. Pingback: Jahrespoll 2014 von: Martin Smeets |

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*